Teure Wanderausstellung
Bahn kassiert für Gedenken an NS-Opfer
Katharina Schönwitz, aus der StZ vom 16. Februar, veröffentlicht am 15.02.2008
Stuttgart - Die Reichsbahn machte gute Geschäfte mit den Nationalsozialisten: Deren Opfer mussten ihre Fahrt in den Tod meistens selbst bezahlen. Vier Pfennig betrug der Reisepreis für die Deportierten pro gefahrenem Kilometer, Kinder zahlten die Hälfte. Diesen Opfern ist die Ausstellung "Zug der Erinnerung" gewidmet. In mehreren Waggons werden die Zustellung der Deportationsbescheide, das Herrichten und Verlassen der Wohnungen, der Weg zu den Sammellagern und von dort zu den wartenden Zügen gezeigt.
Der Verein, der die Ausstellung initiiert hat, finanziert sich allein aus Spenden. Deswegen sollen die Kosten so gering wie möglich sein. Doch die Deutsche Bahn AG forderte von Beginn an hohe Gebühren. "Pro gefahrenem Kilometer 3,50 Euro, hinzu kommen Gebühren für die Benutzung der Steckdosen. Der Strom wird extra berechnet", erläutert Hans-Rüdiger Minow, ein Sprecher des "Zuges der Erinnerung". Allein die Trassennutzung wird etwa 25.000 Euro kosten.
Doch jetzt flatterte eine neue Rechnung ins Haus. Die Bahn verlangt pro Stunde, die die Ausstellung geöffnet ist, eine Gebühr. Diese beträgt in Stuttgart 45 Euro und in Esslingen 22,50 Euro. Der Preis wird nach Bedeutung des Bahnhofs festgelegt.
Minow ist fassungslos. Damit sei klargestellt, dass sich die Bahn AG den Zugang der Besucher zum Gedenken bezahlen lassen wolle. "Die vorherigen Gebühren bezogen sich ja immerhin noch auf eine Dienstleistung, aber diese neuen Gebühren beziehen sich ja nur auf das Gedenken selbst." Zudem sei die Rechnung völlig unvermittelt, ohne vorherige Absprachen gekommen.
Auch für Wolfgang Brach vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Stuttgart kam die Rechnung diese Woche aus heiterem Himmel. "Das ist doch eine vollkommen willkürliche Gebühr", regt sich der Regionsvorsitzende auf. "Man kann doch für das Betreten eines Bahnsteigs keine Gebühr verlangen. Und selbst wenn alle Besucher auf dem Klo im Bahnhof waren, haben sie dafür ja auch schon 50 Cent bezahlen müssen."
Der DGB Region Stuttgart hat den Halt des Zuges im November in Stuttgart und Esslingen mit 8000 Euro unterstützt und das hiesige Rahmenprogramm mitorganisiert. Für Brach ist die Forderung der Bahn eine politische Instinkt- und Geschichtslosigkeit, die nicht in die Zeit passe: "Mit dem Schicksal deportierter Menschen im Dritten Reich Geld zu verdienen, ist für einen Konzern, der an die Börse will, absolut unwürdig", sagt er.
Zurzeit steht der Zug im Bochumer Hauptbahnhof. Insgesamt haben bisher 85.000 Menschen die Ausstellung besucht. Wie in Stuttgart und Esslingen kommen vor allem Schulklassen. Die Initiatoren rechnen jetzt mit DB-Forderungen von mehr als 70.000 Euro. "Dank vieler Spenden sind wir in der glücklichen Lage, die Rechnungen der Bahn bezahlen zu können", erklärte Hans-Jürgen Minow. "Allerdings ist dadurch die Absicht gefährdet, den Zug in möglichst viele Städte zu fahren."
Viele Politiker haben der Bahn AG geraten, ihre Rechnungslegung für das Gedenken an die NS-Opfer aufzugeben. Die Aufforderungen zeitigten bisher keine erkennbare Wirkung. Der Bahnvorstand lehnt es weiter ab, dem "Zug der Erinnerung" die Kosten zu erlassen. Entsprechende Bitten hat das Vorstandsbüro von Bahn-Chef Mehdorn schriftlich zurückgewiesen. Ein Unternehmenssprecher meinte gestern lapidar: "Dieses normale Stationsentgelt muss jeder zahlen, der einen Waggon am Bahnhof abstellen möchte."
