Mikael Niemi

Der Mann, der starb wie ein Lachs

Anke Breitmaier, AP, veröffentlicht am 04.04.2008
Foto: Verlag

Mikael Niemi hat etwas geschafft, wovon viele Schriftsteller träumen: Mit seinem skurrilen Romandebüt „Populärmusik aus Vittula“ landete er 2000 einen gigantischen Überraschungserfolg. Der Roman über eine Jungenfreundschaft im nördlichen Schweden wurde in 24 Sprachen übersetzt und verfilmt. Mit seinem zweiten Roman könnte dem 1959 geborenen Schweden erneut ein großer Literaturcoup gelingen. Denn diesmal legt Niemi einen spannenden und vielschichtigen Krimi vor, dessen eigentliche Hauptfigur wieder das Tornedal ist.

Schon in seinem ersten Buch setzte Niemi seiner Heimat rund 100 Kilometer nördlich des Polarkreises literarisch ein Denkmal. Auch in „Der Mann, der starb wie ein Lachs“ steht Tornedal - in Schwedisch Lappland - mit seinen verschrobenen Einwohnern, die eine rechtliche Minderheit darstellen und einen kuriosen finnischen Dialekt sprechen, im Mittelpunkt.

Der brutale, noch dazu mit einem Lachsspeer verübte Mord an einem älteren Mann schreckt die Bewohner der verlassenen Gegend auf. Die Stockholmer Kommissarin Therese soll diesen verzwickten Fall aufklären - widerwillig macht sich die 33-Jährige auf in den unwirtlichen Norden. Das Mordopfer war ein unbeliebter Sonderling, der sich vor allem der Bekämpfung des von den Tornedalfinnen gesprochenen Dialekts widmete und allem Anschein nach pädophil war.

Zunächst vermutet Therese hier das Mordmotiv. Je weiter die Ermittlungen allerdings fortschreiten, desto klarer wird, dass viel mehr hinter der grausamen Tat steckt. Zugleich dringt Therese tief in ihre Vergangenheit ein und sucht nach eigenen Wurzeln: Ihr Vater starb früh, zu ihrer kaltherzigen Mutter, mit der sie ständig den Wohnort wechselte, hat sie eine eher distanzierte Beziehung. Die zaghafte Liebschaft mit dem Verdächtigen Tornedaler Esaias erdet Therese und zeigt ihr, wie wichtig es ist, irgendwo verwurzelt zu sein.

Niemi kommt ohne künstliche Schwedenkrimi-Melancholie aus, die karge Landschaft und deren Einwohner sind die Hauptfiguren - kein Ermittler oder Mörder drängelt sich da vor. Der Plot ist zugegeben etwas flach, Niemi findet aber eine sehr eigenwillige und von dunkler Traurigkeit und wohl dosiertem Humor getragene Tonart für sein skurriles Kriminalstück - das macht zusammen mit den grotesken Szenen den Reiz dieses Romans aus.
 

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