Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Samstag, 11. Februar 2012

Stuttgart & Region


Stuttgarter Jugendstudie

Partnerschaft an erster Stelle

Fragen von Simone Drescher, veröffentlicht am 10.09.2008
Foto: Yaez/HdM

Stuttgart - Humor, Hilfsbereitschaft und Intelligenz - das sind für Jugendliche die Eigenschaften, die sie an sich selbst schätzen. Was man daraus schließen kann, wie es um die Jugendkulturen steht und wie sehr die Gleichberechtigung in den Köpfen verankert ist, darüber hat Simone Drescher mit Janos Burghardt (23), Chefredakteur der Jugendzeitung "Yaez" und Mitinitiator der Jugendstudie, gesprochen.

Was lernen wir aus der Jugendstudie?

Man kann damit ein Stück weit verstehen, wie die Schüler von heute ticken. Von manchen Klischees muss man sich entfernen, und von mancher Aussage kann man sich überraschen lassen, die man den Jugendlichen so vielleicht nicht zugetraut hätte.

Findest du es überraschend, dass der Gedanke der Gleichberechtigung in den Köpfen der Jugendlichen ganz gleich welcher Schulart voll verankert ist?

Nein, aber erfreulich. Wenn bereits 78 Prozent der männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren der Meinung sind, dass man Haushalt und Kindererziehung aufteilen sollte, dann ist das doch positiv! Überrascht hat es mich nur insofern, als dass man denken könnte, die Gleichberechtigungsdebatte ist ein von oben oktroyiertes Thema. Will sagen: die Jugendlichen hätten auch einfach das Gegenteil aussagen können, schließlich war die Studie anonym, und niemand hätte sie für ihre Antworten geißeln können.

Wie schätzt du die Jugendlichen generell ein: individualistisch und ich-orientiert oder eher daran interessiert, die eigenen Interessen zum Wohl von Freunden, dem Partner oder der Familie zurückzustellen?

Viele Jugendliche setzen die Werte Treue und Ehrlichkeit an oberste Stelle, deshalb würde ich sagen, dass Zweiteres eher zutrifft.

Andererseits ist auch der Wert Erfolg ziemlich weit oben angesiedelt, das spricht ja wiederum eher für das Gegenteil.

Ja, das stimmt. Erfolg im Beruf ist den Jugendlichen auch sehr wichtig, aber ich denke, dass der Stellenwert der Partnerschaft doch für die meisten Jugendlichen höher ist.

"Skater sind beliebt, weil sie etwas besonderes können. Sie werden bewundert, aber nur die wenigsten gehören dazu."

Ihr habt innerhalb von zwei Tagen rund 3500 Schüler befragt. Wie geht das?

Wir haben die Schüler im Internet befragt. Dafür haben wir mit der Internetplattform SchülerVZ einen guten Partner gefunden. Dort sind die meisten Schüler registriert, und so konnten wir auch die hohe Anzahl an Teilnehmern erzielen.

Warum habt ihr den Schwerpunkt auf Partnerschaft und Jugendkulturen gelegt?

Wir wollten an den bereits vorhandenen Jugendstudien wie Kim, Jim oder der Shell-Jugendstudie anknüpfen und neue Themen erforschen. Die Fragen, die in diesen Studien bereits abgefragt werden, haben wir eher weggelassen.

Zurück zum Inhalt. Wie erklärst du, dass manche Jugendkulturen einen hohen Sympathiewert bekommen, andere wiederum ein sehr schlechtes Image haben?

Da gibt es ein ganz bestimmtes Muster. Aktive und sportliche Jugendszenen wie Skater haben einen hohen Sympathiewert, vielleicht, weil sie etwas können, was andere nicht können und für das man sie bewundert. Obwohl viele Schüler solche aktiven Jugendszenen ansprechend finden, gehören nur wenige dazu.

Warum ist das so?

Das liegt vielleicht daran, dass es schwer ist, in eine solche Jugendszene reinzukommen. Wer nicht früh mit dem Skaten anfängt, hat es später ziemlich schwer zu lernen. Anders sieht es bei Jugendkulturen aus, die sich über Musik oder Mode definieren, da verschwimmen die Grenzen, und viele fühlen sich dem ein oder anderen zugehörig. Diese Jugendkulturen sind weit verbreitet, das liegt wohl daran, dass sie für viele sympathisch sind und dass man im Vergleich zu den sportlichen Jugendkulturen leichter Zugang findet.

Hip-Hopper, Skater, Rocker, Szenen, die es schon seit Jahren gibt. Was gibt es Neues?

Die Emos sind eine neue Jugendkultur, die sich äußerlich zwischen Punks und Gothics bewegen und auf melancholische, düstere Musik stehen. Und die Computerspieler zählen auch zu einer neuen Form der Jugendkultur, schließlich stehen Computer und Laptops erst seit einigen Jahren in den meisten Jugendzimmern.

Wie kommt es, dass Hauptschüler besonders empfänglich für den Typ Gangsta-Rapper sind?

Mit Interpretationen bin ich da vorsichtig. Vielleicht kann man sagen, dass die von den Gangsta-Rappern gepflegte Ghetto- und Hartz-IV-Romantik eher mit dem Lebensbereich von Hauptschülern übereinstimmt und sie deswegen mehr ansprechen. Nichtsdestotrotz: die Gangsta-Rapper sind auf dem absteigenden Ast. Sie passen nicht zu den Werten, die für Jugendliche laut unserer Studie wichtig sind.
 
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