Der Teufel trägt Prada
Ein Mädel in der Welt der Mode
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 12.10.2006
Filmbeschreibung
In dem Film "Der Stadtneurotiker" (1977) erzählt der Komiker Alvy Singer, gespielt von Woody Allen, den Witz vom Mann, der zum Psychiater kommt und klagt, dass sein Bruder sich für ein Huhn halte. Auf die Frage des Psychiaters, warum er den Bruder dann nicht ins Irrenhaus stecke, antwortet der Mann: "Würd ich schon, aber ich brauch ja die Eier!" An diese Paradoxie kann man denken, wenn man David Frankels schwungvollen und unterhaltsamen Ausflug in die glamouröse Welt der Modemagazine und Prêt-à-porter-Schauen folgt. Um in den Film allerdings einsteigen zu können, muss man es mit dem Rat aus der "Feuerzangenbowle" halten: "Nun stellen wir uns erst mal ganz dumm!"
Es begab sich also, dass sich die hübsche Andy Sachs (Anne Hathaway), eine ambitionierte und hochmoralische College-Absolventin aus der Provinz, zum Vorstellungsgespräch in die Redaktionsräume des weltberühmten Modemagazins "Runway" aufmachte. Sie will Journalistin werden und bewirbt sich um einen Job als Assistentin der Chefredakteurin Miranda Priestley (großartig: Meryl Streep). In der Betriebsamkeit der Büroräume wirkt die biedere Andy wie ein Fremdkörper, eine Aussätzige, weshalb der Chefdesigner Nigel (Stanley Tucci) sie auch gleich wie einen Gegenstand behandelt: "Und was ist das da? Planen wir eine Vorher-Nachher-Strecke?"
Das ist gemein, aber ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem, was Andy von Miranda zur Begrüßung an den Kopf geworfen bekommt: "Sie haben noch nie von ,Runway" gehört und keine Ahnung von Mode!" Als Andy zu relativieren versucht, erhält sie eine Abfuhr: "Das war keine Frage!" Doch obwohl Andy keinen Hehl daraus macht, dass sie auch so ungelenk in Erscheinung tritt, weil sie die oberflächliche Modewelt zutiefst verachtet, bekommt sie den heiß begehrten Job, für den Millionen Mädchen töten würden.
Und so tritt sie denn ein in eine fremde Welt, deren Regeln sie erst kennen und dann verinnerlichen lernt. Der Kontrollfreak Miranda möchte den Alltag hoch organisiert, schätzt ritualisierte Abläufe, spricht kein Wort zu viel und mit Untergebenen lieber gar nicht. Ihre ästhetische Kompetenz und ihr daraus resultierender Einfluss sind aber derart gewaltig, dass bereits eine leicht hochgezogene Augenbraue das Ende einer Kollektion und einer Karriere bedeuten kann.
Ihr Erfolg gibt ihr Recht. Kurzum: Miranda ist zwar keine Teufelin, wie der Titel suggeriert, aber sie beherrscht ihre Redaktion und somit die Modewelt durch ein Schreckensregiment, das der Film mit immer neuen Kapriolen und Marotten liebevoll ausbuchstabiert. Hier zeigt sich, dass "Der Teufel trägt Prada" auf Qualität gearbeitet ist. Der Film braucht, was Tempo und Schärfe der Dialoge angeht, den Vergleich mit klassischen Screwball-Komödien nicht zu scheuen.
Miranda schafft es dann problemlos, ihre neue Assistentin binnen kürzester Zeit in eine Sklavin zu verwandeln, die 24 Stunden am Tag zu Diensten steht, um der Chefin die abenteuerlichsten Wünsche zu erfüllen, sei es die Organisation eines Fluges in sturmdurchpeitschter Nacht, sei es die Beschaffung eines Harry-Potter-Manuskripts lange vor der Veröffentlichung. Der Film macht die faszinierende Sogkraft, die von der dynamischen Modewelt ausgeht, geradezu körperlich spürbar - durch sein Tempo, seine brillante Montage und insbesondere seinen stilsicheren, aber nie zu extravaganten Soundtrack mit Songs von Madonna, Jamiroquai, Azure Ray und David Morales.
