Hwal - der Bogen
Philosophie als Märchen
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 29.03.2007
Filmbeschreibung
Der koreanische Regisseur Kim Ki-duk, Jahrgang 1960, ist ein Meister der Reduktion. Für seinen neuen Film "Hwal - Der Bogen", der in Stuttgart leider mit so viel Verspätung anläuft, dass man bereits die DVD des Films im Handel erwerben kann, braucht er gerade eine Hand voll Figuren und zwei Boote, um eine tragfähige Geschichte über Jugend und Alter, Entsagung und Begehren, Gewalt und Zärtlichkeit, Leben und Tod zu erzählen. "Hwal" ist elementares Kino von erstaunlicher Klarheit und Strenge, ein Film, der mit Blicken von Gefühlen erzählt, die Worte nicht angemessen repräsentieren können.
Ein alter Mann lebt auf einem Boot seit vielen Jahren mit einem jungen Mädchen, einem Findelkind, zusammen, das er an dessen siebzehnten Geburtstag ehelichen will. Das Paar lebt glücklich in einem stark ritualisierten Alltag, der durch "Gäste" finanziert wird, die zum Schiff kommen, um dort zu angeln. Für die Angler ist die Beziehung zwischen dem alten Mann und dem jungen Mädchen skandalös und Gegenstand obszöner Reden. Nähert sich jemand jedoch dem Mädchen, verteidigt der Alte sie mit Pfeil und Bogen. Der von großer Zärtlichkeit geprägte Lebensrhythmus gerät außer Takt, als eines Tages ein Student auftaucht. Das Kind wird fast instinktiv zur unschuldigen Verführerin, was der alte Mann nicht hinnehmen kann. Der Student schenkt dem Mädchen seinen Walkman - und plötzlich nimmt "die Welt da draußen" auf eine Weise Gestalt an, die das Mädchen als Gefangene erscheinen lässt.
Wie Kim Ki-duk diese einfache, dabei stets ins Philosophische tendierende Geschichte erzählt, ist so formvollendet, dass der Film fast schon wie eine Synthese seiner vorangegangenen Meisterwerke "Die Insel", "Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling", "Samaria" und "Bin Jip" erscheint. "Hwal" denkt filmisch in Gegensätzen, die sich streng buddhistisch in einer Folge von Transformationen auflösen. So wie der schützende Bogen, der sich mittels einiger Handgriffe in ein Instrument verwandelt, auf dem die schönste Musik der Welt gemacht wird, ist der Alte Krieger und Sänger zugleich. Als das Mädchen sich für den Studenten entscheidet, sieht der alte Mann seinen Lebenstraum scheitern. Mit einer fassungslos machenden Verzweiflungstat erobert er das Herz des Mädchens noch einmal zurück. Was bislang ein Märchen schien, steigert sich zu einer so kühnen wie rätselhaften erotischen Vereinigungsfantasie, die Raum und Zeit zu transzendieren scheint - und Erfüllung und Verzicht gleichzeitig denkbar scheinen lässt.
Ein alter Mann lebt auf einem Boot seit vielen Jahren mit einem jungen Mädchen, einem Findelkind, zusammen, das er an dessen siebzehnten Geburtstag ehelichen will. Das Paar lebt glücklich in einem stark ritualisierten Alltag, der durch "Gäste" finanziert wird, die zum Schiff kommen, um dort zu angeln. Für die Angler ist die Beziehung zwischen dem alten Mann und dem jungen Mädchen skandalös und Gegenstand obszöner Reden. Nähert sich jemand jedoch dem Mädchen, verteidigt der Alte sie mit Pfeil und Bogen. Der von großer Zärtlichkeit geprägte Lebensrhythmus gerät außer Takt, als eines Tages ein Student auftaucht. Das Kind wird fast instinktiv zur unschuldigen Verführerin, was der alte Mann nicht hinnehmen kann. Der Student schenkt dem Mädchen seinen Walkman - und plötzlich nimmt "die Welt da draußen" auf eine Weise Gestalt an, die das Mädchen als Gefangene erscheinen lässt.
Wie Kim Ki-duk diese einfache, dabei stets ins Philosophische tendierende Geschichte erzählt, ist so formvollendet, dass der Film fast schon wie eine Synthese seiner vorangegangenen Meisterwerke "Die Insel", "Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling", "Samaria" und "Bin Jip" erscheint. "Hwal" denkt filmisch in Gegensätzen, die sich streng buddhistisch in einer Folge von Transformationen auflösen. So wie der schützende Bogen, der sich mittels einiger Handgriffe in ein Instrument verwandelt, auf dem die schönste Musik der Welt gemacht wird, ist der Alte Krieger und Sänger zugleich. Als das Mädchen sich für den Studenten entscheidet, sieht der alte Mann seinen Lebenstraum scheitern. Mit einer fassungslos machenden Verzweiflungstat erobert er das Herz des Mädchens noch einmal zurück. Was bislang ein Märchen schien, steigert sich zu einer so kühnen wie rätselhaften erotischen Vereinigungsfantasie, die Raum und Zeit zu transzendieren scheint - und Erfüllung und Verzicht gleichzeitig denkbar scheinen lässt.
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