Valerie
Durchs soziale Netz gefallen
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 14.06.2007
Filmbeschreibung
Wenn man Valerie (Agata Buzek) glamourös durch die Hotelflure schweben sieht, mit ihrem Pelzmantel und der Designersonnenbrille, meint man die Band Kraftwerk zu hören: "Sie ist ein Model, und sie sieht gut aus!" Valerie ist gerade aus Paris nach Berlin gekommen; mit größter Routine parkt sie ihre Limousine in der Tiefgarage des Nobelhotels. Als der Portier an der Rezeption sie freundlich nach ihrer Kreditkarte fragt, vertröstet sie ihn lässig-genervt auf später. Das hat seinen Grund: Valerie ist pleite. Sie bräuchte dringend ein Foto-Shooting oder diesen Job als Hostess in Dubai, von dem ihre Agentin spricht. Doch die sagt auch, dass Valerie - Mitte bis Ende zwanzig - ein Alter erreicht hat, in dem die goldenen Jahre vorbei sind. Dumm gelaufen, wenn man nach der Zeit der Partys und des Jetsets nichts auf die hohe Kante gelegt hat!
Mit wenigen, präzisen Gesten skizziert die Polin Agata Buzek den kindlich-naiven Realitätsverlust dieses Models, das glaubte, alles würde immer so weitergehen, und lange braucht, bis es den Abgrund vor sich wahrnimmt. Noch hält die Fassade: Valerie trifft Leute, erkundigt sich nach Aufträgen - nur schläft sie jetzt nicht mehr im Hotelzimmer, sondern in ihrem Auto. Man hat den Eindruck, der leise Film habe sich selbst vom Fortgang der Handlung überraschen lassen, nachdem die Grundkonstellation klar ist. Valerie ist mittellos, obdachlos, einsam mitten im winterlichen, weihnachtlichen Berlin. Selbst für die Parkgebühr fehlt ihr das Geld. Plötzlich werden beheizte Einkaufspassagen wichtig und aufmerksame Parkwächter wie Andre (Devid Striesow) zur Bedrohung.
Doch Valerie ist kein Opfer, bemerkenswert lange kann sich dank ihrer professionellen Selbstinszenierung durchlavieren, schnorrt sich hier eine Zigarette, dort ein Telefonat. Ihre Erscheinung strahlt Autorität aus, sie muss gar nicht hochstapeln. Andererseits ist Prostitution eine naheliegende Option. Lange Zeit schützt auch die elegant geführte Kamera Valerie wie ein Kokon, während der Zuschauer schon über die Rasanz ihres Abstiegs staunt. Diese Spannung und auch ihr Stolz verleihen Valerie etwas Phantomhaftes, wenn sie etwa kurz beim Fotografenfreund (Birol Ünel) vorbeischaut oder ihren Exkollegen begegnet.
Armut, das macht dieser Film auch deutlich, ist etwas sehr Privates, über das man nicht gerne spricht und auf das man - sofern die Fassade stimmt - auch nicht angesprochen wird. Doch der umfassenden Trostlosigkeit ist Birgit Möller mit ihrem Abschlussfilm an der Berliner Filmhochschule dann doch ausgewichen - es kommt hier zu einer Annäherung an den Parkwärter Andre. Der hat zwar selbst allerhand Probleme, aber in einem humorvollen Moment gemeinsamer Stärke scheint hier eine Perspektive auf.
Mit wenigen, präzisen Gesten skizziert die Polin Agata Buzek den kindlich-naiven Realitätsverlust dieses Models, das glaubte, alles würde immer so weitergehen, und lange braucht, bis es den Abgrund vor sich wahrnimmt. Noch hält die Fassade: Valerie trifft Leute, erkundigt sich nach Aufträgen - nur schläft sie jetzt nicht mehr im Hotelzimmer, sondern in ihrem Auto. Man hat den Eindruck, der leise Film habe sich selbst vom Fortgang der Handlung überraschen lassen, nachdem die Grundkonstellation klar ist. Valerie ist mittellos, obdachlos, einsam mitten im winterlichen, weihnachtlichen Berlin. Selbst für die Parkgebühr fehlt ihr das Geld. Plötzlich werden beheizte Einkaufspassagen wichtig und aufmerksame Parkwächter wie Andre (Devid Striesow) zur Bedrohung.
Doch Valerie ist kein Opfer, bemerkenswert lange kann sich dank ihrer professionellen Selbstinszenierung durchlavieren, schnorrt sich hier eine Zigarette, dort ein Telefonat. Ihre Erscheinung strahlt Autorität aus, sie muss gar nicht hochstapeln. Andererseits ist Prostitution eine naheliegende Option. Lange Zeit schützt auch die elegant geführte Kamera Valerie wie ein Kokon, während der Zuschauer schon über die Rasanz ihres Abstiegs staunt. Diese Spannung und auch ihr Stolz verleihen Valerie etwas Phantomhaftes, wenn sie etwa kurz beim Fotografenfreund (Birol Ünel) vorbeischaut oder ihren Exkollegen begegnet.
Armut, das macht dieser Film auch deutlich, ist etwas sehr Privates, über das man nicht gerne spricht und auf das man - sofern die Fassade stimmt - auch nicht angesprochen wird. Doch der umfassenden Trostlosigkeit ist Birgit Möller mit ihrem Abschlussfilm an der Berliner Filmhochschule dann doch ausgewichen - es kommt hier zu einer Annäherung an den Parkwärter Andre. Der hat zwar selbst allerhand Probleme, aber in einem humorvollen Moment gemeinsamer Stärke scheint hier eine Perspektive auf.
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