Kia Rio

Rio, Ipanema und ein aufregender Hüftschwung

Hans Kilgus, veröffentlicht am 14.08.2001

Keine Frage, Mut haben sie bei Kia. Da stellen die Koreaner ein Modell auf die Räder und platzieren es ausgerechnet in jenem Segment, in dem in Europa stückzahlmäßig das größte Gedränge herrscht und in dem ein Auto namens Golf der unangefochtene Platzhirsch ist.

Rio heißt der Hoffnungsträger, und sein Hüftschwung, so schwärmt man bei Kia, sei ähnlich aufregend wie der der Tanga-Schönheiten am Strand von Copacabana und Ipanema. Allerdings gibt es offenbar firmeninterne Widersprüchlichkeiten bei der formalen Positionierung: Die einen sehen in der Schrägheckversion des Rio ein viertüriges Coupã, andere betrachten ihn wegen seines relativ großen Kofferraums (449 bis 1277 Liter Fassungsvermögen) als verkappten Kombi. Wenigstens bei der Stufenheckvariante gibt es keine Diskrepanzen: Sie wird einhellig den viertürigen Limousinen zugerechnet.

Zu den beiden Karosserievarianten gesellen sich zwei Ausstattungslinien (RS und LS) sowie zwei neu entwickelte Benzinmotoren. Der 1,3-Liter-Vierzylinder-Zweiventiler leistet 75 PS/55 kW und verleiht dem Rio eine Höchstgeschwindigkeit von 164 km/h (0 auf 100 km/h 14,3 Sekunden), der 1,5-Liter-Vierventiler bringt es auf 98 PS/72 kW (175 km/h, 11,7 Sekunden). Beide Triebwerke begnügen sich mit Normalbenzin - beim Rio 1,5 SOHC liegt der Normdurchschnittsverbrauch bei 7,3 Liter auf 100 km, für das hubraumkleinere Aggregat gibt es hierzu noch keine Angabe. Für die 1,5-Liter-Modelle wird optional zum Fünfganggetriebe eine Vierstufen-Automatik (Aufpreis 2050 Mark) angeboten.

Zur Serienausstattung aller Versionen gehören Fahrer- und Beifahrerairbag, ABS, Wegfahrsperre, eine dritte Bremsleuchte, Nebelschlußlicht, Servolenkung und Wärmeschutzverglasung. Generell Aufpreis kosten die Klimaanlage (1990 Mark), das elektrische Glasschiebedach (1050 Mark) und die Metalliclackierung (499 Mark).

Das Hauptargument für den Kauf eines Rio dürften die Kampfpreise sein, mit denen die Koreaner versuchen, Marktanteile zu ergattern. 19 990 Mark kostet das Stufenheckmodell, das vorläufig nur mit der einfacheren RS-Ausstattung und mit dem 75-PS-Motor erhältlich ist. Und wem das immer noch zu teuer ist, kann eine auf dem 1,3 RS basierende Magervariante (Preis: 18 490 Mark) bestellen, bei der dann allerdings auf ABS, Radvollblenden, lackierte Stoßfänger, Laderaumabdeckung und die Tankklappen-Fernentriegelung verzichtet werden muss. Die Preise für die Schrägheckmodelle bewegen sich zwischen 20 490 Mark (1,3 RS) und 22 990 Mark (1,5 LS).

Kia gehört zu 51 Prozent dem koreanischen Mischkonzern Hyundai, Daimler-Chrysler seinerseits hat erst kürzlich zehn Prozent Anteile an Hyundai Motor erworben. Also könnten in jedem Kia zukünftig auch fünf Prozent Mercedes stecken. Für den Rio wird diese Milchmädchenrechnung noch keinesfalls aufgehen; auch für den Nachfolger des ausgemusterten Kia Pride, der im nächsten Jahr präseniert werden soll, kommt diese Dreiecksbeziehung zu früh.
 

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