Little Miss Sunshine
Alles Pech dieser Welt
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 30.11.2006
Filmbeschreibung
Wer auf Amerikas Highways einen alten VW-Bus fährt, eines jener Modelle, mit denen schon die Hippies von Happening zu Happening gerollt sind, der hat den Anschluss an die statusfreudige Gesellschaft verloren. Oder er ist als Missionar eines anderen Bewusstseins unterwegs. Richard Hoover (Gerg Kinnear) ist Erfolgstrainer, und dass er seine Familie nebst dem Schwager und dem Opa im VW-Oldie durchs Land kutschieren muss, zeigt schon, wie erfolglos er das Gewerbe der Durchsetzungsprediger betreibt. Dass unterwegs die Hupe arretiert und das Niedrigverdienerauto mit Dauergeblöke auf sich aufmerksam macht, weist auf das Konstruktionsprinzip der Komödie "Little Miss Sunshine" hin. Richard und seine Familie haben nicht einfach Pech, sie haben Pech, das sie sozial auffällig macht, Pech, das den mühselig vertuschten Spalt zwischen Schein und Sein für alle sichtbar klaffen lässt.
Anfangs, als die Hoovers noch im eigenen Heim sitzen, könnte der Film von Jonathan Dayton und Valerie Faris auch "American Beauty Reloaded" heißen. Hier findet sich die gleiche verbissene Fixierung auf den sozialen Aufstieg, die gleiche sture Besessenheit, die Fassade zu wahren, und die gleiche Unfähigkeit, das versprochene Glück im Konkurrenzkampf um Geld und Prestige zu finden wie in Sam Mendes" erfolgreichem Sittenporträt "American Beauty" aus dem Jahr 1999.
Bald aber gleitet "Little Miss Sunshine" hinüber in den Klamauk eines Roadmovies, in die Abenteuer einer sehr heterogenen Zwangsgemeinschaft, die zwar allesamt noch komisch, aber nicht immer zwingend mit einem spezifischen gesellschaftlichen Wertekanon verknüpft sind.
Dank gut gelaunter Darsteller - Alan Arkin etwa gibt den vulgären, leicht reizbaren Großvater, Steve Carell den depressiven, selbstmordgefährdeten Onkel - hüpfen die Gags nicht wie losgeplatzte Radkappen quer durchs Gelände, sondern bleiben Teil der Reise der jeweiligen Charaktere hin zu einem anfangs gar nicht gewollten Ziel. "Little Miss Sunshine" ist im Kern ein Familienfilm alter Schule, eine fröhliche Mär vom Zusammenreißen und Zueinanderfinden.
Die Fahrt dient eigentlich dem Zweck, die jüngste Tochter bei einem Schönheitswettbewerb für Kinder anzumelden, also der Unterordnung der Individualität unter zweifelhafte Popkulturnormen. Vor Ort ist der Tribut an die Immer-lächeln-Tyrannei schlicht nicht zu entrichten: der Film zeigt uns den Schönheitswettbewerb als derart absurde Kunstfigurenparade, dass auch Erfolgstrainer Richard den Misserfolg als einzige Option des Menschbleibens erkennt. "Little Miss Sunshine" ist warmherzig, ohne behäbig oder kitschig zu werden - und gibt mit dem symbolischen VW-Bus gerne zu, die Ideale einer anderen Epoche zu transportieren.
Anfangs, als die Hoovers noch im eigenen Heim sitzen, könnte der Film von Jonathan Dayton und Valerie Faris auch "American Beauty Reloaded" heißen. Hier findet sich die gleiche verbissene Fixierung auf den sozialen Aufstieg, die gleiche sture Besessenheit, die Fassade zu wahren, und die gleiche Unfähigkeit, das versprochene Glück im Konkurrenzkampf um Geld und Prestige zu finden wie in Sam Mendes" erfolgreichem Sittenporträt "American Beauty" aus dem Jahr 1999.
Bald aber gleitet "Little Miss Sunshine" hinüber in den Klamauk eines Roadmovies, in die Abenteuer einer sehr heterogenen Zwangsgemeinschaft, die zwar allesamt noch komisch, aber nicht immer zwingend mit einem spezifischen gesellschaftlichen Wertekanon verknüpft sind.
Dank gut gelaunter Darsteller - Alan Arkin etwa gibt den vulgären, leicht reizbaren Großvater, Steve Carell den depressiven, selbstmordgefährdeten Onkel - hüpfen die Gags nicht wie losgeplatzte Radkappen quer durchs Gelände, sondern bleiben Teil der Reise der jeweiligen Charaktere hin zu einem anfangs gar nicht gewollten Ziel. "Little Miss Sunshine" ist im Kern ein Familienfilm alter Schule, eine fröhliche Mär vom Zusammenreißen und Zueinanderfinden.
Die Fahrt dient eigentlich dem Zweck, die jüngste Tochter bei einem Schönheitswettbewerb für Kinder anzumelden, also der Unterordnung der Individualität unter zweifelhafte Popkulturnormen. Vor Ort ist der Tribut an die Immer-lächeln-Tyrannei schlicht nicht zu entrichten: der Film zeigt uns den Schönheitswettbewerb als derart absurde Kunstfigurenparade, dass auch Erfolgstrainer Richard den Misserfolg als einzige Option des Menschbleibens erkennt. "Little Miss Sunshine" ist warmherzig, ohne behäbig oder kitschig zu werden - und gibt mit dem symbolischen VW-Bus gerne zu, die Ideale einer anderen Epoche zu transportieren.
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