Der Brite Buster Martin
Mit 101 hat man noch Träume
Peter Nonnenmacher, London, veröffentlicht am 11.04.2008
London - Für Buster Martin wäre es ein Albtraum, eines Tages im Rollstuhl zu sitzen. Deshalb schafft er als Autowäscher, joggt und singt in einer Band. Der Brite ist ja auch erst 101 Jahre alt.
Er trinkt. Er raucht. Er kann sich nicht zur Ruhe setzen. Er arbeitet drei Tage die Woche, wäscht Lieferwagen, damit es ihm nicht langweilig wird. „Irgendwas muss man doch machen, oder nicht?“ sagt er. „Sonst hockt man nur zu Hause, kriegt steife Gelenke. Arbeit hält einen aktiv. Das ist die Hauptsache. Wenn man aktiv ist, muss man nicht im Rollstuhl sitzen.“ Mit dem Rollstuhl hat dieser Mann nichts im Sinn. Und über steife Gelenke kann er sich auch nicht beklagen.
An diesem Sonntag will Pierre Jean „Buster“ Martin den Londoner Marathon laufen. Die ganzen 42 Kilometer durch die britische Hauptstadt. Wenn er sich an der Themse in seinem Trainingsanzug präsentiert, fällt es einem schwer zu glauben, dass der Graubart wirklich schon 101 und ein halbes Jahr alt sein soll. So viele Jahre aber behauptet er auf dem Buckel zu haben. Der 1. September 1906 soll sein Geburtsdatum sein.
Der bisher älteste Marathonläufer war 98
Sieben wäre er also gewesen, als der Erste Weltkrieg begann. Und 38, als der Zweite endete. Falls er am Sonntag – irgendwann – durchs Ziel läuft, wird er ins Guinnessbuch der Rekorde eingehen. Der bisher älteste Marathonläufer, der Grieche Dimitrion Yordanidis, war „nur“ 98 Jahre alt.
Buster Martin selbst sieht seinen Lauf als sportliche Gelegenheit zur guten Tat. Auf einer eigenen Website hat er in den vergangenen Wochen um Spenden für eine karitative Organisation geworben, die den Eltern schwer kranker Kinder Unterkünfte in Krankenhausnähe bereitstellt. 101 Pfund hat er aus eigener Tasche beigetragen. Die Summe, erzählt er, habe er beim Wetten gewonnen.
17 Kinder und unzählige Enkel und Urenkel
Andere Spender, die die Seite verzeichnet, können ihm ihre Bewunderung nicht verhehlen. „Mach weiter so, Buster!“ und „Du bist uns allen eine Inspiration“ lauten die Kommentare. Als eine lebende Legende sieht sich der in Frankreich geborene, in einem Waisenhaus in Cornwall aufgewachsene und in Südlondon angesiedelte Methusalem inzwischen zweifellos selbst. Mit 17 Kindern und unzähligen Enkeln und Urenkeln hat er einen eigenen „Buster-Clan“ in die Welt gesetzt. Zwar ist die Mutter seiner Kinder, seine Frau Iriana, schon vor einem halben Jahrhundert gestorben, aber Buster, der Unverwüstliche, hat auch nach dem schwersten Verlust seines Lebens nicht aufgeben wollen.
Noch heute denkt er nicht daran zu kapitulieren. Er ist ja auch erst 101. Da hat man noch Träume. 2007 zum Beispiel hat er mit einer Seniorengruppe den The-Who-Song „My Generation“ neu aufgenommen. Mehr als 3000 Jahre brachten die 40 Sänger zusammen auf die Beine. Sie nannten sich „The Zimmers“ – nach „Zimmer-frame“, dem englischen Wort für eine Gehhilfe.
