Korntal-Münchingen
Bürgermeister erhebt Vorwürfe gegen Moschee
Eberhard Wein, veröffentlicht am 16.06.2008
Korntal-Münchingen - In der Ditzinger Ulumoschee soll ein Junge vom Koranlehrer geschlagen worden sein. Das behauptet der Korntal-Münchinger Bürgermeister Joachim Wolf in einem Brief, den er weit gestreut hat.
Von Eberhard Wein
Der mutmaßliche Tatort liegt in der Gerlinger Straße, und das ist nicht gerade Ditzingens feinste Gegend. Ein schäbiges Wohnhaus schiebt sich zwischen eine Autowerkstatt und einen Matratzenhersteller. Im Obergeschoss befindet sich die städtische Kleiderkammer, im Keller liegt Teppichboden. Dort haben die Ditzinger Moslems ihre Ulumoschee eingerichtet. "Große Moschee" heißt das. Wöchentlich treffen sich hier rund 140 Männer zum Freitagsgebet, der Nebenraum ist für die Frauen reserviert. Samstags findet der Koranunterricht statt, an dem 50 bis 60 Kinder teilnehmen. Ein Bub kommt allerdings nicht mehr hierher. Er soll im vergangenen Jahr von einem Imam mit einem Stock schwer misshandelt worden sein.
Narbe im Gesicht
Durch einen Brief des Korntal-Münchinger Bürgermeisters Joachim Wolf (parteilos) ist der Fall jetzt publik geworden. Demnach soll ein türkischer Grundschüler, der die Flattichschule in Münchingen besucht, in der Schule davon berichtet haben, dass er im Koranunterricht in der Ditzinger Moschee vom Imam mit einem Stock ins Gesicht geschlagen worden sei. "Der Schüler hat über den Vorfall mehrmals in der Klasse berichtet und später erneut bei einem Projekt dieses Erlebnis erzählt", schreibt Wolf. Eine Narbe im Gesicht des Schüler zeuge bis heute von dem Stockhieb. Außerdem habe die Mutter den Vorfall bestätigt. "Wir müssen davon ausgehen, dass es kein Einzelfall ist."
Bei seinem Ditzinger Amtskollegen Michael Makurath hat Wolf mit dem Schreiben allerdings Unverständnis ausgelöst. "Ich bin etwas befremdet", sagt der Oberbürgermeister. "Wenn es so stattgefunden hat, dann ist es ein Offizialdelikt, das von Amts wegen verfolgt werden muss", sagt Makurath. Dass die Stadt Korntal-Münchingen derart lange brauche, um die entsprechenden Informationen weiterzugeben, sei ihm aufgestoßen. Tatsächlich soll die Korntal-Münchinger Stadtjugendpflege bereits vor fast einem Jahr von dem Vorfall erfahren haben. Doch dann wechselte der Bürgermeister. Erst im Dezember sei er mit dem Vorfall konfrontiert worden, sagt Wolf. "Ich habe auch kein gutes Gefühl dabei, dass es so lange gedauert hat."
Der Imam ist mittlerweile nicht mehr in Deutschland
Doch besser spät als nie, glaubt Wolf, der mit seinem Brief den zuständigen Stellen die Augen habe öffnen wollen. Bewirkt hat er wenig. "Die Ermittlungen gestalten sich sehr schwierig", sagt Rainer Daffner von der Ludwigsburger Polizeidirektion. Die Stadt Korntal-Münchingen weigere sich auf Wunsch der Eltern des Jungen, dessen Identität preiszugeben. Auch der Imam, der die Schläge ausgeteilt haben soll, ist längst nicht mehr im Land. Er sei nur für ein paar Monate zu Gast gewesen, sagt der Vorsitzende des Moscheevereins, Ziyaettin Öztürk. "Er war jeden Tag in der Moschee, da haben wir ihn gefragt, ob er den Koranunterricht übernimmt."
Von den Vorwürfen aus Korntal ist Öztürk, der als Bauarbeiter arbeitet, überrascht. Er könne sich das gar nicht vorstellen. Der Imam sei ein lieber, alter Mann gewesen. Auch habe sich bei ihm niemand beschwert. Wenn tatsächlich ein Imam handgreiflich gegen die Kinder geworden wäre, "hätten wir Krach geschlagen", sagt eine Mutter.
