Leonberger Kreiszeitung

Leonberg

Die Fastenzeit als Chance zum Innehalten

Michael Schmidt, veröffentlicht am 23.02.2012
Asche - ein Symbol der menschlichen Endlichkeit. A3730 Federico Gambarini

In den katholischen Gemeinden haben Priester gestern Asche auf die Häupter der Gottesdienstbesucher gestreut. Genauer: ein symbolisches Kreuz aus Asche. So teilte Pfarrer Michael Broch in St. Johannes jenes Ritual mit den Gläubigen. „Zudem ist die „Asche ein Symbol unserer menschlichen Endlichkeit“, kommentierte der Rundfunkpfarrer Michael Broch den Brauch des Aschekreuzes. „Zum anderen soll sie auch Hoffnung stiften, die über den Tod hinaus geht.“ Die Fastenzeit läuft schließlich genau auf Karfreitag zu, sie endet mit dem Osterfest – bei dem schließlich die Auferstehung Jesu gefeiert wird.

Erfreut stellte Broch fest, dass die Fastenzeit immer mehr auch die Christen der verschiedenen Konfessionen verbindet. „Fasten ist in“, sagte er mit Blick auf die zahlreichen Angebote auch anderer christlichen Konfessionen. „Oder geht es vielleicht einfach nicht spurlos an uns vorbei, wenn wie beobachten, wie Muslime ihren Ramadan pflegen?“, fragte er sich. Jedenfalls müsse gerade „das Fasten auch Maß haben“ und frei von jeder Formalie sein: „Wenn ich kein Wienerle zu 1,80 Euro essen darf, dafür aber einen Fisch, der 32 Euro kostet, dann stimmt etwas nicht.“ Denn: „Was hat der liebe Gott davon, wenn ich sieben Wochen lang kein G’sälzbrot esse?“, sagt der Theologe aus Renningen und einer der sieben Sprecher des „Worts zum Sonntag“. Beim „Fasten in Freiheit“ gehe es vielmehr darum, sich selbst neu wahrzunehmen, aber auch die Augen zu öffnen für die Nöte der Welt.

Eine der bekanntesten kirchlichen Fastenaktionen namens „Sieben Wochen ohne“, die 1983 als spontane Aktion von einigen evangelischen Theologen und Journalisten nach einem ausgedehnten Gasthausbesuch ins Leben gerufen worden war, gibt es so gar nicht mehr. „Nachdem die Aktion quasi zum Selbstläufer geworden ist, bewerben wir sie nicht mehr“, sagt die Geschäftsführerin der Diakonie in Leonberg, Simone Zwicker. Fasten als Zweck zum Abnehmen ist vielen Christen aber zu wenig. Jenseits der körperlichen Entschlackung geht es auch um den Verzicht von Internet und Genussmitteln, von Dingen, die man eigentlich nicht braucht und doch gedankenlos konsumiert.

Und nach katholischem Vorbild lädt die evangelische Erwachsenenbildung Leonberg in diesem Sinne zu „Fern-Exerzitien“ ein. Diese Fastenaktion beginnt am kommenden Sonntag mit einem Gottesdienst in der Versöhnungskirche im Ramtel um 10 Uhr. In der Michaelskirche gibt es dann bis Ostern jeden Mittwoch um 19 Uhr eine Fastenandacht. Außerdem erhalten die Fastenden wöchentlich einen Fastenbrief, geschrieben von einem Theologen aus dem Dekanat. Darin werden sie geistlich bestärkt und begleitet, diesen Weg bis Ostern weiterzugehen.

Dass die Sehnsucht vieler Menschen, gerade auch in der evangelischen Kirche, nach Ritualen zunimmt, beobachtet man in der katholischen Kirche schon lange. Die Beneditinerpater Anselm Grün und Michael Reepen nennen solche Rituale „heilsam und ordnend“.





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