Jeden Tag Liegestütze
Der Hit mit den „Zimmers“ war nicht die einzige Großtat, mit der Buster Martin zu seinem Hundertsten von sich reden machte. Als er an einem Abend auf dem Heimweg vom Fox-on-the-Hill-Pub von drei Jugendlichen überfallen und zu Boden gestoßen wurde, setzte er sich mit entschlossenen Tritten zu Wehr: „Das hat mich wirklich geärgert. Ich war richtig wütend. Einem von denen habe ich mit meinem Stiefel voll in die Eier getreten." Schockiert über die unerwartete Gegenwehr ließen die Diebe von ihm ab. Sie hatten ja nicht wissen können, dass ihr Opfer 35 Jahre lang in Armee und Kriegsmarine Dienst tat – hauptsächlich als Ausbilder, als Rekrutenschreck – und dass er heute immer noch jeden Tag seine Liegestütze macht. Damit die Gelenke nicht steif werden.
Ansonsten hält sich der wackere Buster Martin mit Arbeit fit. Die Jahre, die er nicht beim Militär war, hat er mit Jobs in wechselnden Gewerben zugebracht. Lange Zeit war er auf dem Markt von Brixton tätig. Erst als Gehilfe, später selbst als Händler. Mit 97 fand er, dass es Zeit sei, sich zur Ruhe zu setzen. Aber kaum hatte er sich gesetzt, sprang er schon wieder auf und ließ sich von dem wohlbekannten Londoner Klempnerunternehmen Pimlico Plumbers als Autowäscher anheuern. „Ich habe es probiert mit dem Ruhestand. Das hat nicht funktioniert. Ich muss einfach was tun. Mein Körper macht ja noch mit. Ich werd erst aufgeben, wenn sie mich in eine Holzkiste legen.“ Vorher, bevor er in der Kiste landet, will Buster Martin aber erst einmal den London-Marathon laufen.
Ein leckeres Bierchen zur Belohnung
Anfang März hat er in der Grafschaft Essex bereits einen halben Marathon absolviert – in fünf Stunden und 13 Minuten. Er werde sich während des Laufens einfach vorstellen, was für ein leckeres Bierchen am Ziel auf ihn warte, sagt der Mann mit dem langen Atem zuversichtlich. An ermunternden Zurufen vom Straßenrand wird’s gewiss nicht fehlen.
Er trinkt. Er raucht. Er kann sich nicht zur Ruhe setzen. Er arbeitet drei Tage die Woche, wäscht Lieferwagen, damit es ihm nicht langweilig wird. „Irgendwas muss man doch machen, oder nicht?“ sagt er. „Sonst hockt man nur zu Hause, kriegt steife Gelenke. Arbeit hält einen aktiv. Das ist die Hauptsache. Wenn man aktiv ist, muss man nicht im Rollstuhl sitzen.“ Mit dem Rollstuhl hat dieser Mann nichts im Sinn. Und über steife Gelenke kann er sich auch nicht beklagen.
An diesem Sonntag will Pierre Jean „Buster“ Martin den Londoner Marathon laufen. Die ganzen 42 Kilometer durch die britische Hauptstadt. Wenn er sich an der Themse in seinem Trainingsanzug präsentiert, fällt es einem schwer zu glauben, dass der Graubart wirklich schon 101 und ein halbes Jahr alt sein soll. So viele Jahre aber behauptet er auf dem Buckel zu haben. Der 1. September 1906 soll sein Geburtsdatum sein.
Der bisher älteste Marathonläufer war 98
Sieben wäre er also gewesen, als der Erste Weltkrieg begann. Und 38, als der Zweite endete. Falls er am Sonntag – irgendwann – durchs Ziel läuft, wird er ins Guinnessbuch der Rekorde eingehen. Der bisher älteste Marathonläufer, der Grieche Dimitrion Yordanidis, war „nur“ 98 Jahre alt.