Dass in der Ulumoschee künftig keine Gäste mehr als Koranlehrer eingesetzt werden, hat auch nichts mit dem Vorfall zu tun. "Wir haben endlich eine Wohnung mieten können", sagt Öztürk stolz. Das ist nämlich die Voraussetzung, um von Ditib, dem Moscheedachverband des türkischen Staates, einen offiziellen Imam zugeteilt zu bekommen.
Von Eberhard Wein
Der mutmaßliche Tatort liegt in der Gerlinger Straße, und das ist nicht gerade Ditzingens feinste Gegend. Ein schäbiges Wohnhaus schiebt sich zwischen eine Autowerkstatt und einen Matratzenhersteller. Im Obergeschoss befindet sich die städtische Kleiderkammer, im Keller liegt Teppichboden. Dort haben die Ditzinger Moslems ihre Ulumoschee eingerichtet. "Große Moschee" heißt das. Wöchentlich treffen sich hier rund 140 Männer zum Freitagsgebet, der Nebenraum ist für die Frauen reserviert. Samstags findet der Koranunterricht statt, an dem 50 bis 60 Kinder teilnehmen. Ein Bub kommt allerdings nicht mehr hierher. Er soll im vergangenen Jahr von einem Imam mit einem Stock schwer misshandelt worden sein.
Narbe im Gesicht
Durch einen Brief des Korntal-Münchinger Bürgermeisters Joachim Wolf (parteilos) ist der Fall jetzt publik geworden. Demnach soll ein türkischer Grundschüler, der die Flattichschule in Münchingen besucht, in der Schule davon berichtet haben, dass er im Koranunterricht in der Ditzinger Moschee vom Imam mit einem Stock ins Gesicht geschlagen worden sei. "Der Schüler hat über den Vorfall mehrmals in der Klasse berichtet und später erneut bei einem Projekt dieses Erlebnis erzählt", schreibt Wolf. Eine Narbe im Gesicht des Schüler zeuge bis heute von dem Stockhieb. Außerdem habe die Mutter den Vorfall bestätigt. "Wir müssen davon ausgehen, dass es kein Einzelfall ist."
Bei seinem Ditzinger Amtskollegen Michael Makurath hat Wolf mit dem Schreiben allerdings Unverständnis ausgelöst. "Ich bin etwas befremdet", sagt der Oberbürgermeister. "Wenn es so stattgefunden hat, dann ist es ein Offizialdelikt, das von Amts wegen verfolgt werden muss", sagt Makurath. Dass die Stadt Korntal-Münchingen derart lange brauche, um die entsprechenden Informationen weiterzugeben, sei ihm aufgestoßen. Tatsächlich soll die Korntal-Münchinger Stadtjugendpflege bereits vor fast einem Jahr von dem Vorfall erfahren haben. Doch dann wechselte der Bürgermeister. Erst im Dezember sei er mit dem Vorfall konfrontiert worden, sagt Wolf. "Ich habe auch kein gutes Gefühl dabei, dass es so lange gedauert hat."
Der Imam ist mittlerweile nicht mehr in Deutschland
Doch besser spät als nie, glaubt Wolf, der mit seinem Brief den zuständigen Stellen die Augen habe öffnen wollen. Bewirkt hat er wenig. "Die Ermittlungen gestalten sich sehr schwierig", sagt Rainer Daffner von der Ludwigsburger Polizeidirektion. Die Stadt Korntal-Münchingen weigere sich auf Wunsch der Eltern des Jungen, dessen Identität preiszugeben. Auch der Imam, der die Schläge ausgeteilt haben soll, ist längst nicht mehr im Land. Er sei nur für ein paar Monate zu Gast gewesen, sagt der Vorsitzende des Moscheevereins, Ziyaettin Öztürk. "Er war jeden Tag in der Moschee, da haben wir ihn gefragt, ob er den Koranunterricht übernimmt."
Von den Vorwürfen aus Korntal ist Öztürk, der als Bauarbeiter arbeitet, überrascht. Er könne sich das gar nicht vorstellen. Der Imam sei ein lieber, alter Mann gewesen. Auch habe sich bei ihm niemand beschwert. Wenn tatsächlich ein Imam handgreiflich gegen die Kinder geworden wäre, "hätten wir Krach geschlagen", sagt eine Mutter.
Dass in der Ulumoschee künftig keine Gäste mehr als Koranlehrer eingesetzt werden, hat auch nichts mit dem Vorfall zu tun. "Wir haben endlich eine Wohnung mieten können", sagt Öztürk stolz. Das ist nämlich die Voraussetzung, um von Ditib, dem Moscheedachverband des türkischen Staates, einen offiziellen Imam zugeteilt zu bekommen.
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