Wilbärs Woche
Der milchsüchtige kleine Vampir
Erik Raidt, aus der StZ vom 8. März 2008, veröffentlicht am 07.03.2008
Stuttgart - Warten auf Wilbär: erst Ende April ist der kleine Eisbärjunge für die Besucher der Wilhelma im Außengehege zu sehen. Die StZ bleibt ihm auf den Tatzen. Von nächster Woche an immer dienstags.
Wie gut, dass Eisbären keine Fernseher haben, sonst würden sie vermutlich in der Arktis ein eigenes Aufnahmestudio besitzen, und dort würden Eisbärenreporter, Eisbärenkameraleute und Toneisbärenmänner zusammenhocken, sich nervös hinter den Ohren kratzen und über die Topstory des nächsten Tages hirnen. Kein Zweifel, wenn in dieser journalistischen Einöde endlich mal wieder ein Menschenpärchen Nachwuchs bekäme, dann würde der Chefeisbärenredakteur entschlossen mit der Tatze auf die Scholle hauen: „Das müssen wir bringen, das glaubt uns kein Bär! Die Menschen ziehen ihr Baby selbst auf, die Mutter gibt ihm die Brust und weit und breit kein Eisbär, der dem Kind dabei das Fläschchen reicht.“
Die Geschichte wäre ein Knüller. TV Eisbär Total würde Sondersendungen produzieren, und vor dem kleinen Menschenzoo in der Arktis würden die Eisbärenreporter ihre haarigen Ellenbogen ausfahren und sich um die besten Plätze vor der Wurfbox balgen. Unfassbar! Ein Mensch wächst heran, fängt an zu krabbeln, gründet später eine Familie, betrügt regelmäßig das Finanzamt und seine Frau – und das alles ganz ohne die Hilfe eines Eisbären.
So ähnlich ergeht es Wilbär, dem flauschigen Wonneproppen aus der Wilhelma, den der Zoo vor einer Woche vorgestellt hat. Der Eisbärjunge wird doch tatsächlich von seiner Mutter mit Milch versorgt. Unerhört! Dabei hatte sich ein Volk von Experten seit Knut und Flocke gerade erst daran gewöhnt, dass Eisbärbabys von ihrem Pfleger die Flasche bekommen. Wie sonst sollten die Raubtiere denn auch in den vergangenen 125000 Jahren überlebt haben?
Vor ihren dunklen Wurfhöhlen im ewigen Eis müssen schon immer Gestalten wie der bärtige Herr Dörflein aus dem Berliner Zoo patroulliert haben, die die Aufgabe hatten, dem kleinen Eisbären den Popo abzuwischen, den Schnuller zu reichen und mit ihm im Eismeer zu baden. Brrrr. Und nicht mal Publikum.
Ganz anders als bei Wilbär und seiner Mama Corinna in der Wilhelma. Wie gut, dass Eisbären nur auf Schollen und nicht im Internet surfen und dass noch keine Fernbedienung erfunden wurde, die sie mit ihren groben Tatzen bedienen können. Was hätten sie nicht alles in dieser Woche über sich und ihre Sippe lesen und sehen müssen: Wird Knut schwul, weil er zu sehr auf seinen Pfleger fixiert ist? Werden Flocke aus Nürnberg und der kleine Wilbär mal ein Traumpaar, weil ihr Geburtstermin nur einen Tag auseinander liegt?
Jetzt muss man wissen: so ein Eisbär ist nicht blöde. Auch Corinna nicht, deren Nervenkostüm derzeit eh schon ein wenig angenagt ist. Seit ein paar Tagen sind Wilbär nämlich Eckzähnchen gewachsen und wenn er grinst, dann ähnelt er ein bisschen einem kleinen Vampir, der sich als Eisbär verkleidet hat. So ein zahnender milchsüchtiger Vampir ist selbst für eine klaglose Mutter wie Corinna gewöhnungsbedürftig. Angeblich soll sie sich hinter dem Rücken der Wilhelma schon nach der Telefonnummer von Herrn Dörflein erkundigt haben.
Man möge sich bitteschön selbst einmal in den Pelz der Dame hineinversetzen. Zahnender Nachwuchs hier, Blödsinn über Eisbären in den Medien dort. Da ist es zweifellos im Sinne aller Beteiligten, dass die Wilhelma sie und Wilbär so wacker von der menschlichen Medienmeute abschottet. Jeder weiß doch selbst, wie schnell einem 300-Kilo-Koloss sonst ein Missgeschick unterlaufen könnte.