Buster Martin selbst sieht seinen Lauf als sportliche Gelegenheit zur guten Tat. Auf einer eigenen Website hat er in den vergangenen Wochen um Spenden für eine karitative Organisation geworben, die den Eltern schwer kranker Kinder Unterkünfte in Krankenhausnähe bereitstellt. 101 Pfund hat er aus eigener Tasche beigetragen. Die Summe, erzählt er, habe er beim Wetten gewonnen.
17 Kinder und unzählige Enkel und Urenkel
Andere Spender, die die Seite verzeichnet, können ihm ihre Bewunderung nicht verhehlen. „Mach weiter so, Buster!“ und „Du bist uns allen eine Inspiration“ lauten die Kommentare. Als eine lebende Legende sieht sich der in Frankreich geborene, in einem Waisenhaus in Cornwall aufgewachsene und in Südlondon angesiedelte Methusalem inzwischen zweifellos selbst. Mit 17 Kindern und unzähligen Enkeln und Urenkeln hat er einen eigenen „Buster-Clan“ in die Welt gesetzt. Zwar ist die Mutter seiner Kinder, seine Frau Iriana, schon vor einem halben Jahrhundert gestorben, aber Buster, der Unverwüstliche, hat auch nach dem schwersten Verlust seines Lebens nicht aufgeben wollen.
Noch heute denkt er nicht daran zu kapitulieren. Er ist ja auch erst 101. Da hat man noch Träume. 2007 zum Beispiel hat er mit einer Seniorengruppe den The-Who-Song „My Generation“ neu aufgenommen. Mehr als 3000 Jahre brachten die 40 Sänger zusammen auf die Beine. Sie nannten sich „The Zimmers“ – nach „Zimmer-frame“, dem englischen Wort für eine Gehhilfe.
Jeden Tag Liegestütze
Der Hit mit den „Zimmers“ war nicht die einzige Großtat, mit der Buster Martin zu seinem Hundertsten von sich reden machte. Als er an einem Abend auf dem Heimweg vom Fox-on-the-Hill-Pub von drei Jugendlichen überfallen und zu Boden gestoßen wurde, setzte er sich mit entschlossenen Tritten zu Wehr: „Das hat mich wirklich geärgert. Ich war richtig wütend. Einem von denen habe ich mit meinem Stiefel voll in die Eier getreten." Schockiert über die unerwartete Gegenwehr ließen die Diebe von ihm ab. Sie hatten ja nicht wissen können, dass ihr Opfer 35 Jahre lang in Armee und Kriegsmarine Dienst tat – hauptsächlich als Ausbilder, als Rekrutenschreck – und dass er heute immer noch jeden Tag seine Liegestütze macht. Damit die Gelenke nicht steif werden.
Ansonsten hält sich der wackere Buster Martin mit Arbeit fit. Die Jahre, die er nicht beim Militär war, hat er mit Jobs in wechselnden Gewerben zugebracht. Lange Zeit war er auf dem Markt von Brixton tätig. Erst als Gehilfe, später selbst als Händler. Mit 97 fand er, dass es Zeit sei, sich zur Ruhe zu setzen. Aber kaum hatte er sich gesetzt, sprang er schon wieder auf und ließ sich von dem wohlbekannten Londoner Klempnerunternehmen Pimlico Plumbers als Autowäscher anheuern. „Ich habe es probiert mit dem Ruhestand. Das hat nicht funktioniert. Ich muss einfach was tun. Mein Körper macht ja noch mit. Ich werd erst aufgeben, wenn sie mich in eine Holzkiste legen.“ Vorher, bevor er in der Kiste landet, will Buster Martin aber erst einmal den London-Marathon laufen.
Ein leckeres Bierchen zur Belohnung
Anfang März hat er in der Grafschaft Essex bereits einen halben Marathon absolviert – in fünf Stunden und 13 Minuten. Er werde sich während des Laufens einfach vorstellen, was für ein leckeres Bierchen am Ziel auf ihn warte, sagt der Mann mit dem langen Atem zuversichtlich. An ermunternden Zurufen vom Straßenrand wird’s gewiss nicht fehlen.
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