Harry Potter und der Feuerkelch
Und plötzlich liegt ein Toter im Hof von Hogwarts
Rupert Koppold, veröffentlicht am 15.11.2005
Filmbeschreibung
Dunkel ist"s und tief rumorend die Musik. Aus einem Totenkopfrelief schlängelt eine Riesenschlange hervor, in einem verwinkelten Treppenhaus knarren die Stiegen und ein schummriger Gang führt zu einer Verschwörung. Da drin im Zimmer, umgeben von seinen sinistren Schergen, sitzt und zischelt er, dessen Namen niemand nennen und dessen Gesicht der Film uns nicht - noch nicht! - zeigen will. Aber in dieser Geschichte wird der Zauberlehrling Harry Potter (Daniel Radcliffe), der jetzt im Internat Hogwarts aus einem Albtraum aufschreckt, seinem Erzfeind Voldemort noch leibhaftig begegnen. Und weil sich in diesem das Böse gesammelt hat, könnte man beinahe sagen: Harry wird dem Leibhaftigen begegnen.
Vorerst aber geht es gut gelaunt mit der Schule ins Zeltlager, zur 422. Quidditch-WM, bei der die Teams zur Eröffnung Funken sprühend Probe besenfliegen über einer steilwandigen Hightecharena, deren imposanter Anblick sogar die so stadionstolzen Münchner Bayern kleinlaut werden ließe. Zum Turnier aber kommt es dann nicht, Harrys Stirnnarbe schmerzt nämlich wieder, am Himmel erscheinen unheilvolle Zeichen und eine Horde von Kapuzenmännern fackelt die riesige Zeltstadt ab. "Terror bei der WM", so meldet die Zeitung. Und das klingt dann schon fast zu aktuell, zu unangenehm prophetisch, zu sehr nach Muggelproblemen.
Einen Moment lang reißt die Zauberwelt hier auf und deutet über sich hinaus, ist also nicht mehr nur Übersetzung oder Spiegel der "normalen" Welt, sondern direkter Verweis auf diese. Das ist insofern bemerkenswert, als das vierte und von Mike Newell inszenierte Abenteuer der Harry-Potter-Saga ansonsten ganz auf die rationale (und deshalb als beschränkt geschilderte) Welt der Muggels verzichtet. Keine Straßen von London mehr, kein Vorstadthäuschen mit dummdickdreisten Stiefeltern, und auch keine Transitszenen mehr - etwa auf Bahnsteig 9 3/4 - vom einen Reich ins andere.
Die Harry-Potter-Welt schließt sich diesmal hermetisch ab, sie ist sich selbst genug. Das hat Folgen: mit der Abstoßung und Aufgabe des Reichs der Muggels fehlt Hogwarts ein Korrelativ, das all seiner Exzentrik mit Normalmaß begegnete, und auch ein Kontrast, aus dem sich Komik schöpfen ließe.
"Harry Potter und der Feuerkelch" staffiert seine Zauberwelt mit pegasusgezogenen Gespannen, auftauchenden Segelkoggen oder goldenen Eiern mit schreiendem Inhalt tatsächlich noch exzessiver aus als seine Vorgänger, und es ist auch der bisher düsterste Film der Reihe geworden. Letzteres hat natürlich auch zu tun mit dem jetzt vierzehnjährigen Helden und seinem Darsteller, dessen vorher so weichen Züge sich markant auszuformen beginnen. Kein Zweifel: Harry Potter ist kein Kind mehr, auch nicht mehr Knabe, sondern auf dem Weg zum jungen Mann. Trotzdem liegt er noch weit unter der Altersgrenze für das von Internatschef Dumbledore veranstaltete Trimagische Turnier für berühmte Zauberschulen, bei dem sich Hogwarts nun unter anderem füllt mit einer schweigsam brütenden Männergruppe aus Europas Osten und einer modischen Modelmädelschar aus Frankreich. Aber der kandidatenbestimmende Feuerkelch spuckt zu den ersten drei Namen dann eben auch noch den von Harry aus, was zunächst - und sogar mitbetrieben durch Freund Ron (Rupert Grint) - zu ein bisschen Harry-Mobbing führt, dem Teilnahmeerschleichung vorgeworfen wird. Natürlich zu Unrecht: derjenige, der Harrys Teilnahme will, ist ein Abgesandter Voldemorts und hat sich in die Schule eingeschlichen.
