Amphibiensterben

Und endgültig schweigt der Frosch

Tanja Volz, veröffentlicht am 08.01.2009
Foto: WWF

Stuttgart - In unglaublicher Geschwindigkeit sterben Frösche, Molche und Kröten aus. Das Amphibiensterben beobachtet man selbst in Lebensräumen, die keinen nennenswerten menschlichen Einflüssen unterliegen. Berliner Forscher untersuchen, welchen Einfluss ein Pilz auf das Sterben hat.


  Von Tanja Volz

 
Amphibien sind faszinierende Tiere: Als ursprünglichste Klasse der vierfüßigen Wirbeltiere an Land können sie sich fast überall niederlassen und ein wechselvolles Leben führen. Die meisten Amphibienarten beginnen ihr Dasein im Wasser und verbringen ihre erwachsene Existenz an Land (wobei sich manche Arten nur für das Wasser und andere nur für das Land entschieden haben). Mit Ausnahme der Antarktis leben sie überall auf der Welt, in trockenen unwirtlichen Wüstengebieten ebenso wie im feuchtwarmen tropischen Regenwald. Zoologen haben bisher etwa 6000 Arten entdeckt.

Ein Drittel aller Arten ist bedroht

Dabei überrascht die Forscher nicht nur die Vielfalt dieser Tiergruppe. Auch die außergewöhnliche Lebensweise versetzt Wissenschaftler in Erstaunen: erst 1973 wurde in Australien zum Beispiel der Magenbrüterfrosch entdeckt. Bei diesen Fröschen entwickelt sich der Nachwuchs der Tiere im Magen der Mutter. Ihren Nachwuchs spuckt sie schließlich einfach aus. Doch lange konnten sich die Forscher nicht an diesen Tieren freuen, denn schon bald nach der Entdeckung brachen die Bestände dramatisch ein - selbst in vom Menschen unberührten Lebensräumen. 1984 starb das letzte Tier in Gefangenschaft. Ähnlich erschreckende Meldungen kamen in den vergangenen Jahren aus allen Teilen der Welt: In Costa Rica waren plötzlich die Laichplätze der Goldkröte verwaist, und fast alle Populationen des Harlekinfroschs sind verschwunden. Auch in Europa und Nordamerika werden Bestände sonst überaus häufiger Froscharten dezimiert. Nach Angaben der Internationalen Naturschutzvereinigung (IUCN) ist fast ein Drittel aller Amphibienarten bedroht.

Bedroht sind diese Tiere aber nicht nur durch die Zerstörung ihrer Lebensräume, durch Landstraßen oder den Einsatz von Gift in der Landwirtschaft. Vielmehr scheint ein Pilz mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Batrachochytrium dendrobatidis eine große Rolle zu spielen. Dieser Pilz verursacht bei Fröschen und ihren Verwandten eine tödliche Infektionskrankheit, die sogenannte Chytridiomykose. Unter bestimmten Bedingungen kann der Pilz ganze Froschgemeinschaften innerhalb kürzester Zeit auslöschen. Woher er kommt und warum dieser Pilz plötzlich so tödlich ist, fragen sich Berliner Wissenschaftler. Biologen des Museums für Naturkunde, der Charité und der Humboldt-Universität untersuchen den Hautpilz nun genauer. "Im Mittelpunkt steht dabei die Aufklärung der Verbreitungsmuster des Pilzes in Deutschland und die Frage, ob er auch bei einheimischen Amphibien für Populationsrückgänge verantwortlich ist", sagt Torsten Ohst vom Berliner Naturkundemuseum.

Frösche als Schwangerschaftstest

Der älteste bekannte Wirt des Pilzes ist der afrikanische Krallenfrosch. Diesem Frosch kann der Pilz bis heute nichts anhaben, der Frosch kann den Krankheitserreger aber übertragen. In den fünfziger Jahren wurden diese Frösche weltweit verteilt, da sie für Schwangerschaftstests eingesetzt wurden: Der Befund galt als positiv, wenn junge Krallenfroschweibchen nach einer Injektion von Urin der potenziell schwangeren Frau Eier produzierten. Daher liegt die Vermutung nahe, dass sich der Pilz über den weltweiten Handel mit den Versuchsfröschen verbreitet hat. Dagegen spricht jedoch, dass auch Amphibien in abgelegenen Gebieten betroffen sind, in die nie ein Krallenfrosch kam.

Vermutlich schafft die Klimaerwärmung günstige Wachstumsbedingungen für den Parasiten: In den Tropen werden die Nächte wärmer - ein Vorteil für den Pilz, der am besten bei 17 bis 25 Grad gedeiht. Durch verlängerte Trockenperioden oder ungewöhnliche Hitzewellen wird zudem das Immunsystem der Frösche geschwächt. "Die Krankheit ist das Geschoss, das die Frösche tötet, aber der Klimawandel drückt den Abzug", erklärt Alan Ponds vom Tropical Science Center in Costa Rica. Ponds und seine Kollegen haben das Verschwinden der farbenfrohen Harlekinfrösche untersucht und ihre Ergebnisse im Fachjournal "Nature" veröffentlicht.

Der Parasit befällt die äußere Schutzschicht der Haut. Damit wird diese wichtige Barriere gegen Infektionen geschädigt, und die Frösche sind anfälliger für weitere Bakterien, Viren und Pilze. Da Amphibien hauptsächlich über die Haut atmen, ersticken sie. Die Haut verändert sich, sie wird milchig und stumpf. Befallene Tiere werden lethargisch, essen nichts mehr, sitzen lange im Wasser und sterben schließlich.


Informationen: www.wwf.de/themen/artenschutz/bedrohte-tiere-und-pflanzen/amphibien
sowie
www.globalamphibians.org

 

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