Denis Johnson
Train Dreams
Susanna Gilbert-Sättele, dpa, veröffentlicht am 22.11.2004
Foto: Verlag
Vom Ende einer Ära erzählt Denis Johnson in seiner Novelle "Train Dreams", mit der er sich aufs Neue als einer der großen Erzähler der Gegenwart erweist und dem Leser den Unterschied zwischen annehmbarer und wirklich guter Literatur vor Augen führt. Es ist die traurige Geschichte vom Tagelöhner Robert Grainier, der irgendwann im Jahr 1886 im Norden Amerikas geboren wird und die meiste Zeit seines über 80-jährigen Daseins auf dieser Erde mit ansehen muss, wie die Zeiten sich ändern, wie die Technik Einzug in den Alltag der Menschen hält und ihre Opfer fordert. Und wie mit dem Ende des Glücklichseins auch sein Leben jeden Sinn verliert. Die Lektüre dieser wunderschön geschriebenen und hervorragend von Bettina Abarbanell übersetzten Erzählung verzaubert nicht nur, sondern weckt so etwas wie Ehrfurcht vor jeder noch so unbedeutend scheinenden menschlichen Existenz.
Grainier hat nie Heldentaten vollbracht, nie Verbrechen verübt, nur sein kleines unbedeutendes Leben gelebt. Er war "bis auf ein paar Dutzend Meilen an den Pazifik herangekommen, ohne den Ozean selbst je zu sehen. (...) Er war nie betrunken gewesen. Er hatte sich nie eine Pistole gekauft oder ein Telefon benutzt", und als er starb, hinterließ er keine Nachkommen. Einmal hatte Grainier das Glück erlebt, als er Gladys traf, die ihm die Kraft gab, für sie, sich und das gemeinsame Kind ein Holzhaus zu bauen und ein Stück Land zu roden. Doch dann vernichtet ein verheerendes Feuer alles, was ihm wichtig ist.
Nach dem Tod von Frau und Baby schließt auch er mit der Welt ab, die er fortan als Schauplatz zerstörerischer Veränderungen erlebt: Die Wölfe ziehen sich zurück und machen den Kojoten Platz. Aus seinem verbrannten Stück Erde sprießen neue, andere Pflanzen, und sein indianischer Freund betrinkt sich zum ersten Mal in seinem Leben - so sehr, dass er stürzt und von einem herannahenden Zug in Stücke gerissen wird. Es gibt keine Harmonie mehr mit der Natur, die nun teuflische Kreaturen gebiert. Denn eines Tages liegt auf der Schwelle seiner Hütte ein Wolfsmädchen, in dem Grainier glaubt, seine Tochter wiedergefunden zu haben. Doch entsetzt über die Metamorphose, die dieses Menschenkind zum Tier werden ließ, stellt er sich ihrer Flucht nicht in den Weg.
Die so knapp, quasi in Episoden erzählte Lebensgeschichte des kleinen Mannes steckt voller Andeutungen und Metaphern, mit denen Johnson tief in die Dimensionen einer ganzen Epoche eindringt. Das ist hohe Erzählkunst, die es verdient, nicht nur gelesen, sondern auch im Schulunterricht als literarisches Beispiel besprochen zu werden.
Grainier hat nie Heldentaten vollbracht, nie Verbrechen verübt, nur sein kleines unbedeutendes Leben gelebt. Er war "bis auf ein paar Dutzend Meilen an den Pazifik herangekommen, ohne den Ozean selbst je zu sehen. (...) Er war nie betrunken gewesen. Er hatte sich nie eine Pistole gekauft oder ein Telefon benutzt", und als er starb, hinterließ er keine Nachkommen. Einmal hatte Grainier das Glück erlebt, als er Gladys traf, die ihm die Kraft gab, für sie, sich und das gemeinsame Kind ein Holzhaus zu bauen und ein Stück Land zu roden. Doch dann vernichtet ein verheerendes Feuer alles, was ihm wichtig ist.
Nach dem Tod von Frau und Baby schließt auch er mit der Welt ab, die er fortan als Schauplatz zerstörerischer Veränderungen erlebt: Die Wölfe ziehen sich zurück und machen den Kojoten Platz. Aus seinem verbrannten Stück Erde sprießen neue, andere Pflanzen, und sein indianischer Freund betrinkt sich zum ersten Mal in seinem Leben - so sehr, dass er stürzt und von einem herannahenden Zug in Stücke gerissen wird. Es gibt keine Harmonie mehr mit der Natur, die nun teuflische Kreaturen gebiert. Denn eines Tages liegt auf der Schwelle seiner Hütte ein Wolfsmädchen, in dem Grainier glaubt, seine Tochter wiedergefunden zu haben. Doch entsetzt über die Metamorphose, die dieses Menschenkind zum Tier werden ließ, stellt er sich ihrer Flucht nicht in den Weg.
Die so knapp, quasi in Episoden erzählte Lebensgeschichte des kleinen Mannes steckt voller Andeutungen und Metaphern, mit denen Johnson tief in die Dimensionen einer ganzen Epoche eindringt. Das ist hohe Erzählkunst, die es verdient, nicht nur gelesen, sondern auch im Schulunterricht als literarisches Beispiel besprochen zu werden.
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