"Der Teufel trägt Prada" ist ein Märchen, eine Apologie der Modewelt und ihres zivilisatorischen Wertes, eine Hommage an ihre komplexe Distinktionshysterie und ihre Sensationen mit begrenzter Halbwertzeit. Rasch verwandelt sich das infizierte hässliche Entlein Andy in einen wunderschönen Schwan, der in dem Maße an Persönlichkeit gewinnt, in dem sich der alte Freundeskreis frustriert abwendet. Andys Kontakt mit dem Glamour entfremdet sie von ihren langweiligen, schlecht gekleideten, studentischen Freunden, die sich gerne in dunklen Wohnungen und drittklassigen Restaurants bewegen. Schneller, als man "Haute Couture" sagen kann, ist deshalb der Bruch mit ihrem alten Leben vollzogen.
Genau da aber scheint es dem Regisseur Frankel, der auch für einige Folgen von "Sex and the City" zeichnete, etwas bange geworden zu sein. Während sich Andys Aufstieg vollzieht, widmet sich der Film nun auch dem Preis, den die Arbeit bei "Runway" fordert. Plötzlich erzählt der Film von Jobgeschacher, Intrigen und Machtkämpfen und auch von der Einsamkeit Mirandas. Am Rande der Pariser Prêt-à-porter-Schauen hat Andy eine Affäre mit dem sexy Starreporter Christian (Simon Baker) und erfährt, dass Miranda "gestürzt" werden soll. Andy versucht ihr zu helfen, doch mit einem brillanten Schachzug kippt Miranda selbst die Intrige zu ihren Gunsten.
Desillusioniert vollzieht Andy eine moralische Kehrtwende und sucht sich einen Job bei einem New Yorker Nachrichtenmagazin. Dies klappt ironischerweise problemlos, weil sie Miranda "überlebt" hat. Man kann also sagen: Andys Seele geht geläutert aus dem Pakt mit dem Teufel hervor. Man kann aber auch sagen: nachdem sie ihre moralische Integrität verloren hat, steht einer bürgerlichen Karriere nichts mehr im Weg. Fraglich bleibt, ob man das als Happy End werten soll.
Es begab sich also, dass sich die hübsche Andy Sachs (Anne Hathaway), eine ambitionierte und hochmoralische College-Absolventin aus der Provinz, zum Vorstellungsgespräch in die Redaktionsräume des weltberühmten Modemagazins "Runway" aufmachte. Sie will Journalistin werden und bewirbt sich um einen Job als Assistentin der Chefredakteurin Miranda Priestley (großartig: Meryl Streep). In der Betriebsamkeit der Büroräume wirkt die biedere Andy wie ein Fremdkörper, eine Aussätzige, weshalb der Chefdesigner Nigel (Stanley Tucci) sie auch gleich wie einen Gegenstand behandelt: "Und was ist das da? Planen wir eine Vorher-Nachher-Strecke?"
Das ist gemein, aber ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem, was Andy von Miranda zur Begrüßung an den Kopf geworfen bekommt: "Sie haben noch nie von ,Runway" gehört und keine Ahnung von Mode!" Als Andy zu relativieren versucht, erhält sie eine Abfuhr: "Das war keine Frage!" Doch obwohl Andy keinen Hehl daraus macht, dass sie auch so ungelenk in Erscheinung tritt, weil sie die oberflächliche Modewelt zutiefst verachtet, bekommt sie den heiß begehrten Job, für den Millionen Mädchen töten würden.
Und so tritt sie denn ein in eine fremde Welt, deren Regeln sie erst kennen und dann verinnerlichen lernt. Der Kontrollfreak Miranda möchte den Alltag hoch organisiert, schätzt ritualisierte Abläufe, spricht kein Wort zu viel und mit Untergebenen lieber gar nicht. Ihre ästhetische Kompetenz und ihr daraus resultierender Einfluss sind aber derart gewaltig, dass bereits eine leicht hochgezogene Augenbraue das Ende einer Kollektion und einer Karriere bedeuten kann.
Ihr Erfolg gibt ihr Recht. Kurzum: Miranda ist zwar keine Teufelin, wie der Titel suggeriert, aber sie beherrscht ihre Redaktion und somit die Modewelt durch ein Schreckensregiment, das der Film mit immer neuen Kapriolen und Marotten liebevoll ausbuchstabiert. Hier zeigt sich, dass "Der Teufel trägt Prada" auf Qualität gearbeitet ist. Der Film braucht, was Tempo und Schärfe der Dialoge angeht, den Vergleich mit klassischen Screwball-Komödien nicht zu scheuen.
