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StZ-Leseruni

Wo fängt Dopen an, wo hört Affenliebe auf?

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StZ-Leser in den Bänken der Uni Hohenheim
Foto: Steinert

400 Gäste kommen zur StZ-Leseruni an die Uni Hohenheim
 

Stuttgart - Zu ungewöhnlicher Uhrzeit und vor Publikum höheren Semesters sprachen die Dozenten am Freitag im größten Hörsaal der Uni Hohenheim: Am späten Nachmittag, als der reguläre Lehrbetrieb weitgehend eingestellt war, fanden sich anstelle von Studenten etwa 400 Leser der Stuttgarter Zeitung auf dem Campus ein. Zum vierten Mal hatte die Wissenschaftsredaktion der StZ in Kooperation mit der Robert-Bosch-Stiftung Stuttgart zur Leseruni eingeladen. Dahinter steckt die Idee, dass bekannte Referenten aus dem Land derzeit diskutierte Themen aus Wissenschaft und Medizin verständlich erläutern.

Brisant: Dauerthema Doping

Ein Dauerthema ist Doping im Leistungssport. Selbst Einrichtungen aus dem Land, wie die Uniklinik Freiburg, sind in den Blutdopingskandal des Radsports verstrickt. Aber auch im Amateurbereich wird mitunter zu leistungssteigernden Mitteln gegriffen: "Wo fängt Doping eigentlich an?", fragte StZ-Wissenschaftsredakteur Alexander Mäder einleitend. "Ist es auch Doping, wenn sich Teilnehmer des Stuttgarter Zeitung-Laufs vor dem Start mit schmerzlindernder Salbe einreiben?"

Der Vortrag von Andreas Nieß, ärztlicher Direktor der Abteilung Sportmedizin an der Universität Tübingen, zeigte, wie vielschichtig dieses Feld ist und wie komplex Antworten ausfallen müssen. "Im professionellen Bereich sind unter anderem anabole Wirkstoffe verboten, harntreibende Mittel und Bluttransfusionen, die den Sauerstoffgehalt im Blut verbessern sollen", sagte Nieß, 46, der selbst Marathonläufer ist. Dass Doping in der Tat auch im Freizeitsport ein großes Thema ist, belegte der Mediziner mit Zahlen: Nach einer Umfrage in deutschen Fitnessstudios nehmen 19,2 Prozent der Männer und 3,9 Prozent der Frauen Anabolika zu sich. "Das ist erschreckend", so Nieß. Aufputschende Helfer haben übrigens schon die alten Griechen genutzt: "In der Antike wurde etwa mit Stierhoden gedopt", erklärte der Sportmediziner.

Affenliebe in der Wilhelma

Dass Pillen, Mittelchen und ein wenig medizinisch forcierte Nachhilfe aber auch ihr Gutes haben können, zeigte der zweite Vortrag des Abends: Über Nachwuchs und Verhütung in Zoos, zeugungsunwillige Okapis und allzu zeugungsfreudige Affen dozierte Wilhelma-Tierarzt Wolfram Rietschel – und hatte mit seiner ungezwungenen Vortragsweise die Lacher auf seiner Seite.

Wenn er über die künstliche Besamung von Elefanten spricht und den Elektro-Ejakulator vorstellt, mit dessen Hilfe der Elefant zum Samenerguss gebracht werden soll, dann hat das schon unfreiwillig etwas Komisches. "Aber wenn man das noch so vorträgt, ist das einfach spitze", sagten StZ-Leser Sabine und Hannes Schindler aus Untertürkheim.

Dabei hatte der Vortrag einen durchaus ernsten Hintergrund: Von manchen Arten wie dem nördlichen Breitmaulnashorn lebt nur noch ein zuchtfähiges weibliches Weibchen. Wenn die Medizin hier nicht nachhelfen kann, werden die größten Nashörner, die es gibt, aussterben. "Aber keiner interessiert sich für kleine Nashörner. Nur bei Eisbärbabys rasten die Leute aus", sagte Rietschel. "Dabei sind Eisbären gar nicht weiß, sie sind gelb und stinken nach Urin. Kleine Nashörner sind viel knuddeliger und stinken nicht so fischig aus dem Maul", schimpfte Rietschel und meinte es gar nicht ernst.

Lautes Lachen und Klatschen erfüllte den Hörsaal nach seinem Vortrag; und zumindest ein paar der 400 Zuhörer dürfte er als Nashornliebhaber ins Foyer entlassen haben. Dort endete die kostenlose StZ-Leseruni nach zweieinhalb Stunden mit Butterbrezeln, Württemberger Wein und dem ein oder anderen Plausch mit den Dozenten und StZ-Redakteuren.
 



StZ

06.06.2008 - aktualisiert: 06.06.2008 22:40 Uhr



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