Hebelmuseum

In Hausen hat der Name Hebel bis heute einen guten Klang

Sabine Nedele, veröffentlicht am 01.09.2008
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Hausen - In seinem Heimatort Hausen im Wiesental wird das Andenken des alemannischen Dichters Johann Peter Hebel hochgehalten: Am 10. Mai wird sein Geburtstag stets groß gefeiert, alle zwei Jahre wird der Hebelpreis verliehen. Gut 1000 Besucher kommen pro Jahr ins Museum.


  Von Sabine Nedele

 
Bis zum heutigen Tag sorgt der 1760 geborene Dichter, evangelische Theologe und Pädagoge Johann Peter Hebel dafür, dass die beiden Wohnorte seiner Kindheit, Basel und Hausen im Wiesental, einander verbunden bleiben. Der Autor alemannischer Gedichte und Kalendergeschichten hat nämlich in seinem Testament verfügt, dass alljährlich zu seinem Geburtstag von seinem Erbe die zwölf ältesten Männer in Hausen einen Schoppen bekommen sollten. Und 1860 wurde in Basel die Hebelstiftung gegründet, die mit den Zinsen ihres Stiftungsvermögens Hebels Testament erfüllt.

Festliches Mahl für die Ältesten

Seitdem gibt es das "Hebelmähli". Die zwölf ältesten Männer und die zwölf ältesten Frauen in Hausen werden zu einem festlichen Essen eingeladen. Zwei Vertreter der Basler Stiftung reisen zusammen mit einer Schulklasse aus Basel mit der Bahn an, werden von Kindern in Tracht empfangen und halten vor dem Essen eine Rede auf die Dorfältesten.

Johann Peter Hebel, Schriftsteller
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Nachmittags gibt es einen Kinderumzug, in der Schule werden Tänze und Lieder dargeboten, natürlich werden auch Hebels Gedichte rezitiert. "Die lernen die Kinder schon in der Grundschule", sagt der ehemalige Schulrektor Klaus Brust, der im Hebelmuseum Führungen übernimmt.

Für die Hausener ist das Hebelmähli ein veritabler Feiertag, die Läden bleiben geschlossen, Betriebe geben ihren Angestellten frei. "Wie Weihnachten und Ostern zusammen", sagt Brust. An diesem Tag wird alle zwei Jahre auch der Hebelpreis an Dichter aus dem alemannischen Sprachraum verliehen. Der jeweilige Preisträger liest am Vorabend des Hebelmähli in dem Ort mit 2400 Einwohnern. Seit 1960, Hebels 200. eburtstag, gibt es die Johann-Peter-Hebel-Plakette, die Verdienste um Hebel, Land und Leute, belohnt.

Niedrige Decken historisches Mobiliar

Das Dorfmuseum Hebelhaus ("Hebelhuus") erinnert mit seinen historischen Möbeln an die Kindheit und Jugend des Dichters, der im Winter mit seiner Mutter das Obergeschoss bewohnte. Die Decke ist niedrig, in der Küche steht noch ein "Düpfi", ein dreibeiniger Topf mit schrägem Boden, der verhindert, dass der Brei anbrennt. Hebel würdigte das Küchengerät im Gedicht "Habermus".

Im Sommer lebte die Familie in Basel, wo Hebels Eltern im Dienst des Majors Iselin-Ryhiner standen. Als Hebel gerade ein Jahr alt war, starben sein Vater und die nur vier Wochen alte Schwester 1761 an Typhus. Als er 13 Jahre alt war, starb seine Mutter auf dem Heimweg von Basel, so dass der Waisenjunge mit gerade 14 Jahren Hausen verlassen musste und dank einiger Förderer nach Karlsruhe ins Gymnasium Illustre wechseln konnte. Nach dem Studium an der Universität in Erlangen wurde Hebel 1781 Hauslehrer in Hertlingen bei Müllheim, später Lehrer am Gymnasium in Karlsruhe, dessen Direktor er 1808 wurde.