Und viele sind verdächtig. Auch deshalb, weil so viele neue Protagonisten auftauchen und oft ins Zentrum der Geschichte rücken, zum Beispiel die aufdringliche Klatschreporterin Rita (Miranda Richardson) oder der inquisitorenhaft wahnsinnig wirkende "Mad-Eye" Moody (Brendan Gleeson). Alte und gute Bekannte dagegen wie etwa Maggie Smith als Mrs. McGonagall oder Robbie Coltrane als Riese Hagrid werden an die Ränder des Geschehens gedrückt.
Aber nun ist wieder Showtime! Ja, es ist dieses ganze Harry-Potter-Abenteuer dramaturgisch gesehen ein langes Turnier mit ein paar Zwischenspielen. Und weil Harry beim Drachenziehen den bösartigsten, nämlich den aus Rumänien erwischt hat, spielt sich auf und über den Zinnen von Hogwarts nun ein fulminanter Luftkampf ab, der brave Besenreiter Harry hurtig voran, der geflügelte Feuerspeier hasserfüllt hinterher.
Die Computertricks wirken übrigens nicht nur in diesen Szenen sehr überzeugend. Nachdem dann noch ein schlingpflanzendurchwachsenes Abenteuer unter Wasser überstanden ist und Harry dabei nicht nur Geschick und Mut, sondern auch soziales Verhalten demonstriert hat, wird der Held zum finalen Test in ein wurzelpeitschendes Labyrinth geschickt, und dort ...
Aber nein, alles darf hier nicht erzählt werden. Schauen wir also lieber noch beim Weihnachtsball in Hogwarts vorbei. Es geht in diesem Internat nämlich auch um das Erlernen der Regeln einer zauberbürgerlichen Gesellschaft. Also etwa darum, welche Schritte man auf dem Tanzparkett unternimmt, nachdem man zunächst die zur Partnerwahl erfolgreich hinter sich gebracht hat. Doch da verlässt unseren Helden der Mut, auch für ihn lässt sich die Pubertät nicht einfach wegzaubern. Wie aber benimmt man sich eigentlich, wenn man entdeckt, dass etwa Hermine (Emma Watson) nicht mehr nur die nette kleine Kameradin ist, sondern auch gut in ein langes Kleid hineinpasst?
Verspätete Anfragen, pubertäre Unbeholfenheiten, Eifersüchteleien: eine Zeit lang wird Hogwarts zur Highschool. Aber noch wird das Thema Erotik in der Harry-Potter-Saga nur an- und nicht ausgespielt. Und jetzt muss es sowieso zurückstehen, jetzt beugt sich Harry über einen Toten im Hof von Hogwarts, ermordet vom wiedergeborenen Voldemort (Ralph Fiennes). "Vor uns liegen dunkle, schwere Zeiten", sagt Dumbledore, und man spürt, dass er nicht mehr Herr im eigenen Haus ist. "Jetzt wird sich alles verändern", sagt auch Hermine, und schaut dabei Ron und Harry an. Auch die Pubertät hat wohl noch einige Peinlichkeiten zu bieten.
Vorerst aber geht es gut gelaunt mit der Schule ins Zeltlager, zur 422. Quidditch-WM, bei der die Teams zur Eröffnung Funken sprühend Probe besenfliegen über einer steilwandigen Hightecharena, deren imposanter Anblick sogar die so stadionstolzen Münchner Bayern kleinlaut werden ließe. Zum Turnier aber kommt es dann nicht, Harrys Stirnnarbe schmerzt nämlich wieder, am Himmel erscheinen unheilvolle Zeichen und eine Horde von Kapuzenmännern fackelt die riesige Zeltstadt ab. "Terror bei der WM", so meldet die Zeitung. Und das klingt dann schon fast zu aktuell, zu unangenehm prophetisch, zu sehr nach Muggelproblemen.
Einen Moment lang reißt die Zauberwelt hier auf und deutet über sich hinaus, ist also nicht mehr nur Übersetzung oder Spiegel der "normalen" Welt, sondern direkter Verweis auf diese. Das ist insofern bemerkenswert, als das vierte und von Mike Newell inszenierte Abenteuer der Harry-Potter-Saga ansonsten ganz auf die rationale (und deshalb als beschränkt geschilderte) Welt der Muggels verzichtet. Keine Straßen von London mehr, kein Vorstadthäuschen mit dummdickdreisten Stiefeltern, und auch keine Transitszenen mehr - etwa auf Bahnsteig 9 3/4 - vom einen Reich ins andere.
Die Harry-Potter-Welt schließt sich diesmal hermetisch ab, sie ist sich selbst genug. Das hat Folgen: mit der Abstoßung und Aufgabe des Reichs der Muggels fehlt Hogwarts ein Korrelativ, das all seiner Exzentrik mit Normalmaß begegnete, und auch ein Kontrast, aus dem sich Komik schöpfen ließe.