Knurps, knurps, hoppla! Schon hat sie diesen Tontechnikermensch versehentlich mitsamt Mikrofongestänge verschluckt und den Reporter gleich als Nachtisch hinterher. Eisbären sind eben Allesfresser. Sie schrecken nicht mal vor Journalisten zurück.
Wie gut, dass Eisbären keine Fernseher haben, sonst würden sie vermutlich in der Arktis ein eigenes Aufnahmestudio besitzen, und dort würden Eisbärenreporter, Eisbärenkameraleute und Toneisbärenmänner zusammenhocken, sich nervös hinter den Ohren kratzen und über die Topstory des nächsten Tages hirnen. Kein Zweifel, wenn in dieser journalistischen Einöde endlich mal wieder ein Menschenpärchen Nachwuchs bekäme, dann würde der Chefeisbärenredakteur entschlossen mit der Tatze auf die Scholle hauen: „Das müssen wir bringen, das glaubt uns kein Bär! Die Menschen ziehen ihr Baby selbst auf, die Mutter gibt ihm die Brust und weit und breit kein Eisbär, der dem Kind dabei das Fläschchen reicht.“
Die Geschichte wäre ein Knüller. TV Eisbär Total würde Sondersendungen produzieren, und vor dem kleinen Menschenzoo in der Arktis würden die Eisbärenreporter ihre haarigen Ellenbogen ausfahren und sich um die besten Plätze vor der Wurfbox balgen. Unfassbar! Ein Mensch wächst heran, fängt an zu krabbeln, gründet später eine Familie, betrügt regelmäßig das Finanzamt und seine Frau – und das alles ganz ohne die Hilfe eines Eisbären.
So ähnlich ergeht es Wilbär, dem flauschigen Wonneproppen aus der Wilhelma, den der Zoo vor einer Woche vorgestellt hat. Der Eisbärjunge wird doch tatsächlich von seiner Mutter mit Milch versorgt. Unerhört! Dabei hatte sich ein Volk von Experten seit Knut und Flocke gerade erst daran gewöhnt, dass Eisbärbabys von ihrem Pfleger die Flasche bekommen. Wie sonst sollten die Raubtiere denn auch in den vergangenen 125000 Jahren überlebt haben?
Vor ihren dunklen Wurfhöhlen im ewigen Eis müssen schon immer Gestalten wie der bärtige Herr Dörflein aus dem Berliner Zoo patroulliert haben, die die Aufgabe hatten, dem kleinen Eisbären den Popo abzuwischen, den Schnuller zu reichen und mit ihm im Eismeer zu baden. Brrrr. Und nicht mal Publikum.
Ganz anders als bei Wilbär und seiner Mama Corinna in der Wilhelma. Wie gut, dass Eisbären nur auf Schollen und nicht im Internet surfen und dass noch keine Fernbedienung erfunden wurde, die sie mit ihren groben Tatzen bedienen können. Was hätten sie nicht alles in dieser Woche über sich und ihre Sippe lesen und sehen müssen: Wird Knut schwul, weil er zu sehr auf seinen Pfleger fixiert ist? Werden Flocke aus Nürnberg und der kleine Wilbär mal ein Traumpaar, weil ihr Geburtstermin nur einen Tag auseinander liegt?
Jetzt muss man wissen: so ein Eisbär ist nicht blöde. Auch Corinna nicht, deren Nervenkostüm derzeit eh schon ein wenig angenagt ist. Seit ein paar Tagen sind Wilbär nämlich Eckzähnchen gewachsen und wenn er grinst, dann ähnelt er ein bisschen einem kleinen Vampir, der sich als Eisbär verkleidet hat. So ein zahnender milchsüchtiger Vampir ist selbst für eine klaglose Mutter wie Corinna gewöhnungsbedürftig. Angeblich soll sie sich hinter dem Rücken der Wilhelma schon nach der Telefonnummer von Herrn Dörflein erkundigt haben.
Man möge sich bitteschön selbst einmal in den Pelz der Dame hineinversetzen. Zahnender Nachwuchs hier, Blödsinn über Eisbären in den Medien dort. Da ist es zweifellos im Sinne aller Beteiligten, dass die Wilhelma sie und Wilbär so wacker von der menschlichen Medienmeute abschottet. Jeder weiß doch selbst, wie schnell einem 300-Kilo-Koloss sonst ein Missgeschick unterlaufen könnte.
Knurps, knurps, hoppla! Schon hat sie diesen Tontechnikermensch versehentlich mitsamt Mikrofongestänge verschluckt und den Reporter gleich als Nachtisch hinterher. Eisbären sind eben Allesfresser. Sie schrecken nicht mal vor Journalisten zurück.
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