Joe Strummer - The Future Is Unwritten
Umschreiben der Geschichte
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 24.05.2007
Filmbeschreibung
Mit seinem Film "The Great Rock"n"Roll Swindle" (1979) hat der Brite Julien Temple einst an vorderster Front die Mythen des Punkrock mitgestrickt. In der kruden Mischung aus Märchen, Dokumentation und maliziöser Verschwörungstheorie schien die Punkrevolte als Jugendrevolte, Generationenbruch, überfällige Wachablösung im Staate Pop, was altersschwache Bands wie Pink Floyd, Supertramp, Queen oder Yes naturgemäß nicht lustig fanden. Auch die richtige Queen wurde Opfer von Malcolm McLarens durchs Happening inspirierter Subversion der Poplandschaft. Feierte Temple als teilnehmender Beobachter so die erfolgreiche Machtübernahme durch geniale Dilettanten des Do-it-yourself, so verlieh er mit seinem zweiten Geniestreich, dem ungemein sehenswerten "The Filth And The Fury" (2000), der Punkrevolte bereits ironisch das Flair eines shakespearischen Dramas.
Jetzt legt der Film-Essayist den dritten Streich vor, "Joe Strummer - The Future Is Unwritten", mit dem allerlei Mythen der beiden Vorgänger lustvoll zertrümmert werden. Ach, herrje! Joe Strummer, der 2002 verstorbene Frontmann der Polit-Punkband The Clash, war Diplomatensohn, der als waschechter Hippie Mitte der siebziger Jahre in der linksalternativen Londoner Hausbesetzerszene aktiv war, der mit seiner Band The 101ers nicht einmal üblen Pub-Rock spielte, bevor er auf trendigen Punk setzte. Und The Clash, diese aufrechten Kämpen wider alles Unrecht in der Welt zwischen Brixton und Nicaragua, waren de facto eine vom Manager Bernie Rhodes zusammen gecastete Band.
Diesmal geht es Temple um das genaue Gegenteil seiner beiden Vorgängerfilme, um Kontinuität(en). Punk war nicht notwendig ein radikaler biografischer Bruch, wenn man wie Joe Strummer, Jahrgang 1952, bereits vor 1976 in der Hausbesetzerszene auf den Namen "Woody" (wie Woody Guthrie) hörte. Weshalb das Interesse der Clash an Reggae, Folk, Rock"n"Roll oder auch Weltmusik auch kein "Verrat an der Punk-Idee" war, sondern konsequent im Sinne des musikalisch vielseitig interessierten Strummer, der notwendig früher bei Johnny Cash landete. Materialreich und brillant montiert, ist dies ein echter Temple geworden: Schönes Archivmaterial, sentimentale Interviews mit mehr (Johnny Depp, Bono) und weniger (John Cooper Clarke, Melle Mel, Don Letts) prominenten Zeitgenossen und eine originelle Kommentarschiene mit Ausschnitten aus einer frühen "1984"-Verfilmung von Michael Anderson.
Nicht nur die Clash-Zeit steht im Zentrum des Films. Die spätere Schauspielkarriere, als Strummer mit Alex Cox ("Straight To Hell", "Walker") und Jim Jarmusch ("Mystery Train") arbeitet und zum Teil vorzügliche Filmmusiken komponiert, wird erwähnt, der kommerzielle Fehlschlag mit dem unscheinbaren Soloalbum "Earthquake Weather", das späte Comeback. So gerät einiges in Bewegung: The Clash waren gar nicht "bored with the USA", sondern gerade dort ziemlich big und gern. "Never trust a hippie!" ist ein schöner Slogan, wenn er unter Musikern kursiert, die vor Punk selbst Hippies waren und während der "Rav-o-lution" um 1990 zu diesen Idealen und dem gern gepflegten Hang zum Lagerfeuer zurückkehrten.
Jetzt legt der Film-Essayist den dritten Streich vor, "Joe Strummer - The Future Is Unwritten", mit dem allerlei Mythen der beiden Vorgänger lustvoll zertrümmert werden. Ach, herrje! Joe Strummer, der 2002 verstorbene Frontmann der Polit-Punkband The Clash, war Diplomatensohn, der als waschechter Hippie Mitte der siebziger Jahre in der linksalternativen Londoner Hausbesetzerszene aktiv war, der mit seiner Band The 101ers nicht einmal üblen Pub-Rock spielte, bevor er auf trendigen Punk setzte. Und The Clash, diese aufrechten Kämpen wider alles Unrecht in der Welt zwischen Brixton und Nicaragua, waren de facto eine vom Manager Bernie Rhodes zusammen gecastete Band.
Diesmal geht es Temple um das genaue Gegenteil seiner beiden Vorgängerfilme, um Kontinuität(en). Punk war nicht notwendig ein radikaler biografischer Bruch, wenn man wie Joe Strummer, Jahrgang 1952, bereits vor 1976 in der Hausbesetzerszene auf den Namen "Woody" (wie Woody Guthrie) hörte. Weshalb das Interesse der Clash an Reggae, Folk, Rock"n"Roll oder auch Weltmusik auch kein "Verrat an der Punk-Idee" war, sondern konsequent im Sinne des musikalisch vielseitig interessierten Strummer, der notwendig früher bei Johnny Cash landete. Materialreich und brillant montiert, ist dies ein echter Temple geworden: Schönes Archivmaterial, sentimentale Interviews mit mehr (Johnny Depp, Bono) und weniger (John Cooper Clarke, Melle Mel, Don Letts) prominenten Zeitgenossen und eine originelle Kommentarschiene mit Ausschnitten aus einer frühen "1984"-Verfilmung von Michael Anderson.
Nicht nur die Clash-Zeit steht im Zentrum des Films. Die spätere Schauspielkarriere, als Strummer mit Alex Cox ("Straight To Hell", "Walker") und Jim Jarmusch ("Mystery Train") arbeitet und zum Teil vorzügliche Filmmusiken komponiert, wird erwähnt, der kommerzielle Fehlschlag mit dem unscheinbaren Soloalbum "Earthquake Weather", das späte Comeback. So gerät einiges in Bewegung: The Clash waren gar nicht "bored with the USA", sondern gerade dort ziemlich big und gern. "Never trust a hippie!" ist ein schöner Slogan, wenn er unter Musikern kursiert, die vor Punk selbst Hippies waren und während der "Rav-o-lution" um 1990 zu diesen Idealen und dem gern gepflegten Hang zum Lagerfeuer zurückkehrten.
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