Stuttgart 21
Geteiltes Echo auf die neue Kalkulation
Thomas Braun, veröffentlicht am 19.08.2008
Stuttgart - Bei Projektgegnern und Befürwortern ist die Ankündigung, Stuttgart 21 werde teurer, auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während die einen die Bahn für ihre "glaubwürdigen Berechnungen" loben, sprechen andere von "Gesundbeterei".
Von Thomas Braun
Der Esslinger SPD-Abgeordnete Wolfgang Drexler, dessen parlamentarische Anfrage die erneute Diskussion um die wirklichen Kosten des Milliardenprojekts ausgelöst hatte, zeigte sich auf Anfrage zufrieden: "Die Darstellung der Bahn war absolut glaubwürdig. Ich glaube, wir müssen jetzt keine Überraschungen mehr befürchten." Drexler sieht insbesondere die Annahmen des Büros Vieregg und Rössler widerlegt, die eine Kostensteigerung auf mindestens 6,9 Milliarden prophezeit hatten. Jetzt müsse die Finanzierungsvereinbarung zügig unterschrieben werden, fordert der bekennende Stuttgart-21-Befürworter.
Nachholbedarf attestiert er freilich der Landesregierung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. "Da muss mehr Professionalität an den Tag gelegt werden, sonst werden die Menschen verunsichert", so Drexler. So könne man vielleicht einen Stadtpark für 30.000 Euro verkaufen, "aber doch nicht ein solches Projekt".
Der Stuttgarter FDP-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Dietmar Bachmann assistierte Drexler: Stuttgart 21 und die Neubustrecke nach Ulm seinen "ein Paradebeispiel für ökologische Verkehrspolitik".
Projektgegner warnen vor einem "Weiterwursteln"
Die Projektgegner, vor allem die Stuttgarter Gemeinderatsfraktion der Grünen und der BUND-Landesverband, sehen dagegen weiterhin Schönrechner am Werk. "Die Landesregierung und die Bahn AG versuchen, mit einfachen Taschenspielertricks das Milliardenloch weiter schönzurechnen", so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. Die in der aktualisierten Kalkulation unterstellte Baupreiserhöhung von 1,5 Prozent pro Jahr gehe völlig an den Realitäten der gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten vorbei.
Die Erhöhung des Risikofonds von 1,32 auf 1,45 Milliarden Euro lasse die Strategie der Projektbefürworter deutlich werden: "Einfach weiterwursteln, demnächst mit dem Bau beginnen, und Steuerzahler und Bahnkunden sollen dann in ein paar Jahren die Zeche zahlen", befürchtet die BUND-Chefin.
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat und Landtagsabgeordnete Werner Wölfle sieht wie seine Mitstreiterin Dahlbender "Stuttgart 21 am Prellbock angelangt". Das Projekt sei unwirtschaftlich, zu teuer und mit zahllosen Mängeln behaftet. "Ohne das Gutachten des Büros Vieregg und Rössler wüsste die Öffentlichkeit bis heute noch nichts von den Kostensteigerungen in dreistelliger Millionenhöhe aus dem Munde Oettingers." Die Schwächen des Projekts, so Werner Wölfle weiter, würden erst bei genauem Hinsehen erkennbar: "Da hilft auch kein Gesundbeten."
Gangolf Stocker von der Initiative "Leben in Stuttgart - kein Stuttgart 21" erklärte, Ministerpräsident Günther Oettinger versuche es mit Salamitaktik. Die 265 Millionen Euro, die der Regierungschef jetzt abgeschnitten habe, seien aber nur die erste Scheibe.
Von Thomas Braun
Der Esslinger SPD-Abgeordnete Wolfgang Drexler, dessen parlamentarische Anfrage die erneute Diskussion um die wirklichen Kosten des Milliardenprojekts ausgelöst hatte, zeigte sich auf Anfrage zufrieden: "Die Darstellung der Bahn war absolut glaubwürdig. Ich glaube, wir müssen jetzt keine Überraschungen mehr befürchten." Drexler sieht insbesondere die Annahmen des Büros Vieregg und Rössler widerlegt, die eine Kostensteigerung auf mindestens 6,9 Milliarden prophezeit hatten. Jetzt müsse die Finanzierungsvereinbarung zügig unterschrieben werden, fordert der bekennende Stuttgart-21-Befürworter.
