Clerks 2

Gefangen in der lang gestreckten Jugend

Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 12.07.2007
Filmbeschreibung
Die ernsten und die wichtigen Fragen des Lebens kommen einander dauernd in die Quere. Zu den wichtigen Fragen zählt zum Beispiel die Zankerei darüber, ob George Lucas' "Star Wars"-Serie cooler ist als Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Trilogie. In Kevin Smiths Komödie "Clerks 2 - Die Abhänger" streiten Kunden und Angestellte des Schnellfraßladens Mobby's mit abgedrehten, scharfsichtigen oder kleinkarierten Argumenten über die Verdienste ihrer Lieblingsserie. Vor dreizehn Jahren, in Smiths mit wenig Geld gedrehtem Film "Clerks", hätten sich die Figuren in diesen Streit auch so vertieft, als seien sie dem Wesen des Universums auf der Spur, als seien andere Themen nur seelengefährdende Ablenkungen für die zur Spießerhölle Verdammten. Aber Smiths Bewohner des Shoppingzonen-Niemandslandes sind eben älter geworden.

Zwar ist der kleine Quikstop-Laden, in dem der Vorgängerfilm spielte, mittlerweile abgebrannt, aber auch Mobby's, bei dessen Anblick sich sofort ein Geschmack nach altem Fett und frischem Wischmittel auf die Zunge stiehlt, ist Teil der McJob-Welt, ein Billiglohnladen für perspektivlose, demotivierte Herumhänger. Denen ist mittlerweile klarer als früher, dass ihr vermeintlich trotziger Ausstieg aus dem Karriererennen nicht mehr Freiheit, sondern mehr Unfreiheit gebracht hat. Die ernsten Probleme des Lebens überlagern die wichtigen Debatten um "Star Wars" oder Sexpraktiken; die Angst vor der Einsamkeit und die Schwierigkeiten der Partnerschaft, der Konflikt zwischen Freiheitswille und Loyalität, die Entscheidung, Kinder zu bekommen oder nicht, die Frage, was einmal bleiben wird vom Leben.

Die beiden Angestellten Dante Hicks (Brian O'Halloran) and Randal Graves (Jeff Anderson) stehen wie in "Clerks" wieder hinter der Theke in einem der vielen Dienstleistungsgeschwüre am Rand einer Stadt, die durch diese Ladenklumpen zu einer Folge von Rändern wird. Und draußen vor der Tür lehnen wie einst die beiden Zeittotschlagsexperten und Kleindealer Jay (Jason Mewes) and Silent Bob (Regisseur Kevin Smith selbst). Aber Dante steckt nun in einer grundlegenden Sinn- und Beziehungskrise. Seine Freundin Becky (Rosario Dawson) ist drauf und dran, unter seine lang hingezogene Pubertät einen Schlussstrich zu ziehen.

Smith weiß genau, was sein Thema in "Clerks 2" sein müsste, er hat den Stoff beieinander, um mehr zu liefern als einen späten Aufguss seines ersten Erfolgs. Aber er will nicht wahrhaben, was seinen alternden Figuren widerfährt. Er erzählt vom Erwachsenwerden und von der Wirklichkeit des sozialen Scheiterns nur, um doch noch nach Möglichkeiten zu suchen, seinen fiktiven Kumpels ein Reservat der jugendlichen Rotzigkeit und identitätsstiftenden Popkulturschrulligkeit zu bewahren.

Das muss man nicht unbedingt als verlogene Albernheit geißeln. Smith hat mit "Clerks" von einer gesellschaftlichen Klasse erzählt, von jungen Menschen, die in den Statistiken als Erfolgsbelege auftauchen - Motto: die Dienstleistungsgesellschaft generiert neue Jobs -, die wir aber ehrlicherweise als Orientierungslose, wenn nicht als früh Gescheiterte ansprechen müssen.

Smith hat in der Komödie "Clerks" das Traurige dieser Lage deutlich gemacht, ist aber just mit diesem Porträt des Stillstands der Anonymität entkommen. Er hat sich eine kleine Nische im Filmgeschäft erobert. "Clerks 2" kann man als Versuch sehen, die Zurückgelassenen, die tatsächlichen Slacker, nicht wie Verlierer aussehen zu lassen. Der Autor und Regisseur will den Dauerfrust seiner Protagonisten in ihren miesen Jobs als subversive Bewältigungsstrategie zeigen, er will uns klar machen, dass diese Typen nicht klein beigeben, auch wenn sie gelegentlich in die Selbstblamage taumeln und nur selten einer ihrer Pläne aufgeht.

Das würde vielleicht besser funktionieren, hätte Smith "Clerks 2" wie den Ursprungsfilm in schmuddligem Schwarz-Weiß und mit den beiläufigen Bildern einer No-Budget-Produktion gedreht, aber die konventionelle Gediegenheit des aktuellen Farbfilms betont jetzt das Abgehobene und Angestrengte des Projekts. Smith kann noch immer durchgeknallte Dialoge schreiben und sich kuriose Situationen ausdenken, aber sein schlichter Inszenierungsstil macht die Figuren manchmal zu Gagablieferungspuppen in der Installation eines Vergnügungsparks. "Clerks 2" ist immer wieder witzig und ein paarmal sogar überraschend - aber man spürt trotzdem, dass Smith jener größere Film vorschwebte, den seine Figuren auch durchaus verdient hätten.
 
Mehr StZ Filmkritiken

Alle Artikel anzeigen
Anzeigen

Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?
vorheriger Monat
Monat
kommender Monat
Heute Morgen Akt. Woche
MODIMIDOFRSASO
0123456
0123456
0123456
0123456
0123456
0123456
Aktuelle Videos


Sie suchen eine neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten

Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
Trailer oder Video auf filmstarts.de