Hebels Erfolg als Schriftsteller begann 1803, als seine erste - anonym erschienene - Auflage seines ersten Gedichtbands mit 32 ausgewählten Gedichten sogleich vergriffen war. Neuauflagen erschienen 1804 und 1806, auch Goethe lobte die Sprachkraft der alemannischen Verse. Im kollektiven Gedächtnis ist Hebel aber eher als Autor zahlloser Kalendergeschichten verankert. ls er 1807 die Redaktion des lutherisch-badischen Landkalenders übernahm, der Gesetze und Verordnungen enthielt und den jede Familie haben musste, wertete er das spröde Werk mit unterhaltenden und lehrreichen Geschichten auf.

Hebel hatte einen ganz eigenen Humor

Die meisten, im Dialekt verfassten Anekdoten und Schwänke für den "Rheinischen Hausfreund" schrieb Hebel selbst. Seine kürzeste Kalendergeschichte geht so: "Ein Büblein klagte seiner Mutter: ,Der Vater hat mir eine Ohrfeige gegeben.' Der Vater aber kam dazu und sagte: ,Lügst du wieder? Willst du noch eine?"' Zu den bekanntesten gehören "Kannitverstan" und "Unverhofftes Wiedersehen". Letztere bezieht sich auf ein Ereignis im schwedischen Falun, wo 1677 kurz vor seiner Hochzeit der Bergmann Fet Matts Israelsson verschwand. Er wurde erst 1719 gefunden und von seiner ehemaligen Braut identifiziert. Durch Kupfervitriol in der Grube war sein Leichnam fast vollständig konserviert worden. Auch andere Künstler haben den Stoff gestaltet.

Heute wird das Erdgeschoss des Museums gerne für Trauungen genutzt. Bis 2010, zum 250. eburtstag des Dichters, soll es umgebaut und erweitert werden. Auch dann wird der handgeschnitzte Spazierstock noch zu sehen sein, den eine Hebelverehrerin dem Museum vermacht hat. Hebel war ein begeisterter Wanderer und stieg mit Freunden gelegentlich auf den Belchen - "aber so, dass sie zum Sonnenaufgang oben waren", sagt Klaus Brust.

Hebelmuseum in der Bahnhofstraße 2 ist jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr geöffnet, Führungen nach Vereinbarung unter Telefon 07622/68730, Eintritt 1,30 (0,70) Euro.


Ausflugstipps rund um Hausen

Zwar sind die Burgfestspiele diesen Sommer schon zu Ende, bei schönem Wetter lohnt sich trotzdem ein Ausflug zur Burg Rötteln bei Lörrach. Die Burgruine zählt zu den ältesten und besterhaltenen Deutschlands und ist von Anfang April bis Ende der Herbstferien täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, von 1. November bis 31. März an Sonn- und Feiertagen jeweils von 11 bis 16 Uhr, Führungen nach Absprache unter der Telefonnummer 07621/56494. Weitere Ziele in unmittelbarer Nähe sind die Todtnauer Wasserfälle (www.todtnauer-ferienland.de) zwischen Todtnau und Notschrei oder der Schneiderhof in Kirchhausen (www.bauernhausmuseum-schneiderhof.de). Der Schwarzwaldhof stammt aus dem Jahr 1696 und ist in den vergangenen Jahren vom Trägerverein in mühevoller Kleinarbeit wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt worden. Hier lässt sich das entbehrungsreiche Leben der Schwarzwaldbauern nachvollziehen. Ähnliches gilt für den Segerhof in Schönau-Wembach, näheres (und viele Tipps für Wanderungen im Schwarzwald) unter www.belchenland.de. Wer ein kulinarisches Mitbringsel sucht, kann sich unter www.direktvermarkter-landkreis-loerrach informieren. Dort gibt es Tipps und Adressen für Verkostungen, Käse- oder Weinseminare und Adressen für den Einkauf. Wer viel Zeit mitbringt, für den lohnt sich auch ein Abstecher nach Basel oder Freiburg. In beiden Städten gibt es jeweils das Münster und etliche Museen zu besichtigen. Noch bis zum 26. September dauert beispielsweise der Freiburger Münstersommer mit einer Vielzahl von Konzerten, Filmen, Lesungen und Ausstellungen (www.freiburg.de/Link Kultur).
 

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