The Fast and The Furious: Tokyo Drift
Im Reich der Zeichen
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 13.07.2006
Filmbeschreibung
Wenn in Hollywood nichts mehr geht, hilft ein Ausflug nach Japan. Das war bei Sam Fuller ("Tokio-Story") so, bei Sydney Pollack ("Yakuza"), Ridley Scott ("Black Rain") und Quentin Tarantino ("Kill Bill, Vol.1"). Roland Barthes hat diesbezüglich treffende Worte gefunden, wenn er in seinem "Reich der Zeichen" schreibt: "Die unbekannte Sprache, deren Atem, deren erregenden Hauch, mit einem Wort, deren reine Bedeutung ich dennoch wahrnehme, schafft um mich her im Maße, wie ich mich fortbewege, einen leichten Taumel und zieht mich in ihre künstliche Leere hinein, die allein für mich existiert. Ich lebe in einem Zwischenraum, der frei von jeder vollen Bedeutung ist."
Schon die zwei ersten Filme der "The Fast and the Furious"-Reihe zeigten einen testosterongeschwängerten Mix aus Cars & Girls, bei dem auf jeden geilen Blick unter die Motorhaube automatisch der Blick in den Ausschnitt eines Mädchens folgte, sie wagten sich bereits an die Grenze dessen heran, was man einem Publikum, das noch halbwegs bei Verstand ist, zumuten kann. Mit "Tokyo Drift" folgt jetzt der kreative Befreiungsschlag. Nach einem furiosen Auftaktrennen muss der Heißsporn Sean Boswell (Lucas Black) mit einer Gefängnisstrafe rechnen, falls er sich nicht in die Obhut seines in Tokio lebenden Vaters begibt. Diese Erziehungsmaßnahme erweist sich für Sean als Glücksfall. Mit großen Augen staunt er (und der Film tut es ihm gleich) über den postmodernen Lifestyle einer Kultur, in der sich Tradition und westliche Hypermoderne zu einer eigentümlichen Melange verbinden, die dem Fremden, dem gaijin, Rätsel aufgibt. Sean stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste, bevor er merkt, dass es doch vertraute Strukturen gibt - auch hier dreht sich alles um Cars & Girls, nur eben kulturell variiert.
Die eigentliche Sensation ist aber die titelgebende Kunst des "Driftens", eine Technik, engste Kurven in einer höchst eleganten Bewegung des Gleitens zu fahren. Dem Driften verdankt der Film seine magischen Momente, in denen die Schwerkraft in einer scheinbar zeitenthobenen Autochoreografie aufgehoben scheint. So hat Justin Lins Film viel zu bieten: Cars, Girls, coole Posen, visuelle Sensationen. Dazu ist der rasant montierte filmische Diskurs mit gepfeffertem Nu Metal, Latino-Hip-Hop und japanischer Popmusik unterlegt. Später wird die Yakuza aus den präpotenten Gangsterspielchen der Jugend ein Spiel auf Leben und Tod machen, zumindest aber um Ehre, um Ausschluss und Integration. Dann geht es um alles. Oder zumindest darum, dieses Popmärchen auf eine Länge von neunzig Minuten zu bringen.
Schon die zwei ersten Filme der "The Fast and the Furious"-Reihe zeigten einen testosterongeschwängerten Mix aus Cars & Girls, bei dem auf jeden geilen Blick unter die Motorhaube automatisch der Blick in den Ausschnitt eines Mädchens folgte, sie wagten sich bereits an die Grenze dessen heran, was man einem Publikum, das noch halbwegs bei Verstand ist, zumuten kann. Mit "Tokyo Drift" folgt jetzt der kreative Befreiungsschlag. Nach einem furiosen Auftaktrennen muss der Heißsporn Sean Boswell (Lucas Black) mit einer Gefängnisstrafe rechnen, falls er sich nicht in die Obhut seines in Tokio lebenden Vaters begibt. Diese Erziehungsmaßnahme erweist sich für Sean als Glücksfall. Mit großen Augen staunt er (und der Film tut es ihm gleich) über den postmodernen Lifestyle einer Kultur, in der sich Tradition und westliche Hypermoderne zu einer eigentümlichen Melange verbinden, die dem Fremden, dem gaijin, Rätsel aufgibt. Sean stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste, bevor er merkt, dass es doch vertraute Strukturen gibt - auch hier dreht sich alles um Cars & Girls, nur eben kulturell variiert.
Die eigentliche Sensation ist aber die titelgebende Kunst des "Driftens", eine Technik, engste Kurven in einer höchst eleganten Bewegung des Gleitens zu fahren. Dem Driften verdankt der Film seine magischen Momente, in denen die Schwerkraft in einer scheinbar zeitenthobenen Autochoreografie aufgehoben scheint. So hat Justin Lins Film viel zu bieten: Cars, Girls, coole Posen, visuelle Sensationen. Dazu ist der rasant montierte filmische Diskurs mit gepfeffertem Nu Metal, Latino-Hip-Hop und japanischer Popmusik unterlegt. Später wird die Yakuza aus den präpotenten Gangsterspielchen der Jugend ein Spiel auf Leben und Tod machen, zumindest aber um Ehre, um Ausschluss und Integration. Dann geht es um alles. Oder zumindest darum, dieses Popmärchen auf eine Länge von neunzig Minuten zu bringen.
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