Heimsheim/Böblingen
Gewerbepolitik auf eigene Faust
Gewerbeflächen entlang der Autobahn sind bekanntlich beliebt. Besonders begehrt sind bei vielen Firmen Baugebiete unweit der A 8 im Heckengäu, also im nördlichen Landkreis Böblingen und im südöstlichen Enzkreis. Grund und Boden sind hier noch verhältnismäßig günstig. Dennoch sind die Landeshauptstadt Stuttgart und der Flughafen binnen weniger Minuten zu erreichen, zumal, seit die Autobahn hier dreispurig ist.
Die Stadt Heimsheim hat von diesem „Boom“ in den vergangenen Jahren besonders profitiert. Bauplätze in ihrem Gewerbepark Egelsee verkaufen sich wie geschnittenes Brot. Kein Wunder, dass es sich manche Enzkreis-Gemeinde im Umland zumindest theoretisch vorstellen könnte, mit den Heimsheimern zusammenzuarbeiten und gemeinsam mit der Schleglerstadt ein interkommunales Gewerbegebiet in Autobahnnähe zu betreiben. Die Idee geisterte bereits durch die Gremien des Regionalverbands Nordschwarzwald.
Doch nun haben die Heimsheimer klar gemacht, dass sie genau das – ein interkommunales Gewerbegebiet unter Beteiligung weiterer Enzkreis-Kommunen – gar nicht wollen. Bei einer Gemeinderatssitzung haben sich der Bürgermeister Uwe Rupp und die Mitglieder des Gremiums gegen eine solche Zusammenarbeit entschieden.
„Bislang haben wir doch bewiesen, dass wir das auch alleine schaffen“, sagte der CDU-Stadtrat Rolf Armbrust in Hinblick auf die Entwicklung. Der Heimsheimer Egelsee hat sich in den vergangenen Jahren zu einem stattlichen Gewerbegebiet gemausert. Global agierende Mittelständler und wendige High-Tech-Firmen haben sich hier angesiedelt.
Derzeit wird im Heckengäu der neue Flächennutzungsplan bis zum Jahr 2025 fortgeschrieben – die Grobplanung in der Region für Gewerbe, Wohnbau und Landwirtschaft. Im Entwurf ist eine rund 15 Hektar große Fläche westlich des bereits bestehenden Gewerbegebiets entlang der A 8 vorgesehen. Eine Fläche, die der Stadt für eine mögliche Erweiterung ihres Gewerbegebiets nützlich sein könnte. Doch die Genehmigung dieser Fläche sei an eine Bedingung geknüpft, erklärte die Stadtverwaltung den Gemeinderäten. Die Fläche könne nur dann ausgewiesen werden, wenn sie für ein interkommunales Gewerbegebiet genutzt werde.
Aber: ein Gewerbegebiet in Zusammenarbeit mit anderen Kommunen zu unterhalten, sei ein sehr großer Aufwand, erläuterte der Heimsheimer Bauamtsleiter Paul Moch die ablehnende Haltung. So müssten die beteiligten Gemeinden und Städte einen Zweckverband gründen, der bei Bedarf entscheide. Im Falle einer Investorenanfrage müssten sich zudem die einzelnen Gemeinderäte erst beraten und die Entscheidung dann wiederum an den Zweckverband weitergeben, der dann endgültig entscheide. Das alles sei ein zusätzlicher Arbeitsaufwand, der in den Augen des Baumamtsleiters nicht gerechtfertigt ist.
Die Idee des Regionalverbands Nordschwarzwald, ein großes Gewerbegebiet für mehrere Kommunen zu errichten, sei zwar keine schlechte, so Paul Moch weiter. Einen Nutzen für die Schleglerstadt sehe er darin aber nicht. Bislang habe die Stadt keine Probleme gehabt, ihr Gewerbegebiet voll zu bekommen und neue Unternehmen anzusiedeln. Er sei optimistisch, dass das auch in Zukunft so gut weiterlaufe.
Ob die Stadt die Fläche entlang der Autobahn auf eigene Faust als Gewerbegebiet ausweisen dürfe, das stehe allerdings noch nicht fest. Falls nicht, habe die Stadtverwaltung schon eine weitere Fläche im Auge, sagt Moch. Direkt gegenüber dem bereits bestehenden Gewerbegebiet an der Landesstraße gebe es noch eine weitere ausreichend große freie Fläche, berichtete der Baumamtsleiter. Eine offizielle Stellungnahme des Regionalverbands zu der Entscheidung aus Heimsheim liegt übrigens noch nicht vor – auf große Freude dürfte das Solo der Schleglerstadt dort aber nicht treffen. Unterdessen haben Kommunalpolitiker in den Nachbarkommunen im Landkreis Böblingen ganz andere Kritikpunkte. Sie gehören zum Regionalverband Stuttgart, haben strengere Auflagen, was die Ansiedlung von Gewerbe betrifft. Aus Weissach beispielsweise ist erst unlängst von Seiten der Freien Wähler angemerkt worden, dass die Kommunen im Enzkreis mit ihren Flächen großzügiger umgehen dürften.
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