Nachholbedarf attestiert er freilich der Landesregierung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. "Da muss mehr Professionalität an den Tag gelegt werden, sonst werden die Menschen verunsichert", so Drexler. So könne man vielleicht einen Stadtpark für 30.000 Euro verkaufen, "aber doch nicht ein solches Projekt".
Der Stuttgarter FDP-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Dietmar Bachmann assistierte Drexler: Stuttgart 21 und die Neubustrecke nach Ulm seinen "ein Paradebeispiel für ökologische Verkehrspolitik".
Projektgegner warnen vor einem "Weiterwursteln"
Die Projektgegner, vor allem die Stuttgarter Gemeinderatsfraktion der Grünen und der BUND-Landesverband, sehen dagegen weiterhin Schönrechner am Werk. "Die Landesregierung und die Bahn AG versuchen, mit einfachen Taschenspielertricks das Milliardenloch weiter schönzurechnen", so die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. Die in der aktualisierten Kalkulation unterstellte Baupreiserhöhung von 1,5 Prozent pro Jahr gehe völlig an den Realitäten der gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten vorbei.
Die Erhöhung des Risikofonds von 1,32 auf 1,45 Milliarden Euro lasse die Strategie der Projektbefürworter deutlich werden: "Einfach weiterwursteln, demnächst mit dem Bau beginnen, und Steuerzahler und Bahnkunden sollen dann in ein paar Jahren die Zeche zahlen", befürchtet die BUND-Chefin.
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat und Landtagsabgeordnete Werner Wölfle sieht wie seine Mitstreiterin Dahlbender "Stuttgart 21 am Prellbock angelangt". Das Projekt sei unwirtschaftlich, zu teuer und mit zahllosen Mängeln behaftet. "Ohne das Gutachten des Büros Vieregg und Rössler wüsste die Öffentlichkeit bis heute noch nichts von den Kostensteigerungen in dreistelliger Millionenhöhe aus dem Munde Oettingers." Die Schwächen des Projekts, so Werner Wölfle weiter, würden erst bei genauem Hinsehen erkennbar: "Da hilft auch kein Gesundbeten."
Gangolf Stocker von der Initiative "Leben in Stuttgart - kein Stuttgart 21" erklärte, Ministerpräsident Günther Oettinger versuche es mit Salamitaktik. Die 265 Millionen Euro, die der Regierungschef jetzt abgeschnitten habe, seien aber nur die erste Scheibe.
Kommentare
M.,
10.09.2008 17:07
Das Austauschen der Argumente bringt rein gar nichts (mehr)...
Wir K21-Befürworter bringen Daten, Fakten, Argumente - die S21-Verantwortlichen kontern meist gar nicht und wenn, dann mit kleinlauten Geständnissen (1/4 Mrd. EUR Mehrkosten; Risiko-Topf wird vergrößert...), mit arrogantem Widerspruch a la "bellender getroffener Hund" (Vieregg&Rösler seien ignorant; K21 ist von Laienplaner...) gepaart mit Halbwahrheiten und glatten Lügen (S21 sei vollständig planfestgestellt; Vieregg&Rösler hätten die MwSt. mit eingerechnet...), ohne auch nur ein einziges Mal nachvollziehbare Kostenberechnungen zu liefern, ohne ein einziges Mal einen (gültigen) Zeitplan zu veröffentlichen (wann wird Planfeststellung Filderbahnhof eingereicht? Wann wird die "finale" Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet (woran hängt es denn noch - es ist doch das bestgerechnete Projekt der Bahn- nein Menschheitsgeschichte)?).
