Abflug am Wasen
USS Lincoln soll Airport entlasten
Von Stephan Germann, veröffentlicht am 01.04.2008
Stuttgart - Airport-Chef Georg Fundel ist derzeit nicht zu beneiden: Mit seinen Plänen, den Stuttgarter Flughafen auszubauen, hat er die halbe Region gegen sich aufgebracht. Bauern, Politiker, Umweltschützer - sie alle wehren sich gegen eine zunehmende Belastung der Fildern durch eine zweite Start- und Landebahn.
Die helfende Kavallerie kommt in Gestalt eines Drei-Sterne-Generals: Mit William "Kip" Ward, Chef der Afrika-Kommandantur (Africom) der US-Armee, hat Fundel einen Verbündeten gefunden, der den kurzfristigen Ausbau des Flughafen-Geschäfts ohne die zweite Piste ermöglicht.
Er sei befugt, die USS Lincoln, einen Flugzeugträger der US-Navy, in Stuttgart zu stationieren, ließ Ward den Flughafen-Chef Anfang März wissen. Dort sollen von Mai an all jene Flugbewegungen stattfinden, die bislang im militärischen Flughafenbereich abgewickelt wurden. Der frei werdende Platz südlich der Landebahn steht damit dem Flughafen zur freien Verfügung.
Verlegung der USS Lincoln "top secret"
Aus Angst vor Anschlägen und wohl auch ein bisschen aus Furcht vor Protesten der betroffenen Gemeinden am Oberen Neckar wurde der Plan so lange wie möglich geheimgehalten. Immerhin geht es um rund 40 Flugbewegungen am Tag, im Zuge des Ausbaus der Kelley Baracks zum Africom-Hauptquartier sollen daraus bis zu 100 werden. Ganz zu schweigen von der steigenden Anzahl an Transferfahrten, die über die B 10 und die Filderauffahrt nach Möhringen geleitet werden sollen - vorbei an Zehntausenden verkehrsgeplagten Stuttgartern.
Seit dem frühen Dienstagmorgen ist der Plan nicht mehr geheim: Kaum zu übersehen liegt die USS Lincoln im Neckar auf Höhe des Cannstatter Wasens. Ein wenig deplaziert wirkt das Kriegsschiff dort, streng bewacht von bewaffneten Soldaten. Das soll sich schnell ändern: Die Soldaten hätten Anweisung, interessierten Bürgern Führungen auf dem Flugzeugträger anzubieten, so General Ward auf Anfrage. Und von 11 Uhr an ist ein Tag der Offenen Tür geplant, bei dem die zukünftige Flugregelung genau erklärt werden soll.
Neckartal wird zur Flugschneise
So viel ist jetzt schon bekannt: Ankommende Flugzeuge benutzen die Anflugschneise aus nordöstlicher Richtung. Etwa auf Höhe Plochingens drehen sie ab ins Neckartal, wo sie in einen starken Sinkflug in Richtung Bad Cannstatt übergehen. Dabei ist die durchschnittliche Fluggeschwindigkeit auf 300 km/h begrenzt, um den Lärmschutz zu gewährleisten. "Die Schnellstraße ist lauter, wenn wir mit gedrosselten Triebwerken einfliegen", so ein Navy-Sprecher.
Hinaus geht es ebenfalls zurück durch das Neckartal - in Richtung Cannstatt kann wegen des Berger Stegs nicht gestartet werden. Auch hierbei gilt für die Piloten das Tempolimit. Allerdings gehen sie direkt nach dem Start in einen steilen Steigflug, um die Fluss-Schneise für ankommende Flieger freizuhalten. Ab einer Höhe von 3000 Fuß (etwa 1000 Meter) dürfen die Nachbrenner eingeschaltet werden.
Privatmaschinen auf dem Wasen?
Zunächst soll die USS Lincoln nur Militärmaschinen offen stehen. In spätestens zwei Jahren, wenn Africom vollständig ausgebaut ist und keine Militäreinsätze in Afrika mehr koordinieren muss, könnten dann auch kleine Privatmaschinen landen und starten - und Georg Fundel einen weiteren Dorn aus dem Auge nehmen. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass er die verschiedenen Privatmaschinen am Stuttgarter Flughafen lieber heute als morgen los wäre.
"Bei uns können zivile Flugzeuge von der Größe eines Learjets starten und landen", so der Navy-Sprecher. "Ob wir das genehmigen, hängt jedoch von der Stadt Stuttgart ab. Klar ist, dass die Maschinen an Bord nicht geparkt werden können." Ein Teil des Wasens müsse deshalb zum Flugfeld umgebaut werden, die Maschinen würden dann per Kran ans sichere Ufer gehievt. Der Gemeinderat hat bereits Interesse an der zivilen Nutzung signalisiert - die Standgebühren für die Flugzeuge kämen nämlich dem Etat der Stadt zugute.
Die USS Lincoln kann von interessierten Bürgern besichtigt werden. Am Dienstagvormittag ist Tag der Offenen Tür - der über die weiteren Pläne Auskunft geben soll. Anreise mit dem Auto über die B10/B14, dann zum Großparkplatz Wasen; ÖPNV-Nutzer nehmen die Stadtbahn U1 oder U2 bis zur Haltestelle Mercedesstraße. Zugang über den Cannstatter Wasen beim Campingplatz. Hinweis: Fotografieren verboten, da militärischer Sicherheitsbereich.
