Stromkonzerne machen Druck
Ohne Kohle und Kernkraft ins Abseits
dpa, veröffentlicht am 27.02.2008
Düsseldorf - Wenn es um Kohlekraftwerke und Atomstrom geht, hat die Branche derzeit keinen besseren Lobbyisten als Jürgen Großmann. Der Vorstandschef des Energieriesen RWE wird in diesen Tagen nicht müde, die Werbetrommel für die Interessen die Stromerzeuger zu rühren. In ganz Europa werde der Strom knapp, weil Kraftwerke fehlten, sagte er und malte Schreckensszenarien an die Wand: „Hier drohen im europäischen Netz mehrtägige Stromausfälle schon in diesem Jahr, die auch Deutschland hart treffen können“.
Der Öko-Stromverband spricht von Panikmache. Es gebe keine Stromlücke in Deutschland. Tatsächlich sehen sich die Energiekonzerne durch Politik und Öffentlichkeit in die Enge getrieben: Die Strom- und Gaspreisrunden auf der einen Seite und Milliardengewinne auf der anderen sind in den vergangenen Monaten immer wieder ein Grund gewesen, die Unternehmen an den Pranger zu stellen. Öl ins Feuer schüttete Eon-Konzernchef Wulf Bernotat vor wenigen Monaten zudem mit der Bemerkung, dass Strom in Deutschland eigentlich zu billig sei.
„Die Monopolisten schwimmen im Geld und plündern die Verbraucher jetzt noch stärker aus“, kritisiert Aribert Peters vom Bundesverband der Energieverbraucher. Die Engpassdebatte hält er für einen „politisch motivierten Theaterdonner“. Großmann wettere, um politischen Druck aufzubauen, sagt Peters. Er wolle doch nur neue „Kohlestinker“ bauen und mit abgeschriebenen Atomkraftwerken zusätzlich Geld machen.
Auch die Energieagentur warnt
Ganz so eindeutig scheinen die Dinge nicht zu liegen. Anfang Januar hatte die Bundesnetzagentur, die keineswegs als Anwalt der Energiekonzerne gilt, von möglichen Engpässen gesprochen. „Durch Verzögerungen sind in einigen Regionen Deutschlands mittelfristig Engpässe im Stromnetz nicht auszuschließen“, sagte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth. Diese Engpässe könnten dann den Stromgroßhandelsmarkt erheblich beeinflussen - mit unabsehbaren Folgen für die Preisentwicklung.
Ursachen für die Verzögerungen sind dabei nicht nur die langen Genehmigungszeiten für Netzausbau und Kraftwerkneubau in Deutschland, sondern auch wachsende Proteste aus der Bevölkerung. Einerseits billigen Strom haben zu wollen, andererseits aber keine neuen Kraftwerke, das sei ein Widerspruch, sagt ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Kurth: „Wer mehr Wettbewerb im Strommarkt will, muss den dringend erforderlichen Ausbau der Netze fördern und beschleunigen.“
Stromkonzerne gut vorbereitet
Mit Milliarden-Investitionen haben sich RWE, Eon & Co längst für die Modernisierung und Erneuerung ihrer Stromnetze und Kraftwerke gerüstet. Bis zum Jahr 2020 müssten Anlagen mit einer Leistung von rund 40.000 Megawatt durch neue ersetzt werden, schätzt die Energiewirtschaft. Das sei ein Viertel der gesamten Kraftwerkskapazität von 140.000 Megawatt, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Michael Feist, vor wenigen Wochen bei der E-World in Essen. Dabei gehe es vorwiegend um den Ersatz älterer Kohlekraftwerke und um den Ersatz von Kernkraftwerken, die vorzeitig vom Netz genommen werden. Nach BDEW-Angaben sind Anlagen mit 8500 Megawatt bereits umgesetzt, weitere 9000 Megawatt in Bau und 20.000 Megawatt in Planung.
Großmann scheint indes sicher zu sein, dass in den Köpfen der Politiker in Sachen Atomausstieg noch ein Umdenken in Gang gesetzt wird. Der ökonomische Druck werde so groß werden, dass jede Bundesregierung ihre Haltung zur Kernenergie ändern werde, meinte der RWE-Chef vor wenigen Wochen in einem Zeitungsinterview. Sein Vorstandskollege Bernotat von E.ON fordert ebenfalls den Erhalt der Kernkraft, um die anvisierten Klimaziele zu erreichen. Beiden geht es um den Energiemix aus fossilen Trägern, Kernkraft bis hin zu erneuerbaren Energien. Der Vorstandsvorsitzende des Karlsruher Energiekonzerns EnBW, Hans-Peter Villis, warnte unlängst vor einem doppelten Ausstieg aus Atom und Kohle: „Beides geht nicht“.