Wie gesagt, Diskutieren und Argumentieren bringt rein gar nichts mehr. Am Beispiel 2. Startbahn hat man gesehen: Die Politik reagiert sehr schnell, wenn die Bürger "mit den Füßen" abstimmen. 15.000 kamen zur Demonstration bei Scharnhausen - eine Woche später war die 2. Startbahn (vorerst) tot! So müssen wir es auch bei S21 machen!!! Zeigen wir den Politikern, wer alles gegen S21 ist...
Gelegenheit dazu gibt es am Samstag, 11.10.2008 ab 14:30 Uhr am Hauptbahnhof Stuttgart!
Siehe auch folgender Link:
http://www.kopfbahnhof-21.de/index.php?id=44
Dort heisst es:
Hände weg von unserem Bahnhof!
Die geplante Zerstörung des Bahnhofs fordert eine Entscheidung heraus:
Wie gehen wir mit unserer Stadt um? Es geht nicht nur um den Bonatz-Bau Hauptbahnhof; es geht um den Hauptbahnhof und seine Umgebung als eines der letzten stadtprägenden Ensembles. Es geht auch um die mit Stuttgart 21 geplante Zerstörung eines der am besten funktionierenden und pünktlichsten Großbahnhöfe Deutschlands.
Den 11. Oktober widmen wir deshalb der Zukunft von Stadt und Bahn.
Wir schützen den Bahnhof mit einer Menschenkette.
Nach dem Motto: 'Wir lassen Stuttgart 21 hochgehen' wollen wir 2500 Luftballons steigen lassen.
Bitte kommen Sie zahlreich und setzen Sie somit ein eindrückliches Zeichen - noch kann Stuttgart 21 gestoppt werden.
Treffpunkt: Stuttgart Hauptbahnhof, Nordausgang
Abschlusskundgebung: gegen 15:15 Uhr vor dem Nordausgang des Bahnhofs, bei der LBBW
KOMMT ALLE!
SAGT ES ALLEN WEITER!
Wir K21-Befürworter bringen Daten, Fakten, Argumente - die S21-Verantwortlichen kontern meist gar nicht und wenn, dann mit kleinlauten Geständnissen (1/4 Mrd. EUR Mehrkosten; Risiko-Topf wird vergrößert...), mit arrogantem Widerspruch a la "bellender getroffener Hund" (Vieregg&Rösler seien ignorant; K21 ist von Laienplaner...) gepaart mit Halbwahrheiten und glatten Lügen (S21 sei vollständig planfestgestellt; Vieregg&Rösler hätten die MwSt. mit eingerechnet...), ohne auch nur ein einziges Mal nachvollziehbare Kostenberechnungen zu liefern, ohne ein einziges Mal einen (gültigen) Zeitplan zu veröffentlichen (wann wird Planfeststellung Filderbahnhof eingereicht? Wann wird die "finale" Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet (woran hängt es denn noch - es ist doch das bestgerechnete Projekt der Bahn- nein Menschheitsgeschichte)?).
Wie gesagt, Diskutieren und Argumentieren bringt rein gar nichts mehr. Am Beispiel 2. Startbahn hat man gesehen: Die Politik reagiert sehr schnell, wenn die Bürger "mit den Füßen" abstimmen. 15.000 kamen zur Demonstration bei Scharnhausen - eine Woche später war die 2. Startbahn (vorerst) tot! So müssen wir es auch bei S21 machen!!! Zeigen wir den Politikern, wer alles gegen S21 ist...
Gelegenheit dazu gibt es am Samstag, 11.10.2008 ab 14:30 Uhr am Hauptbahnhof Stuttgart!
Siehe auch folgender Link:
http://www.kopfbahnhof-21.de/index.php?id=44
Dort heisst es:
Hände weg von unserem Bahnhof!