Der Verein, der die Ausstellung initiiert hat, finanziert sich allein aus Spenden. Deswegen sollen die Kosten so gering wie möglich sein. Doch die Deutsche Bahn AG forderte von Beginn an hohe Gebühren. "Pro gefahrenem Kilometer 3,50 Euro, hinzu kommen Gebühren für die Benutzung der Steckdosen. Der Strom wird extra berechnet", erläutert Hans-Rüdiger Minow, ein Sprecher des "Zuges der Erinnerung". Allein die Trassennutzung wird etwa 25.000 Euro kosten.
Doch jetzt flatterte eine neue Rechnung ins Haus. Die Bahn verlangt pro Stunde, die die Ausstellung geöffnet ist, eine Gebühr. Diese beträgt in Stuttgart 45 Euro und in Esslingen 22,50 Euro. Der Preis wird nach Bedeutung des Bahnhofs festgelegt.
Minow ist fassungslos. Damit sei klargestellt, dass sich die Bahn AG den Zugang der Besucher zum Gedenken bezahlen lassen wolle. "Die vorherigen Gebühren bezogen sich ja immerhin noch auf eine Dienstleistung, aber diese neuen Gebühren beziehen sich ja nur auf das Gedenken selbst." Zudem sei die Rechnung völlig unvermittelt, ohne vorherige Absprachen gekommen.
Auch für Wolfgang Brach vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Stuttgart kam die Rechnung diese Woche aus heiterem Himmel. "Das ist doch eine vollkommen willkürliche Gebühr", regt sich der Regionsvorsitzende auf. "Man kann doch für das Betreten eines Bahnsteigs keine Gebühr verlangen. Und selbst wenn alle Besucher auf dem Klo im Bahnhof waren, haben sie dafür ja auch schon 50 Cent bezahlen müssen."
Der DGB Region Stuttgart hat den Halt des Zuges im November in Stuttgart und Esslingen mit 8000 Euro unterstützt und das hiesige Rahmenprogramm mitorganisiert. Für Brach ist die Forderung der Bahn eine politische Instinkt- und Geschichtslosigkeit, die nicht in die Zeit passe: "Mit dem Schicksal deportierter Menschen im Dritten Reich Geld zu verdienen, ist für einen Konzern, der an die Börse will, absolut unwürdig", sagt er.
Zurzeit steht der Zug im Bochumer Hauptbahnhof. Insgesamt haben bisher 85.000 Menschen die Ausstellung besucht. Wie in Stuttgart und Esslingen kommen vor allem Schulklassen. Die Initiatoren rechnen jetzt mit DB-Forderungen von mehr als 70.000 Euro. "Dank vieler Spenden sind wir in der glücklichen Lage, die Rechnungen der Bahn bezahlen zu können", erklärte Hans-Jürgen Minow. "Allerdings ist dadurch die Absicht gefährdet, den Zug in möglichst viele Städte zu fahren."
Viele Politiker haben der Bahn AG geraten, ihre Rechnungslegung für das Gedenken an die NS-Opfer aufzugeben. Die Aufforderungen zeitigten bisher keine erkennbare Wirkung. Der Bahnvorstand lehnt es weiter ab, dem "Zug der Erinnerung" die Kosten zu erlassen. Entsprechende Bitten hat das Vorstandsbüro von Bahn-Chef Mehdorn schriftlich zurückgewiesen. Ein Unternehmenssprecher meinte gestern lapidar: "Dieses normale Stationsentgelt muss jeder zahlen, der einen Waggon am Bahnhof abstellen möchte."
Anzeigen
Anzeige
Anzeige
Veranstaltungen
Finden Sie
Heute können Sie aus 426 Veranstaltungsterminen auswählen
StZ ePaper
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung.
Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.








