The Hills Have Eyes - Hügel der blütigen Augen
Lektion in Terror
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 23.03.2006
Filmbeschreibung
Das jüngste Remake eines der klassischen Splattermovies gilt Wes Cravens "Hügel der blutigen Augen". Eine blitzsaubere, aber durch untergründige Spannungen charakterisierte All-American-Familie wird auf dem Weg nach Kalifornien in der Wüste von Nevada von einer verwilderten Antifamilie aufs Grausamste dezimiert. Die beiden jungen für Drehbuch und Regie zeichnenden Franzosen Alexandre Aja und Gregory Levasseur ("High Tension") haben sich entschieden, keine mit poppigem Zeitkolorit gespickte Klassiker-Hommage abzuliefern, sondern lieber eine Lektion in Terror, dessen Brutalität unerquicklich anzuschauen ist. Man zelebriert Gewalt mit einer an Comics erinnernden Geduld, bei der es sehr, sehr lange dauert, bis ein Mensch wirklich tot ist.
Der etwas angewiderte Blick auf das Remake ändert sich, wenn man das Glück hat, das legendäre Original von 1977 zu kennen. Diese Low-Budget-Produktion bestach durch ihren atmosphärischen, fast abstrakten Schrecken. Das Remake hat diese Abstraktion, das Billige und Unfertige zurückgenommen und sich ganz auf das drastische Ausmalen früherer Leerstellen konzentriert.
Einige der Ausmalungen sind bedeutsam: Die wilde Schattenfamilie, die die Carters attackiert, hatte einst in der Wüste gelebt, musste den Atomversuchen weichen und floh in die Minen der Gegend. Was 1977 nur angedeutet werden konnte, schafft 2006 Arbeitsplätze für Maskenbildner. "Was wir wurden, wurden wir dank euch", lautet denn auch explizit der Vorwurf der Freaks. Die Konfrontation der bürgerlichen Familie mit dem Verdrängten endete 1977 konsequent mit dem Blutrausch des liberalen Schwiegersohns; das Remake gönnt uns eine versöhnlich-reaktionäre Restitution der zur Kleinfamilie geschrumpften Carters.
Bemerkenswert ist jedoch der Atomic Chic des Films, der auf die popkulturelle Dimension der postnuklearen Wüste setzt. Einst hatte man, vielleicht aus Sentimentalität, Familientableaus aus Schaufensterpuppen in den zu verseuchenden Geisterstädten inszeniert. Es sind diese biederen Stillleben aus einer anderen Zeit, die in Erinnerung bleiben. Aja knüpft an, wo Kubricks "Dr. Seltsam" endete: mit einer Selbstauslöschungsfantasie. Nur dass Aja es wagt, die kubricksche Schlusstotale um die entscheidende terroristische Nahaufnahme zu ergänzen.
Der etwas angewiderte Blick auf das Remake ändert sich, wenn man das Glück hat, das legendäre Original von 1977 zu kennen. Diese Low-Budget-Produktion bestach durch ihren atmosphärischen, fast abstrakten Schrecken. Das Remake hat diese Abstraktion, das Billige und Unfertige zurückgenommen und sich ganz auf das drastische Ausmalen früherer Leerstellen konzentriert.
Einige der Ausmalungen sind bedeutsam: Die wilde Schattenfamilie, die die Carters attackiert, hatte einst in der Wüste gelebt, musste den Atomversuchen weichen und floh in die Minen der Gegend. Was 1977 nur angedeutet werden konnte, schafft 2006 Arbeitsplätze für Maskenbildner. "Was wir wurden, wurden wir dank euch", lautet denn auch explizit der Vorwurf der Freaks. Die Konfrontation der bürgerlichen Familie mit dem Verdrängten endete 1977 konsequent mit dem Blutrausch des liberalen Schwiegersohns; das Remake gönnt uns eine versöhnlich-reaktionäre Restitution der zur Kleinfamilie geschrumpften Carters.
Bemerkenswert ist jedoch der Atomic Chic des Films, der auf die popkulturelle Dimension der postnuklearen Wüste setzt. Einst hatte man, vielleicht aus Sentimentalität, Familientableaus aus Schaufensterpuppen in den zu verseuchenden Geisterstädten inszeniert. Es sind diese biederen Stillleben aus einer anderen Zeit, die in Erinnerung bleiben. Aja knüpft an, wo Kubricks "Dr. Seltsam" endete: mit einer Selbstauslöschungsfantasie. Nur dass Aja es wagt, die kubricksche Schlusstotale um die entscheidende terroristische Nahaufnahme zu ergänzen.
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