Die geplante Zerstörung des Bahnhofs fordert eine Entscheidung heraus:
Wie gehen wir mit unserer Stadt um? Es geht nicht nur um den Bonatz-Bau Hauptbahnhof; es geht um den Hauptbahnhof und seine Umgebung als eines der letzten stadtprägenden Ensembles. Es geht auch um die mit Stuttgart 21 geplante Zerstörung eines der am besten funktionierenden und pünktlichsten Großbahnhöfe Deutschlands.
Den 11. Oktober widmen wir deshalb der Zukunft von Stadt und Bahn.
Wir schützen den Bahnhof mit einer Menschenkette.
Nach dem Motto: 'Wir lassen Stuttgart 21 hochgehen' wollen wir 2500 Luftballons steigen lassen.
Bitte kommen Sie zahlreich und setzen Sie somit ein eindrückliches Zeichen - noch kann Stuttgart 21 gestoppt werden.
Treffpunkt: Stuttgart Hauptbahnhof, Nordausgang
Abschlusskundgebung: gegen 15:15 Uhr vor dem Nordausgang des Bahnhofs, bei der LBBW
KOMMT ALLE!
SAGT ES ALLEN WEITER!
Clemens,
10.09.2008 16:50
Wann können wir die Zahlen lesen, die die Bahn als Baukosten veranschlagt? Und bekommen wir Bürger auch die dreidimensionale Präsentation des Fraunhoferinstituts zu sehen? Herr Mehdorn sagt doch, er sei in der Planungsphase. Warum hat er so viele Geheimnisse? Oder ist es vielleicht so, dass ihn die Eisenbahnerei gar nicht interessiert? Was treibt ihn denn an? Ich glaube, die Antwort ist erschreckend banal und lautet: Macht und Geld. Das Spiel lautet: Ich nehme mir so viel ich kriegen kann, zwar ohne Legitimation - aber legal und von korrupten Politikern geduldet. Spielfreude.....
Wilhelm R.,
08.09.2008 22:08
Noch ein Beispiel für die Unzulänglichkeiten beim geplanten Tunnelbau:
Es ist der S-Bahn bisher nicht gelungen, ein Verkehrskonzept bei Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten - Schienen- auswechslung, Reparatur an der Oberleitung Schäden im Untergrund und den Tunnelwänden etc. - (und die werden mit Sicherheit kommen) auf zustellen, geschweige denn beim möglichen Bau von S21. Wie hilfreich wäre da dann ein Ausweichen über die jetzige Strecke nach Horb.
Gewarnt müssten die Verantwortlichen sein durch die schlechten Erfahrungen, verbunden mit wochenlangen (Teil-)Sperrungen an den Tunnels der A81 bei Leonberg, der B 29 in Fellbach und nicht zuletzt beim Wagenburgtunnel und Tunnel S-Heslach.
Mit Pkws und Lkws kann man ja evtl. ausweichen, aber nicht mit Gleisfahrzeugen!
Hahnebüchen ist auch die Behauptung, dass 2 parallele Tunnelröhren billiger oder mit gleichen Kosten wie ein einziger, größerer Tunnel sein würde.
Mahlzeit
Es ist der S-Bahn bisher nicht gelungen, ein Verkehrskonzept bei Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten - Schienen- auswechslung, Reparatur an der Oberleitung Schäden im Untergrund und den Tunnelwänden etc. - (und die werden mit Sicherheit kommen) auf zustellen, geschweige denn beim möglichen Bau von S21. Wie hilfreich wäre da dann ein Ausweichen über die jetzige Strecke nach Horb.
Gewarnt müssten die Verantwortlichen sein durch die schlechten Erfahrungen, verbunden mit wochenlangen (Teil-)Sperrungen an den Tunnels der A81 bei Leonberg, der B 29 in Fellbach und nicht zuletzt beim Wagenburgtunnel und Tunnel S-Heslach.
Mit Pkws und Lkws kann man ja evtl. ausweichen, aber nicht mit Gleisfahrzeugen!
Hahnebüchen ist auch die Behauptung, dass 2 parallele Tunnelröhren billiger oder mit gleichen Kosten wie ein einziger, größerer Tunnel sein würde.
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