Ein Chef zum Verlieben

Die Mär vom reichen Tunichtgut

Ulrich Kriest, veröffentlicht am 14.02.2003
Filmbeschreibung
riegsgefahr, Wirtschaftskrise: die Zeiten werden härter. Das hat auch etwas Gutes, denn nun erinnert sich die Traumfabrik Hollywood an eine ihrer schönsten Trumpfkarten, an die flotte Sozialkomödie. In den Filmen von Frank Capra, Preston Sturges und Ernst Lubitsch begegneten wir den Kabalen und Kapriolen exzentrischer Millionäre, gewiefter Sekretärinnen, sympathischer Hochstapler und gutherziger Dienerschaft. Das Schönste daran aber war, dass den Klassenunterschieden und, wenn man will, ihren -kämpfen spielerisch Doppelbödiges innewohnte, dass alles möglich schien und - vor allem - immer Platz für die Liebe war. Nicht anders ist es in "Ein Chef zum Verlieben", dem Regiedebüt von Marc Lawrence, der sich bisher durch die Drehbücher zu "Miss Undercover" und "Auf die stürmische Art" hervortat.

Dass es derzeit keine bessere Besetzung für einen in Geld schwimmenden, unwiderstehlich charmanten und unverantwortlich handelnden Tunichtgut als Hugh Grant gibt, ist spätestens seit "About a Boy" allgemein bekannt. Hier spielt er George Wade, den Boss der führenden New Yorker Immobilienfirma, besser gesagt: Er vertritt diese Firma in der Öffentlichkeit, weil er so smart und telegen ist. Das kann man von seinem spießigen Bruder Howard (David Haig) nicht behaupten, der sich dafür um die schmutzige Seite des Geschäfts kümmert.

Leider hat George eine Marotte, die das Imperium mittelfristig zu ruinieren droht. Seine Anwältinnen sucht er nicht nach fachlicher Kompetenz aus, sondern allein auf Grund natürlicher Sekundärtugenden, denn er beliebt mit ihnen sogleich ins Bett zu steigen. Die Firma kommt das teuer zu stehen, weshalb Howard George drängt, sich einen vielleicht unattraktiven, dafür aber fähigen Ersatz zu suchen. An diesem Punkt kommt Sandra Bullock ins Spiel. Als Lucy Kelson, ein hoch begabter Spross sehr linksliberaler Eltern und deshalb stets sozial engagiert, akzeptiert sie das Jobangebot, aber nur unter einer Bedingung: George muss das politisch ungemein wichtige Stadtteilzentrum erhalten.

Wiewohl ideologisch, moralisch und auch vom Temperament her wie Feuer und Wasser, funktionieren die zwei als Team famos. Lucy wird rasch zu Georges unbestechlichen Beraterin in allen Lebenslagen, ihr emotionales Eigeninteresse bleibt allerdings auf der Strecke. Bis George und Lucy merken, dass da "mehr" ist als eine Geschäftsbeziehung, braucht es eine Rivalin und reichlich Zeit, doch die vergeht in dieser naiven Liebeskomödie dank geschliffener Dialoge und grotesk-komischer Einfälle (Sandra Bullock schnarcht und hat Durchfall!) und dem spürbaren Vergnügen der Darsteller im Flug.

Wie eingangs erwähnt: die Zeiten werden härter, wir alle müssen den Gürtel enger schnallen. George beispielsweise könnte es sich durchaus vorstellen, seinen Privatjet mit einer anderen Familie zu teilen. Wir verstehen das als Happy End.
 
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