Jeden Abend um 22 Uhr verwandelt sich die Bar Sur am Schlossplatz in eine große Tanzbar mit südamerikanischer Musik, mal Salsa, mal Tango.
In Stuttgart gibt es immer mehr Bars und Lounges für jedes Alter, jeden Geschmack, jeden Stil. Immer dienstags stellt die StZ eine der Bars vor. Heute: die Bar Sur im ehemaligen Café Marquardt, wo sich seit kurzem vor allem die Tango- und Salsatänzer aus der Region treffen.
Der Weg: die Bar Sur ist mitten in der Stadt, man muss aber trotzdem wissen, wo genau, denn als Passant wird man nicht unbedingt auf die Bar aufmerksam gemacht. Also: An der Ecke Bolz-/Königstraße im Marquardtbau, dort also, wo auch die Komödie im Marquardt und die Cinema-Kinos sind, geht man die Treppe hoch in den ersten Stock, dann gleich links durch die Glastür.
Der Stil ist schon auf den ersten Blick beeindruckend: tiefrote Wände, weiße Sofas und Sessel, schwarze Tische, dunkler Boden, ein bisschen wie in einem großen, modernen Wohnzimmer. Dazu die schon immer imposante Bar als zentrales Element an der einzigen fensterlosen Wand - und der einzigartige Ausblick auf den Schlossplatz und die Königstraße. Gestaltet wurde und wird alles von der Betreiberin selbst, von Brenda Figueroa. Das Problem: zum richtig Wohlfühlen sollten schon mindestens 20, 30 Gäste da sein, der Raum ist nämlich riesig.
Die Macherin ist gebürtige Argentinierin und professionelle Tangotänzerin, die auch in so bekannten Filmen wie "Evita" getanzt hat. Die 31-Jährige stammt aus Buenos Aires, wo auch das Original der Bar Sur steht, lebte einige Jahre in den USA und zog Ende 1998 von San Francisco nach Stuttgart um. Zunächst hatte sie eine kleine Tanzschule im Westen, jetzt hat sie diese in die Bar Sur verlagert und arbeitet außerdem weiter an eigenen Tangoshows. Sie selbst bietet in der Bar Sur Tangokurse an (www.tangueando.de), ihr Kollege Ignacio Camblor gibt Salsa-Unterricht (www.salsa-de-cuba.de). Weitere Tänze sollen dazukommen.
Das Publikum ist entsprechend dem Motto der Bar Sur "Tanzen - Hören - Sehen" sehr gemischt. Es gibt die Kursteilnehmer, die beim Salsa von Anfang 20 bis Anfang 40 reichen, beim Tango auch deutlich älter sind; die Tänzer, die einfach dankbar sind für die Möglichkeit, tanzen zu können; die Zuschauer, die zwar auch gerne tanzen würden, es aber nicht können oder sich einfach nicht trauen; und die Zuhörer, die vor allem wegen der lateinamerikanischen Musik hierher kommen.
Die Drinks: Cocktails werden in der Bar Sur vor allem an den Salsa-Abenden getrunken. Acht davon sind im Angebot, darunter Klassiker wie ein schön fruchtiger, nicht allzu gehaltvoller Tequila Sunrise, ein Gimlet, ein Manhattan oder einfach Wodka Orange, auch Screwdriver genannt. Dafür, dass das Personal manchmal einen etwas unbeholfenen - aber sehr netten - Eindruck macht, sind die Cocktails überraschend gut. Tangotänzer trinken lieber einen der brauchbaren offenen südamerikanischen Rotweine. Außerdem im Angebot: verschiedene Kaffeevarianten, Teesorten und viel Alkoholfreies.
Die Preise sind für diese beste Innenstadtlage vergleichsweise moderat. Die Cocktails kosten 5,50 bis 7,50 Euro, 0,2 Liter Cabernet Sauvignon (gut eingeschenkt) 4 Euro, 0,3 Liter Veltins 2,50 Euro, Wasser ab 2,50 Euro, ein Cortado 2,20 Euro.
Jeden Abend von 22 Uhr an Tanzbar; donnerstags um 21 Uhr Tango-Tanzabend, freitags von 22 Uhr an Salsa-Night, zum Teil mit Livemusik und 3 bis 5 Euro Eintritt.
Jürgen Brand, Stuttgarter Zeitung vom 11.03.2003
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29.04.2003 - aktualisiert: 27.11.2007 13:49 Uhr