Wird es den Kindern, die heute noch zur Schule gehen, einmal besser gehen? Nur neun Prozent der Deutschen glauben daran.
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Nur Senioren sind optimistisch
Die Deutschen haben kein Vertrauen in eine gute Zukunft. Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Stuttgarter Zeitung glaubten nur neun Prozent der Befragten, dass es ihren Kindern einmal besser gehen wird als ihnen. 62 Prozent fürchten, dass es ihren Kindern schlechter gehen wird.
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Obwohl die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit zurück geht und neue Beschäftigung entsteht, zweifeln die Deutschen, dass es bei ihnen persönlich aufwärts geht.
Die Ergebnisse der Befragung belegen die Verunsicherung der Mittelschicht. Infratest dimap hatte in einer exklusiv für die Stuttgarter Zeitung durchgeführten Umfrage 1000 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte befragt. Dass es ihre Kinder einmal besser haben werden, glaubt nicht einmal jeder Zehnte. Rund ein Viertel der Befragten erwartet keine Veränderung der Lebensunterschiede für ihre Kinder, drei Prozent machten keine Angabe.
Die von der CSU angestoßene Debatte um Steuersenkungen, mit denen die Mittelschicht entlastet werden soll, finden bei den Befragten großen Anklang. 78 Prozent gaben an, die Politik müsse die Steuern senken, damit sich Leistung wieder lohne, nur 19 Prozent sprachen sich dagegen aus. Unentschieden bewerten die Bürger die Frage, ob die Sozialbeiträge gesenkt werden sollten: Mit jeweils 48 Prozent halten sich Zustimmung und Ablehnung die Waage. Neun von zehn Befragten sprachen sich in diesem Zusammenhang dafür aus, das Bildungswesen zu verbessern. 59 Prozent der Befragten meinten, der Sozialstaat müsse ausgebaut werden, damit sich Leistung wieder lohne.
Der große Pessimismus, mit dem die Deutschen in die Zukunft blicken, steht in starkem Gegensatz zum Optimismus der Mittelschicht in den 50er und 60er Jahren. Der Heidelberger Historiker Edgar Wolfrum sagte der StZ, „die mentale Situation eines Teils der deutschen Mittelschicht heute ist am ehesten vergleichbar mit der Untergangsstimmung der Weimarer Republik.“ Es gebe eine Zukunftsangst, die von Abstiegs- und Bedrohungsszenarien geprägt sei. Wolfrum sieht die Ursache dafür nicht nur in der Globalisierung, sondern auch bei der Politik. „Das hängt mit der unzulänglichen, hilflosen Art und Weise zusammen, wie die Volksparteien auf die Sorgen der Bevölkerung und die populistische Linkspartei reagieren“.
Die mögliche Erosion der Mittelschicht ist seit Monaten ein beherrschendes Thema der politischen Auseinandersetzung.
StZ
Lesermeinungen
06.06.2008 04:36
Autor: Angela Garza
Nachdem ich den Artikel gelesen habe, ware ich doch froh, dass ich nach Amerika ausgewandert bin. Nach meiner Scheidung von meinem amerikanischen Ehemann in 2002 in Deutschland stand ich alleine da mit 2 kleinen Kindern und ohne Ausbildung. Ich hatte zwar die Moeglichkeit eine Ausbildung als Bankkauffrau zu erlernen, aber dies war nicht finanziell moeglich. Ich wollte von der Sozialhilfe runter, aber die Stellen, die einem haette helfen sollen, haben mir ueberhaupt nicht weitergeholfen. Eine sehr"nette" Frau sagte mir, die meine Angelegenheiten bearbeitete, dass ich doch zurueck in die Staaten gehen solle um mir eine Ausbildung zu holen. Nach einiger Ueberlegung beschloss ich gerade dies zu tun. Mein Herz hat gebluted, dass ich nochmal mein geliebtes Stuttgart habe aufgeben muessen, den ich bin dort geboren und aufgewachsen. Das erste Mal habe ich aus Liebe "moi Stuagart" aufgegeben, das zweite Mal war es aus reinem Ueberlebenstrieb. Ich wollte meinen Kindern kein Leben in Armut zumuten, denn ich wollte ein besseres Leben fuer meine Kinder. Es war eine schwere Entscheidung, aber ich habe es nicht bereut. Ich habe unter amerikanischer finanzieller Unterstuetzung eine Ausbildung zur "Registered Nurse" (Krankenschwester) gemacht. Dafuer habe ich auch 4 Jahre neben dem College gearbeited, sehr viel gelernt und kein Privatleben gehabt. Aber jetzt kann ich einen Gehaltsstreifen von etwa 4200 pro Monat verbuchen, ohne viele Abzuege, da ich eine alleinerziehende Mutter bin von 2 Kindern. Ich habe ein Haus gekauft mit 5 Zimmern und habe ein gutes Leben. Jedes mal wenn ich einen Artikel lese uebers Internet ueber die Arbeitslosigkeit, Armut usw., bin ich doch froh hier in den USA zu leben und meinen Kindern ein gutes gesichertes Leben zu bieten.
05.06.2008 08:59
Autor: Claudia Wenzel
Nimmt unsere Stadt ihre Verantwortung gegenüber den Bürgern wahr? Ich habe große Zweifel und sehe schwarz für die Moral. Kurzes Beispiel: Ich wollte mein Gartengrundstück verkaufen und wies den Interessenten darauf hin, dass es sich nicht um Bauland handelt. Darauf der Interessent: "Das lassen Sie mal meine Sorge sein!" Wie mich das für die Zukunft optimistisch stimmt!
04.06.2008 12:06
Autor: Günter Georgi
An der Auszehrung des Mittelstands ist der Staat auch als Arbeitgeber aktiv beteiligt, wurde doch die Sanierung der öffentlichen Haushalte nicht zuletzt auf dem Rücken der eigenen Beschäftigten ausgetragen. In der durch die allgemeine Neiddebatte und den verbreiteten Beamtenhass geprägten Öffentlichkeit ist dies weitgehend auf Zustimmung gestoßen. Tatsache ist aber, dass sich die Gehälter im öffentlichen Dienst in den letzten drei Jahrzehnten um 30 bis 40 Prozent von der allgemeinen Entwicklung abgekoppelt haben - und zwar nach unten. Durchschnittsgehälter im mittleren oder gehobenen Dienst können Familien heute allenfalls im ländlichen Raum noch eine ausreichende wirtschaftliche Grundlage bieten. Für den Rest gilt, um es plakativ auszudrücken: Erben oder sterben!