"Harry Potter und der Feuerkelch" staffiert seine Zauberwelt mit pegasusgezogenen Gespannen, auftauchenden Segelkoggen oder goldenen Eiern mit schreiendem Inhalt tatsächlich noch exzessiver aus als seine Vorgänger, und es ist auch der bisher düsterste Film der Reihe geworden. Letzteres hat natürlich auch zu tun mit dem jetzt vierzehnjährigen Helden und seinem Darsteller, dessen vorher so weichen Züge sich markant auszuformen beginnen. Kein Zweifel: Harry Potter ist kein Kind mehr, auch nicht mehr Knabe, sondern auf dem Weg zum jungen Mann. Trotzdem liegt er noch weit unter der Altersgrenze für das von Internatschef Dumbledore veranstaltete Trimagische Turnier für berühmte Zauberschulen, bei dem sich Hogwarts nun unter anderem füllt mit einer schweigsam brütenden Männergruppe aus Europas Osten und einer modischen Modelmädelschar aus Frankreich. Aber der kandidatenbestimmende Feuerkelch spuckt zu den ersten drei Namen dann eben auch noch den von Harry aus, was zunächst - und sogar mitbetrieben durch Freund Ron (Rupert Grint) - zu ein bisschen Harry-Mobbing führt, dem Teilnahmeerschleichung vorgeworfen wird. Natürlich zu Unrecht: derjenige, der Harrys Teilnahme will, ist ein Abgesandter Voldemorts und hat sich in die Schule eingeschlichen.
Und viele sind verdächtig. Auch deshalb, weil so viele neue Protagonisten auftauchen und oft ins Zentrum der Geschichte rücken, zum Beispiel die aufdringliche Klatschreporterin Rita (Miranda Richardson) oder der inquisitorenhaft wahnsinnig wirkende "Mad-Eye" Moody (Brendan Gleeson). Alte und gute Bekannte dagegen wie etwa Maggie Smith als Mrs. McGonagall oder Robbie Coltrane als Riese Hagrid werden an die Ränder des Geschehens gedrückt.
Aber nun ist wieder Showtime! Ja, es ist dieses ganze Harry-Potter-Abenteuer dramaturgisch gesehen ein langes Turnier mit ein paar Zwischenspielen. Und weil Harry beim Drachenziehen den bösartigsten, nämlich den aus Rumänien erwischt hat, spielt sich auf und über den Zinnen von Hogwarts nun ein fulminanter Luftkampf ab, der brave Besenreiter Harry hurtig voran, der geflügelte Feuerspeier hasserfüllt hinterher.
Die Computertricks wirken übrigens nicht nur in diesen Szenen sehr überzeugend. Nachdem dann noch ein schlingpflanzendurchwachsenes Abenteuer unter Wasser überstanden ist und Harry dabei nicht nur Geschick und Mut, sondern auch soziales Verhalten demonstriert hat, wird der Held zum finalen Test in ein wurzelpeitschendes Labyrinth geschickt, und dort ...
Aber nein, alles darf hier nicht erzählt werden. Schauen wir also lieber noch beim Weihnachtsball in Hogwarts vorbei. Es geht in diesem Internat nämlich auch um das Erlernen der Regeln einer zauberbürgerlichen Gesellschaft. Also etwa darum, welche Schritte man auf dem Tanzparkett unternimmt, nachdem man zunächst die zur Partnerwahl erfolgreich hinter sich gebracht hat. Doch da verlässt unseren Helden der Mut, auch für ihn lässt sich die Pubertät nicht einfach wegzaubern. Wie aber benimmt man sich eigentlich, wenn man entdeckt, dass etwa Hermine (Emma Watson) nicht mehr nur die nette kleine Kameradin ist, sondern auch gut in ein langes Kleid hineinpasst?
Verspätete Anfragen, pubertäre Unbeholfenheiten, Eifersüchteleien: eine Zeit lang wird Hogwarts zur Highschool. Aber noch wird das Thema Erotik in der Harry-Potter-Saga nur an- und nicht ausgespielt. Und jetzt muss es sowieso zurückstehen, jetzt beugt sich Harry über einen Toten im Hof von Hogwarts, ermordet vom wiedergeborenen Voldemort (Ralph Fiennes). "Vor uns liegen dunkle, schwere Zeiten", sagt Dumbledore, und man spürt, dass er nicht mehr Herr im eigenen Haus ist. "Jetzt wird sich alles verändern", sagt auch Hermine, und schaut dabei Ron und Harry an. Auch die Pubertät hat wohl noch einige Peinlichkeiten zu bieten.
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