Miranda schafft es dann problemlos, ihre neue Assistentin binnen kürzester Zeit in eine Sklavin zu verwandeln, die 24 Stunden am Tag zu Diensten steht, um der Chefin die abenteuerlichsten Wünsche zu erfüllen, sei es die Organisation eines Fluges in sturmdurchpeitschter Nacht, sei es die Beschaffung eines Harry-Potter-Manuskripts lange vor der Veröffentlichung. Der Film macht die faszinierende Sogkraft, die von der dynamischen Modewelt ausgeht, geradezu körperlich spürbar - durch sein Tempo, seine brillante Montage und insbesondere seinen stilsicheren, aber nie zu extravaganten Soundtrack mit Songs von Madonna, Jamiroquai, Azure Ray und David Morales.
"Der Teufel trägt Prada" ist ein Märchen, eine Apologie der Modewelt und ihres zivilisatorischen Wertes, eine Hommage an ihre komplexe Distinktionshysterie und ihre Sensationen mit begrenzter Halbwertzeit. Rasch verwandelt sich das infizierte hässliche Entlein Andy in einen wunderschönen Schwan, der in dem Maße an Persönlichkeit gewinnt, in dem sich der alte Freundeskreis frustriert abwendet. Andys Kontakt mit dem Glamour entfremdet sie von ihren langweiligen, schlecht gekleideten, studentischen Freunden, die sich gerne in dunklen Wohnungen und drittklassigen Restaurants bewegen. Schneller, als man "Haute Couture" sagen kann, ist deshalb der Bruch mit ihrem alten Leben vollzogen.
Genau da aber scheint es dem Regisseur Frankel, der auch für einige Folgen von "Sex and the City" zeichnete, etwas bange geworden zu sein. Während sich Andys Aufstieg vollzieht, widmet sich der Film nun auch dem Preis, den die Arbeit bei "Runway" fordert. Plötzlich erzählt der Film von Jobgeschacher, Intrigen und Machtkämpfen und auch von der Einsamkeit Mirandas. Am Rande der Pariser Prêt-à-porter-Schauen hat Andy eine Affäre mit dem sexy Starreporter Christian (Simon Baker) und erfährt, dass Miranda "gestürzt" werden soll. Andy versucht ihr zu helfen, doch mit einem brillanten Schachzug kippt Miranda selbst die Intrige zu ihren Gunsten.
Desillusioniert vollzieht Andy eine moralische Kehrtwende und sucht sich einen Job bei einem New Yorker Nachrichtenmagazin. Dies klappt ironischerweise problemlos, weil sie Miranda "überlebt" hat. Man kann also sagen: Andys Seele geht geläutert aus dem Pakt mit dem Teufel hervor. Man kann aber auch sagen: nachdem sie ihre moralische Integrität verloren hat, steht einer bürgerlichen Karriere nichts mehr im Weg. Fraglich bleibt, ob man das als Happy End werten soll.
Mehr StZ Filmkritiken
I want to run - Das härteste Rennen der Welt 64 Tage lang dem Glück nachlaufen
Ein ruhiges Leben Blutspur in der Provinz
The Yellow Sea Letzte Zockerchance
Janosch - Komm, wir finden einen Schatz! 3D So schön könnte das Leben sein
Moonrise Kingdom Die ernsten Spiele der Kindheit
Die Farbe des Ozeans Grenzgebiete
Kill Me Please Die Verwöhnten und der Tod
Die Kunst zu lieben Sex ist anstrengend
Lachsfischen im Jemen Dr. Jones und die Liebe
Marley Der Star aus Jamaika
Our Idiot Brother Wer Gras an die Polizei verkauft
Alle Artikel anzeigen
Anzeigen
Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?

Monat

| Heute | Morgen | Akt. Woche |
| MO | DI | MI | DO | FR | SA | SO |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
Highlights am 28.05.
SWR Sommerfestival 2012: Best of SWR1 Pop und Poesie in Concert - Neues Schloss
Legendäre Meisterwerke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg - Landesmuseum Württemberg
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.