Die helfende Kavallerie kommt in Gestalt eines Drei-Sterne-Generals: Mit William "Kip" Ward, Chef der Afrika-Kommandantur (Africom) der US-Armee, hat Fundel einen Verbündeten gefunden, der den kurzfristigen Ausbau des Flughafen-Geschäfts ohne die zweite Piste ermöglicht.
Er sei befugt, die USS Lincoln, einen Flugzeugträger der US-Navy, in Stuttgart zu stationieren, ließ Ward den Flughafen-Chef Anfang März wissen. Dort sollen von Mai an all jene Flugbewegungen stattfinden, die bislang im militärischen Flughafenbereich abgewickelt wurden. Der frei werdende Platz südlich der Landebahn steht damit dem Flughafen zur freien Verfügung.
Verlegung der USS Lincoln "top secret"
Aus Angst vor Anschlägen und wohl auch ein bisschen aus Furcht vor Protesten der betroffenen Gemeinden am Oberen Neckar wurde der Plan so lange wie möglich geheimgehalten. Immerhin geht es um rund 40 Flugbewegungen am Tag, im Zuge des Ausbaus der Kelley Baracks zum Africom-Hauptquartier sollen daraus bis zu 100 werden. Ganz zu schweigen von der steigenden Anzahl an Transferfahrten, die über die B 10 und die Filderauffahrt nach Möhringen geleitet werden sollen - vorbei an Zehntausenden verkehrsgeplagten Stuttgartern.
Seit dem frühen Dienstagmorgen ist der Plan nicht mehr geheim: Kaum zu übersehen liegt die USS Lincoln im Neckar auf Höhe des Cannstatter Wasens. Ein wenig deplaziert wirkt das Kriegsschiff dort, streng bewacht von bewaffneten Soldaten. Das soll sich schnell ändern: Die Soldaten hätten Anweisung, interessierten Bürgern Führungen auf dem Flugzeugträger anzubieten, so General Ward auf Anfrage. Und von 11 Uhr an ist ein Tag der Offenen Tür geplant, bei dem die zukünftige Flugregelung genau erklärt werden soll.
Neckartal wird zur Flugschneise
So viel ist jetzt schon bekannt: Ankommende Flugzeuge benutzen die Anflugschneise aus nordöstlicher Richtung. Etwa auf Höhe Plochingens drehen sie ab ins Neckartal, wo sie in einen starken Sinkflug in Richtung Bad Cannstatt übergehen. Dabei ist die durchschnittliche Fluggeschwindigkeit auf 300 km/h begrenzt, um den Lärmschutz zu gewährleisten. "Die Schnellstraße ist lauter, wenn wir mit gedrosselten Triebwerken einfliegen", so ein Navy-Sprecher.
Hinaus geht es ebenfalls zurück durch das Neckartal - in Richtung Cannstatt kann wegen des Berger Stegs nicht gestartet werden. Auch hierbei gilt für die Piloten das Tempolimit. Allerdings gehen sie direkt nach dem Start in einen steilen Steigflug, um die Fluss-Schneise für ankommende Flieger freizuhalten. Ab einer Höhe von 3000 Fuß (etwa 1000 Meter) dürfen die Nachbrenner eingeschaltet werden.
Privatmaschinen auf dem Wasen?
Zunächst soll die USS Lincoln nur Militärmaschinen offen stehen. In spätestens zwei Jahren, wenn Africom vollständig ausgebaut ist und keine Militäreinsätze in Afrika mehr koordinieren muss, könnten dann auch kleine Privatmaschinen landen und starten - und Georg Fundel einen weiteren Dorn aus dem Auge nehmen. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass er die verschiedenen Privatmaschinen am Stuttgarter Flughafen lieber heute als morgen los wäre.
"Bei uns können zivile Flugzeuge von der Größe eines Learjets starten und landen", so der Navy-Sprecher. "Ob wir das genehmigen, hängt jedoch von der Stadt Stuttgart ab. Klar ist, dass die Maschinen an Bord nicht geparkt werden können." Ein Teil des Wasens müsse deshalb zum Flugfeld umgebaut werden, die Maschinen würden dann per Kran ans sichere Ufer gehievt. Der Gemeinderat hat bereits Interesse an der zivilen Nutzung signalisiert - die Standgebühren für die Flugzeuge kämen nämlich dem Etat der Stadt zugute.
Die USS Lincoln kann von interessierten Bürgern besichtigt werden. Am Dienstagvormittag ist Tag der Offenen Tür - der über die weiteren Pläne Auskunft geben soll. Anreise mit dem Auto über die B10/B14, dann zum Großparkplatz Wasen; ÖPNV-Nutzer nehmen die Stadtbahn U1 oder U2 bis zur Haltestelle Mercedesstraße. Zugang über den Cannstatter Wasen beim Campingplatz. Hinweis: Fotografieren verboten, da militärischer Sicherheitsbereich.
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