Vor allem letztere sind ins Blickfeld der Energiekonzerne geraten. Dazu gehören vor allem Wind und Wasser, aber auch Sonne, Biomasse, Geothermie/Erdwärme. In eigenen Geschäftsbereichen haben E.ON und RWE ihre Aktivitäten erneuerbare Energien gebündelt und pumpen in ihren Ausbau jährlich einen Milliardenbetrag.
Der Öko-Stromverband spricht von Panikmache. Es gebe keine Stromlücke in Deutschland. Tatsächlich sehen sich die Energiekonzerne durch Politik und Öffentlichkeit in die Enge getrieben: Die Strom- und Gaspreisrunden auf der einen Seite und Milliardengewinne auf der anderen sind in den vergangenen Monaten immer wieder ein Grund gewesen, die Unternehmen an den Pranger zu stellen. Öl ins Feuer schüttete Eon-Konzernchef Wulf Bernotat vor wenigen Monaten zudem mit der Bemerkung, dass Strom in Deutschland eigentlich zu billig sei.
„Die Monopolisten schwimmen im Geld und plündern die Verbraucher jetzt noch stärker aus“, kritisiert Aribert Peters vom Bundesverband der Energieverbraucher. Die Engpassdebatte hält er für einen „politisch motivierten Theaterdonner“. Großmann wettere, um politischen Druck aufzubauen, sagt Peters. Er wolle doch nur neue „Kohlestinker“ bauen und mit abgeschriebenen Atomkraftwerken zusätzlich Geld machen.
Auch die Energieagentur warnt
Ganz so eindeutig scheinen die Dinge nicht zu liegen. Anfang Januar hatte die Bundesnetzagentur, die keineswegs als Anwalt der Energiekonzerne gilt, von möglichen Engpässen gesprochen. „Durch Verzögerungen sind in einigen Regionen Deutschlands mittelfristig Engpässe im Stromnetz nicht auszuschließen“, sagte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth. Diese Engpässe könnten dann den Stromgroßhandelsmarkt erheblich beeinflussen - mit unabsehbaren Folgen für die Preisentwicklung.
Ursachen für die Verzögerungen sind dabei nicht nur die langen Genehmigungszeiten für Netzausbau und Kraftwerkneubau in Deutschland, sondern auch wachsende Proteste aus der Bevölkerung. Einerseits billigen Strom haben zu wollen, andererseits aber keine neuen Kraftwerke, das sei ein Widerspruch, sagt ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Kurth: „Wer mehr Wettbewerb im Strommarkt will, muss den dringend erforderlichen Ausbau der Netze fördern und beschleunigen.“
Stromkonzerne gut vorbereitet
Mit Milliarden-Investitionen haben sich RWE, Eon & Co längst für die Modernisierung und Erneuerung ihrer Stromnetze und Kraftwerke gerüstet. Bis zum Jahr 2020 müssten Anlagen mit einer Leistung von rund 40.000 Megawatt durch neue ersetzt werden, schätzt die Energiewirtschaft. Das sei ein Viertel der gesamten Kraftwerkskapazität von 140.000 Megawatt, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Michael Feist, vor wenigen Wochen bei der E-World in Essen. Dabei gehe es vorwiegend um den Ersatz älterer Kohlekraftwerke und um den Ersatz von Kernkraftwerken, die vorzeitig vom Netz genommen werden. Nach BDEW-Angaben sind Anlagen mit 8500 Megawatt bereits umgesetzt, weitere 9000 Megawatt in Bau und 20.000 Megawatt in Planung.
Großmann scheint indes sicher zu sein, dass in den Köpfen der Politiker in Sachen Atomausstieg noch ein Umdenken in Gang gesetzt wird. Der ökonomische Druck werde so groß werden, dass jede Bundesregierung ihre Haltung zur Kernenergie ändern werde, meinte der RWE-Chef vor wenigen Wochen in einem Zeitungsinterview. Sein Vorstandskollege Bernotat von E.ON fordert ebenfalls den Erhalt der Kernkraft, um die anvisierten Klimaziele zu erreichen. Beiden geht es um den Energiemix aus fossilen Trägern, Kernkraft bis hin zu erneuerbaren Energien. Der Vorstandsvorsitzende des Karlsruher Energiekonzerns EnBW, Hans-Peter Villis, warnte unlängst vor einem doppelten Ausstieg aus Atom und Kohle: „Beides geht nicht“.
Vor allem letztere sind ins Blickfeld der Energiekonzerne geraten. Dazu gehören vor allem Wind und Wasser, aber auch Sonne, Biomasse, Geothermie/Erdwärme. In eigenen Geschäftsbereichen haben E.ON und RWE ihre Aktivitäten erneuerbare Energien gebündelt und pumpen in ihren Ausbau jährlich einen Milliardenbetrag.
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