Glasers Netzkolumne
Unwetter im Datenmeer
Peter Glaser, veröffentlicht am 30.03.2005
Der Held in Jonathan Franzens Welterfolg "Korrekturen" sieht sich mit seinem jugendlichen Sohn konfrontiert, der sich Überwachungstechnik wünscht. Die vom Kinderzimmer aus kontrollierbare Kamera in der Küche bringt den Vater im Lauf des Romans in ziemliche Schwierigkeiten.
1983 zog der Protest gegen die Volkszählung weite Kreise. Neben den Mainstream-Vorgehensweisen der 70er Jahre - Boykott und Verweigerung - wurden erstmals Zustimmungswaffen erprobt. Vorbilder waren Leute wie die Kunden einer US-Telefongesellschaft, die gegen eine Gebührenerhöhung protestierten, indem sie massenhaft einen Cent zu viel für ihre Telefonrechnung bezahlten. Unter der Last der automatischen Rückbuchungsverfahren brach das Computersystem der Gesellschaft zusammen. Die Gebührenerhöhung wurde rückgängig gemacht.
Heute ist aus "Big Brother" etwas radikal anderes geworden: Das ehemalige Inbild totaler Kontrolle hat sich in ein Orwellness-Institut verwandelt, ein lauwarmes Schweben in inszenierter Privatsphärelosigkeit. Auch die strategischen Kämpfe werden mit neuen Waffen geführt. Ausgehend von der Webseite "maschinen essen sich selber auf" kann man etwa den Schöpfungen von Franz Alken beim Surfen über die Schulter schauen: Bots - kleine Programme, die automatisch Online-Formulare ausfüllen und neugierige Firmen mit Datenmüll versorgen. Mehr als 2200 digitale Charaktere wie Gwendolin Moltke, Anna Lyse oder Rudi Remmler-Neumann mit wechselnden Liebhabereien und Lebensgeschichten sind derzeit aktiv. Alken möchte mit ihrer Hilfe das Datensammeln ad absurdum führen. Wenn immer mehr eingesammelte Daten und Kundenprofile nicht mehr von realen Personen stammen, verlieren die Daten ihren Wert.
1983 zog der Protest gegen die Volkszählung weite Kreise. Neben den Mainstream-Vorgehensweisen der 70er Jahre - Boykott und Verweigerung - wurden erstmals Zustimmungswaffen erprobt. Vorbilder waren Leute wie die Kunden einer US-Telefongesellschaft, die gegen eine Gebührenerhöhung protestierten, indem sie massenhaft einen Cent zu viel für ihre Telefonrechnung bezahlten. Unter der Last der automatischen Rückbuchungsverfahren brach das Computersystem der Gesellschaft zusammen. Die Gebührenerhöhung wurde rückgängig gemacht.
Heute ist aus "Big Brother" etwas radikal anderes geworden: Das ehemalige Inbild totaler Kontrolle hat sich in ein Orwellness-Institut verwandelt, ein lauwarmes Schweben in inszenierter Privatsphärelosigkeit. Auch die strategischen Kämpfe werden mit neuen Waffen geführt. Ausgehend von der Webseite "maschinen essen sich selber auf" kann man etwa den Schöpfungen von Franz Alken beim Surfen über die Schulter schauen: Bots - kleine Programme, die automatisch Online-Formulare ausfüllen und neugierige Firmen mit Datenmüll versorgen. Mehr als 2200 digitale Charaktere wie Gwendolin Moltke, Anna Lyse oder Rudi Remmler-Neumann mit wechselnden Liebhabereien und Lebensgeschichten sind derzeit aktiv. Alken möchte mit ihrer Hilfe das Datensammeln ad absurdum führen. Wenn immer mehr eingesammelte Daten und Kundenprofile nicht mehr von realen Personen stammen, verlieren die Daten ihren Wert.
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