1:1 - Auge um Auge
Ende einer Multikulti-Liebe
Ina Hochreuther, veröffentlicht am 10.05.2007
Filmbeschreibung
Wir kennen sie aus Frankreich, die trostlosen Vorstädte, die ihre Bewohner gettoisieren. Jetzt zeigt uns die Regisseurin Annette K. Olesen eine dänische Variante aus ihrer Heimatstadt Kopenhagen. Im Vorspann Stadtpläne aus den siebziger Jahren: Architekten entwerfen ein lichtes Viertel mit Hochhäusern, Grünflächen und Sportmöglichkeiten für Kinder. Aber die Geschichte um die sechzehnjährige Mie und ihren Freund Shadi, Sohn palästinensischer Einwanderer, spielt in der Gegenwart. Sie zeichnet diesen Außenbezirk zwar in trister Eintönigkeit, doch keinesfalls als Ort des Zerfalls oder der Verwahrlosung. Aber Spannungen sind spürbar, innerhalb der Familien sowie zwischen den wenigen dort noch wohnenden "Ursprungsdänen" und den Immigranten.
Noch hält das junge Multikultipaar zusammen, akzeptiert von Mies aufgeschlossener Mutter Søs, aber geheim gehalten vor Shadis Eltern. Als allerdings Mies älterer Bruder Per so brutal zusammengeschlagen wird, dass er ins Koma fällt, zerstören Angst und Misstrauen das fragile Miteinander. Shadi, der beobachtet hat, wie sein boxtüchtiger Bruder Tareq in derselben Nacht Blut aus dem Hemd wäscht, glaubt dessen Erklärung nicht, verschweigt jedoch gegenüber Mie seinen Verdacht. Behutsam, fesselnd und eindringlich erzählt "1:1", wie Vertrauen zerbröselt, wie Unkenntnis Vorurteile und schließlich Hass gebiert. Im Mittelpunkt stehen die beiden betroffenen Familien.
Da ist Shadis liebevolle, energische Mutter, deren Einfluss aber nicht über die Wohnung hinausreicht, da ist der aufrechte Vater, der den Söhnen verspricht, sie künftig wie Erwachsene zu behandeln, und da sind die vielen männlichen Verwandten, denen die jüngere Schwester stumm Tee serviert, auch wenn sie im Umgang mit ihren Brüdern gar nicht auf den Mund gefallen ist.
Mies Familie treibt die hilflose Sorge um Per an den Rand dessen, was vor Kurzem noch zählte. Einzig Søs will sich ihre Wertvorstellungen nicht kaputt machen lassen und versucht, klar und vernünftig zu bleiben. Anders verhält sich ihre eigentlich liberale Mutter. Sie beschwört die Tochter, in ein besseres Viertel zu ziehen und unterstützt die plötzlich allen gegenüber verunsicherte Enkelin darin, sich von Shadi zu trennen.
Dabei gebärdet sich die ältere Frau nicht mal rassistisch. Nur kennt sie eben keine Menschen aus anderen Ländern, weil sie auf dem Dorf lebt. Ganz kurz schimmert zum Schluss hin nochmal die Hoffnung auf, dass es eine Brücke ehrlichen Miteinanders geben könnte. Doch der Graben von Angst und Verrat ist bereits zu breit, das soziale Auseinanderdriften scheint unaufhaltbar zu sein. Wie schon in ihrem Film "Kleine Missgeschicke" fasziniert das genaue Hinschauen der Dänin Annette K. Olesen. Ruhig und sensibel entwickelt sie, unterstützt von hervorragenden Darstellern, ein Drama, das sich so oder so ähnlich in vielen westeuropäischen Großstädten abspielen könnte.
Noch hält das junge Multikultipaar zusammen, akzeptiert von Mies aufgeschlossener Mutter Søs, aber geheim gehalten vor Shadis Eltern. Als allerdings Mies älterer Bruder Per so brutal zusammengeschlagen wird, dass er ins Koma fällt, zerstören Angst und Misstrauen das fragile Miteinander. Shadi, der beobachtet hat, wie sein boxtüchtiger Bruder Tareq in derselben Nacht Blut aus dem Hemd wäscht, glaubt dessen Erklärung nicht, verschweigt jedoch gegenüber Mie seinen Verdacht. Behutsam, fesselnd und eindringlich erzählt "1:1", wie Vertrauen zerbröselt, wie Unkenntnis Vorurteile und schließlich Hass gebiert. Im Mittelpunkt stehen die beiden betroffenen Familien.
Da ist Shadis liebevolle, energische Mutter, deren Einfluss aber nicht über die Wohnung hinausreicht, da ist der aufrechte Vater, der den Söhnen verspricht, sie künftig wie Erwachsene zu behandeln, und da sind die vielen männlichen Verwandten, denen die jüngere Schwester stumm Tee serviert, auch wenn sie im Umgang mit ihren Brüdern gar nicht auf den Mund gefallen ist.
Mies Familie treibt die hilflose Sorge um Per an den Rand dessen, was vor Kurzem noch zählte. Einzig Søs will sich ihre Wertvorstellungen nicht kaputt machen lassen und versucht, klar und vernünftig zu bleiben. Anders verhält sich ihre eigentlich liberale Mutter. Sie beschwört die Tochter, in ein besseres Viertel zu ziehen und unterstützt die plötzlich allen gegenüber verunsicherte Enkelin darin, sich von Shadi zu trennen.
Dabei gebärdet sich die ältere Frau nicht mal rassistisch. Nur kennt sie eben keine Menschen aus anderen Ländern, weil sie auf dem Dorf lebt. Ganz kurz schimmert zum Schluss hin nochmal die Hoffnung auf, dass es eine Brücke ehrlichen Miteinanders geben könnte. Doch der Graben von Angst und Verrat ist bereits zu breit, das soziale Auseinanderdriften scheint unaufhaltbar zu sein. Wie schon in ihrem Film "Kleine Missgeschicke" fasziniert das genaue Hinschauen der Dänin Annette K. Olesen. Ruhig und sensibel entwickelt sie, unterstützt von hervorragenden Darstellern, ein Drama, das sich so oder so ähnlich in vielen westeuropäischen Großstädten abspielen könnte.
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