Angel-A
Der Engel der Unterwerfung
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 24.05.2006
Filmbeschreibung
Mit manchen Menschen hat der Himmel mehr Mühe als mit anderen. Mit Andre (Jamel Debouzze) zum Beispiel, einem umtriebigen Kleingauner aus Paris, dessen Versuche, das Glück zu erzwingen, regelmäßig scheitern. Weil er dabei mit dem Geld anderer Leute hantiert und auf Pump zockt, verdichten sich seine luftigen Pläne zu granitharten Schwierigkeiten. Zu Beginn von Luc Bessons "Angel-A" wird Andre gerade von ein paar sehr unangenehmen Herren durch die Mangel gedreht. Nicht nur Paris, die ganze Welt scheint plötzlich zu klein, um noch Hoffnung zu enthalten. Und so will Andre die Galgenfrist, die ihm die Schläger zur Schuldenbegleichung lassen, nutzen, um sich umzubringen: so viel Selbstbestimmung will er noch wahren.
Andres Suizidentschluss reizt den Himmel zum Eingreifen. Eine junge Frau stürzt sich von einer Seinebrücke, und der Mann, der gerade selbst Schluss machen wollte, eilt nun ins Wasser, um jemand anderen am Freitod zu hindern. Das unbekannte Leben der anderen scheint schließlich nie so aussichtslos wie das überblickbare eigene. Die an Land gezogene Angela (Rie Rasmussen) erklärt ihrem Retter prompt, wenn er sie aus dem Wasser ziehe, gehöre sie auch ihm. Er solle nun über ihr Leben und ihren Körper bestimmen. Bald erweist sich die lästig Lässige als Himmelsbotin, die den Verirrten auf den rechten Weg bringen soll.
Bessons Beitrag zum Genre der Engelsfilme ist sehr stilwillig inszeniert. Der scharfe Kontrast zwischen dem kleinwüchsigen, knubbeligen, schwartigen, dunklen Andre, der aus Marokko stammt, und der hoch gewachsenen, stelzigen, lichtblonden Angela funktioniert. Heikler ist Bessons Entscheidung, das Paris um sein Personal herum fast zu entvölkern, die Figuren und ihre Widersacher also immer wieder in Bildarrangements zu stellen, in denen das Erdenleben nicht vom Gewimmel der anderen, sondern von der Ruhe der Architektur repräsentiert wird. Die Welt erstarrt zum Bilderrahmen für das Individuum.
Noch problematischer ist das Spiel mit Dominanz und Unterwerfung. Angela erweist sich als Kämpferin, die es mit gestandenen Gangstern aufnehmen kann, setzt also die Reihe der spröden, androgynen, ein wenig unreifen, aber zur brutalen Niederwerfung von Männern fähigen Frauen aus Bessons "Nikita" und "Johanna von Orleans" fort. Angela aber gibt sich völlig in die Hände Andres, bietet sich als Sexual- und Demütigungsobjekt an, das ihr Meister auch an andere Männer verleihen darf.
Besson bricht die Beherrschungsfantasie allerdings mehrfach: Angela wahrt ihre provokante und geringschätzige innere Distanz, Andre wird von ihren Angeboten verwirrt und verunsichert, und Angelas Auslieferung an andere, die Andre das Fell rettet, findet im Off statt. Wir sind erst einmal nicht sicher, was dort passiert. Trotzdem wirken diese Passagen ein wenig unehrlich, erscheint das Aseptische des menschenfreien Paris wie ein Versuch, dem Vorwurf des Schmierigen optische Gelecktheit entgegenzuhalten. Manchmal scheint es, als müsse Angela nur deshalb Engel sein, damit niemand behaupten kann, sie sei eine Männerfantasie.
Andres Suizidentschluss reizt den Himmel zum Eingreifen. Eine junge Frau stürzt sich von einer Seinebrücke, und der Mann, der gerade selbst Schluss machen wollte, eilt nun ins Wasser, um jemand anderen am Freitod zu hindern. Das unbekannte Leben der anderen scheint schließlich nie so aussichtslos wie das überblickbare eigene. Die an Land gezogene Angela (Rie Rasmussen) erklärt ihrem Retter prompt, wenn er sie aus dem Wasser ziehe, gehöre sie auch ihm. Er solle nun über ihr Leben und ihren Körper bestimmen. Bald erweist sich die lästig Lässige als Himmelsbotin, die den Verirrten auf den rechten Weg bringen soll.
Bessons Beitrag zum Genre der Engelsfilme ist sehr stilwillig inszeniert. Der scharfe Kontrast zwischen dem kleinwüchsigen, knubbeligen, schwartigen, dunklen Andre, der aus Marokko stammt, und der hoch gewachsenen, stelzigen, lichtblonden Angela funktioniert. Heikler ist Bessons Entscheidung, das Paris um sein Personal herum fast zu entvölkern, die Figuren und ihre Widersacher also immer wieder in Bildarrangements zu stellen, in denen das Erdenleben nicht vom Gewimmel der anderen, sondern von der Ruhe der Architektur repräsentiert wird. Die Welt erstarrt zum Bilderrahmen für das Individuum.
Noch problematischer ist das Spiel mit Dominanz und Unterwerfung. Angela erweist sich als Kämpferin, die es mit gestandenen Gangstern aufnehmen kann, setzt also die Reihe der spröden, androgynen, ein wenig unreifen, aber zur brutalen Niederwerfung von Männern fähigen Frauen aus Bessons "Nikita" und "Johanna von Orleans" fort. Angela aber gibt sich völlig in die Hände Andres, bietet sich als Sexual- und Demütigungsobjekt an, das ihr Meister auch an andere Männer verleihen darf.
Besson bricht die Beherrschungsfantasie allerdings mehrfach: Angela wahrt ihre provokante und geringschätzige innere Distanz, Andre wird von ihren Angeboten verwirrt und verunsichert, und Angelas Auslieferung an andere, die Andre das Fell rettet, findet im Off statt. Wir sind erst einmal nicht sicher, was dort passiert. Trotzdem wirken diese Passagen ein wenig unehrlich, erscheint das Aseptische des menschenfreien Paris wie ein Versuch, dem Vorwurf des Schmierigen optische Gelecktheit entgegenzuhalten. Manchmal scheint es, als müsse Angela nur deshalb Engel sein, damit niemand behaupten kann, sie sei eine Männerfantasie.
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