Wladimir Kaminer
Karaoke
Caroline Bock, dpa, veröffentlicht am 05.09.2005
Foto: Verlag
Wladimir Kaminer ist in der deutschen Kulturszene ein Phänomen. Seit seinem Bestseller "Russendisko" bringt er nun mit "Karaoke" das mittlerweile neunte Buch in etwa fünf Jahren auf den Markt. Es ist kein Geheimnis, dass nicht alles davon hohe Literatur ist und er manche Kolumnen herunterschreibt wie andere einen Einkaufszettel. Aber seine Leser lieben ihn. Einige Berlin-Touristen gehen extra seinetwegen ins "Kaffee Burger", wo er bei der "Russendisko" Schätze aus seiner Plattensammlung präsentiert, und hoffen, dass der schreibende DJ einen Wodka mit ihnen trinkt.
Wie sehr der 38-jährige Moskauer, der mit deutlichem russischen Akzent Deutsch spricht, zum Star der hiesigen Literatur geworden ist, zeigt sich auch daran, dass sein neues Buch in der noblen Bertelsmann-Repräsentanz in Berlin vorgestellt wurde. "Eigentlich war ich schon immer eine Plaudertasche, ein Geschichtenerzähler", verriet er dort. In einem Interview hat er einmal gesagt, eine Jugend in der Sowjetunion mache jeden zum Schriftsteller. Und das ist wahrscheinlich das Erfolgsrezept. Der liebevoll-witzige Rückblick auf die wilde Jugend und die schrägen Seiten des Sozialismus kommt gut an bei den 30- bis 40-Jährigen. In West wie Ost verfällt diese Leserschaft schon früh der Nostalgie, wie die Erfolge von "Generation Golf" und "Zonenkinder" zeigen.
Kaminer, der seit 1990 in Berlin lebt, trifft diesen Nerv. Dabei ist es aber sein Kunststück, dass er trotz der gleichen Masche, den oft ähnlich erzählten Alltagsminiaturen, nicht zur Nervensäge geworden ist. Er ist ein charmanter Unterhalter und dabei grundsympathisch geblieben. Immer noch macht ihn sein Erfolg in der deutschen Wahlheimat stutzig, wenn ihn zum Beispiel das Goethe- Institut als DJ mit seinem Kumpel Yuriy Gurzhy und der "Russendisko" um die Welt schickt und er sich in Talkshows im deutschen Fernsehen wiederfindet. Von solchen und vielen anderen Begebenheiten handelt auch sein neues Buch.
Im Mittelpunkt steht dabei Kaminers Liebe zur Musik. So erfährt der Leser nicht nur, dass in der legendären "Russendisko" viel geknutscht wird und wie der kleine Kaminer in den Besitz einer Sperrholzgitarre kam (weil der Vater ihm kein Klavier kaufen wollte, da er auf einen jugoslawischen Dreiflammenherd sparte). Es geht auch um den Kassettenrekorder Romantiker 306, die Erfolge von Amanda Lear in der Sowjetunion und warum die Deutschen so gerne den Kosakenchor hören - zumal es den in Russland gar nicht gibt. Kaminer schweift immer wieder ab und schüttelt immer wieder neue Beobachtungen aus dem Ärmel. Dieses Hakenschlagen macht ihm so leicht keiner nach. Aber er muss sich auch fragen lassen, ob er sich nicht einmal etwas Neues einfallen lassen könnte.
Mehr Information im Internet unter:
www.russentext.de
Wie sehr der 38-jährige Moskauer, der mit deutlichem russischen Akzent Deutsch spricht, zum Star der hiesigen Literatur geworden ist, zeigt sich auch daran, dass sein neues Buch in der noblen Bertelsmann-Repräsentanz in Berlin vorgestellt wurde. "Eigentlich war ich schon immer eine Plaudertasche, ein Geschichtenerzähler", verriet er dort. In einem Interview hat er einmal gesagt, eine Jugend in der Sowjetunion mache jeden zum Schriftsteller. Und das ist wahrscheinlich das Erfolgsrezept. Der liebevoll-witzige Rückblick auf die wilde Jugend und die schrägen Seiten des Sozialismus kommt gut an bei den 30- bis 40-Jährigen. In West wie Ost verfällt diese Leserschaft schon früh der Nostalgie, wie die Erfolge von "Generation Golf" und "Zonenkinder" zeigen.
Kaminer, der seit 1990 in Berlin lebt, trifft diesen Nerv. Dabei ist es aber sein Kunststück, dass er trotz der gleichen Masche, den oft ähnlich erzählten Alltagsminiaturen, nicht zur Nervensäge geworden ist. Er ist ein charmanter Unterhalter und dabei grundsympathisch geblieben. Immer noch macht ihn sein Erfolg in der deutschen Wahlheimat stutzig, wenn ihn zum Beispiel das Goethe- Institut als DJ mit seinem Kumpel Yuriy Gurzhy und der "Russendisko" um die Welt schickt und er sich in Talkshows im deutschen Fernsehen wiederfindet. Von solchen und vielen anderen Begebenheiten handelt auch sein neues Buch.
Im Mittelpunkt steht dabei Kaminers Liebe zur Musik. So erfährt der Leser nicht nur, dass in der legendären "Russendisko" viel geknutscht wird und wie der kleine Kaminer in den Besitz einer Sperrholzgitarre kam (weil der Vater ihm kein Klavier kaufen wollte, da er auf einen jugoslawischen Dreiflammenherd sparte). Es geht auch um den Kassettenrekorder Romantiker 306, die Erfolge von Amanda Lear in der Sowjetunion und warum die Deutschen so gerne den Kosakenchor hören - zumal es den in Russland gar nicht gibt. Kaminer schweift immer wieder ab und schüttelt immer wieder neue Beobachtungen aus dem Ärmel. Dieses Hakenschlagen macht ihm so leicht keiner nach. Aber er muss sich auch fragen lassen, ob er sich nicht einmal etwas Neues einfallen lassen könnte.
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