Förderkreis krebskranker Kinder

„Jahrelang nicht sorgfältig genug hingeschaut“

Nicole Höfle, veröffentlicht am 21.04.2008
Foto: factum/Granville

Stuttgart - Zwei Millionen Euro an Spenden soll Klaus-Peter Baatz veruntreut haben. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den angesehenen Zahnarzt üben sich die verbliebenen Vorstände in Selbstkritik, hoffen aber, dass die Spender dem Förderkreis treu bleiben.

Am Freitagnachmittag war Klaus-Peter Baatz auf den Internetseiten des Förderkreises Krebskranker Kinder noch als alleiniger Vorsitzender aufgeführt, jetzt ist die Namenszeile hinter dem Vorsitz leer. Der Ende März mit 74 Jahren verstorbene Baatz wird beschuldigt, in der Zeit von 2000 bis 2007 zwei Millionen Euro an Spenden auf Privatkonten überwiesen zu haben – Gelder, die krebskranken Kindern und ihren Angehörigen zugute kommen sollten. "Wir sind bestürzt und wir machen uns Vorwürfe, jahrelang nicht sorgfältig hingeschaut zu haben. Wir haben Herrn Baatz blind vertraut, der den Förderkreis autoritär, aber erfolgreich geführt hat", bilanziert der stellvertretende Vorsitzende Georg Rummel.

Hauptversammlung im Olgäle

Rummel gehört zusammen mit Eberhard Lüdemann und dem Schatzmeister Helmut Meyer seit 26 Jahren dem Vorstand des Förderkreises an. Er wird am Mittwochabend die außerordentliche Hauptversammlung im Olgäle leiten, bei der über die Zukunft des 900 Mitglieder starken Vereins entschieden wird. Für die drei verbliebenen Vorstände ist die Richtung klar: Die Arbeit des Förderkreises soll weitergehen, wenn die Mitglieder einverstanden sind. "Wir sehen, dass man den krebskranken Kindern auch weiterhin helfen muss, sie sollen nicht unter dem Fehlverhalten einzelner leiden", so Rummel.

Immerhin eine gute Nachricht kann er den Mitgliedern übermitteln: Die Familie hat sich zur Schadenswiedergutmachung bereiterklärt. Das bestätigte am Montag Thomas Baatz, ohne sich freilich zur Summe äußern zu wollen: "Wir wollen aus dem Nachlass meines Vaters eine Wiedergutmachung leisten, sind aber im Moment noch dabei, diesen zu ordnen." Deshalb könne er noch keine Angaben dazu machen, mit welcher Summe der Verein rechnen könne. Aber auch Thomas Baatz versicherte: "Wir sind erschüttert."

"Wir brauchen die Unterstützung des Vereins"

Stefan Bielack, der Chefarzt der Onkologie im Olgahospital, hofft unterdessen, dass der Verein weitermachen wird und verweist auf die 110 krebskranken Kinder, die jedes Jahr im Olgäle behandelt werden. "Wir brauchen die Unterstützung des Vereins, da das Krankenhausfinanzierungssystem für viele dringend nötigen Hilfen nicht aufkommt." Als Beispiele nennt der Mediziner die Elternwohnungen in der Nachbarschaft des Olgäle und die unbürokratischen Hilfen im Einzelfall. Seines Wissens nach habe dank des Vereins bisher allen Familien bei Bedarf geholfen werden können. "Die Spendenbereitschaft war bisher außerordentlich hoch."

Dass sich das schnell ändern kann, zeigt das Beispiel des Kinderhilfswerk Unicef, das nach einem Spendenskandal deutliche Spendeneinbrüche verkraften musste. Die fürchtet jetzt auch die Olgäle-Stiftung für das kranke Kind, die mit dem Förderverein krebskranker Kinder nur eines gemeinsam hat: beide sammeln Gelder für das Olgahospital, allerdings in rechtlich völlig selbständigen Vereinen. "Ein schwarzes Schaf unter den Fördervereinen schadet allen", stellt die Stiftungspräsidentin Stefanie Schuster ernüchtert fest. Sie versichert denn auch, dass ein derart selbstherrliches Regieren eines einzelnen Vorstandes innerhalb der Olgäle-Stiftung nicht möglich wäre: "Wir verleihen niemandem eine Alleinvertretungsvollmacht."

Die drei Vorstände wollen erst einmal die Bücher ordnen

Auch beim Förderverein krebskranker Kinder sollen sich die Gepflogenheiten ändern: "So eine absolute Herrschaft eines Einzelnen wird es nicht mehr geben", versichert Rummel. Die drei Vorstände wollen in den nächsten Monaten an der Spitze des Förderkreises bleiben. "Wir übergeben an eine neue Generation, wenn wir die Bücher geordnet haben."

Juristisch haben sich die Vorstände abgesichert und am Montag die Unterlagen der Staatsanwaltschaft übergeben. "Wir wollen schließlich nicht der Kumpanei beschuldigt werden", so Rummel. Warum sie sich mit der Anzeige bis nach dem Tod von Baatz Zeit gelassen haben, begründet er mit der Kooperationsbereitschaft des früheren Vorsitzenden: "Wir wollten die Wiedergutmachung zunächst einvernehmlich regeln."
 
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