Katrin Himmler

Die Brüder Himmler

Jan Brinkhus, dpa, veröffentlicht am 14.11.2005
Foto: Verlag

Mit 15 wurde Katrin Himmler im Unterricht von einem Mitschüler gefragt, ob sie "mit dem Himmler" verwandt sei. Gemeint war Heinrich Himmler, der als "Reichsführer-SS" in der Zeit des Nationalsozialismus für die Folterung und den Tod von Millionen Menschen verantwortlich war. Einen "Jahrhundertmörder", nennt Katrin Himmler ihren Großonkel in dem Buch "Die Brüder Himmler". Darin arbeitet die Politologin die eigene Familiengeschichte auf und beleuchtet äußerst fundiert und lesenswert auch die Rolle ihres Großvaters Ernst und dessen älteren Bruder Gebhard während der NS-Herrschaft.

Die 1967 im niederrheinischen Dinslaken geborene Autorin erinnert sich im Vorwort daran, dass ihre Lehrerin vor mehr als zwanzig Jahren die Frage nach der Verwandtschaft mit dem Naziführer einfach überspielt habe - obwohl sie diese mit "einem dicken Kloß im Hals" bejaht hatte. "Sie verpasste eine Chance, begreiflich zu machen, was uns, die Nachgeborenen, mit diesen "alten Geschichten" überhaupt noch verbindet", schreibt die Politologin. Mit "Die Brüder Himmler" will sie jetzt nachholen, was damals versäumt wurde.

Katrin Himmler kennt ihren Großvater Ernst nur aus Erzählungen, da dieser Anfang Mai 1945 in den Berliner Kriegswirren starb. "Obwohl ich um die Nähe meines Großvaters zu Heinrich Himmler wusste, hatte ich in meiner Wahrnehmung immer eine scharfe Trennungslinie zwischen "Heinrich dem Schrecklichen" und "Ernst dem Unpolitischen" gezogen", beschreibt sie den Ausgangspunkt für ihre Recherche.

Nach und nach entzaubert die Wahl-Berlinerin das von der Familie verharmloste und idealisierte Bild ihres Großvaters und dessen älteren Bruder Gebhard. Sie belegt detailliert und mit Sachkenntnis, wie Ernst als Techniker im Reichsrundfunk Karriere machte und Gebhard im Reichserziehungsministerium aufstieg. Beide profitierten erheblich von den Beziehungen ihres Bruders Heinrich, der seit den 20er Jahren zu den führenden Mitglieder der NS-Bewegung gehörte.

Katrin Himmler weist nach, dass beide keine Mitläufer waren, sondern sich tiefer in das verbrecherische Regime verstrickten, als die Familie im Nachhinein wahrhaben wollte. Sie dokumentiert dabei eindrucksvoll und beispielhaft den teilweise verklärenden Umgang einer deutschen Familie mit der NS-Vergangenheit.

Immer wieder kommt die Autorin auch auf den Großonkel und "Jahrhundertmörder" Heinrich Himmler zurück. Und zeichnet etwa die verborgen gehaltene Beziehung des damals bereits verheirateten SS- Mannes zu seiner Geliebten Hedwig Potthast nach. Diese unterschrieb aus Gründen der Geheimhaltung ihre Briefe an Himmler stets mit: "Vergiss mich nicht! Deine X."

Schon von klein auf wurde Katrin Himmler immer wieder mit ihrem Namen und der damit verbundenen Familiengeschichte konfrontiert, was sie zur historischen Spurensuche angetrieben haben mag. Für ihr Buch konnte sie auf unveröffentlichte Briefe und persönliche Dokumente der Familie zurückgreifen oder noch lebende Verwandte als Zeitzeugen befragen. Hinzu kamen bereits gesichtete Quellen vor allem über Heinrich Himmler aus dem Bundesarchiv. Angereichert ist die Familiengeschichte mit zahlreichen historischen Fakten.
 

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