Popstar Sasha
"Schmusesänger? Das gibt es doch gar nicht!"
Fragen von Simone Drescher, veröffentlicht am 26.02.2009
Stuttgart - Am Freitag erscheint das siebte Album von Sasha. Es heißt "Good news on a bad day" und ist ziemlich melancholisch ausgefallen. Zurück zu den Wurzeln? Das und vieles mehr wollte Simone Drescher von Sascha Schmitz alias Sasha wissen.
Hallo Sasha! Sie darf man sicher duzen ...
Ja, unbedingt Du sagen.
Empfindest du es nicht als unhöflich, wenn die Leute von vornherein davon ausgehen, dass man dich duzen kann?
Nein, gar nicht. Das liegt ja irgendwie in der Natur der Sache. Schließlich habe ich mir meinen Vornamen auch als Künstlernamen ausgesucht. Soll man etwa Herr Sasha sagen? Das klingt ja auch doof.
Du hast immer einen lockeren Spruch auf der Lippe. Lernt man die Schlagfertigkeit im Showbusiness?
Ich glaube, schon immer relativ schlagfertig gewesen zu sein. Trotzdem war ich, als das alles so losging mit den Interviews, immer sehr nervös. Mit der Zeit wurde es besser. Ich habe gemerkt, dass es am besten ist, wenn man so weit wie möglich man selbst ist und nicht versucht, sich zu verstellen. Und wenn dann noch der Interviewpartner stimmt, kommen manchmal lustige Gespräche dabei raus.
In einem Radiointerview hast du kürzlich erzählt, dass du in den 80ern bis unter die Achseln gezogene Bundfaltenhosen und Slipper mit Bömmelchen dran getragen hast. Du warst also ein echter Popper?
Ja, eine Zeitlang war ich Popper und eine Zeitlang Breakdancer. Dementsprechend habe ich mich gekleidet. Musikmäßig stand ich als Teenager auf Rock'n'Roll, ich habe viel Elvis gehört. Außerdem musste ich zwangsläufig die Schlager meiner Mutter mithören, Connie Francis oder Bill Ramsey. Ich war ein ganz normaler Jugendlicher. Da wir von Haus aus nicht so viel Geld zur Verfügung hatten, musste ich zusehen, dass ich mir meine modischen Extravaganzen selbst beschaffe. Ich musste einfallsreich sein, um mithalten zu können.
Was heißt das genau?
Geklaut hab ich! Nein, natürlich nicht. Erstens war ich ein Schnäppchenjäger - das bin ich im Übrigen heute noch. Und zweitens habe ich mir einen Klamottenmix aus Marken- und Nicht-Marken-Ware zusammengestellt, so dass man immer den Eindruck hatte: "Der Mann ist total gut gekleidet."
Warst du früher schon extrovertiert?
Ich war schon immer einer der Klassenclowns, aber ich konnte es auch aushalten, wenn einer noch lauter und noch lustiger war als ich. Ich musste nicht um jeden Preis der Kasper vom Dienst sein. Ich habe das eher gezielt eingesetzt, habe geguckt, dass ich auf dem Schulhof etwa 20 bis 40 Leute um mich schare. Dann habe ich vorgesungen und die Leute mitsingen lassen.
Ein Entertainer von Kindesbeinen an also?
Entertainer habe ich schon immer gemocht. Ich glaube, es hat sich bei mir schon früh herauskristallisiert, dass ich das für mein Seelenheil brauche. Dass Menschen Spaß haben, ist für mich wichtiger, als dass ich sie unterhalte. Wenn man mich lässt, mache ich das gerne. Aber wenn das jemand anders macht, finde ich das auch toll. Wenn ich mir eine Comedyshow von Michael Mittermeier oder Helge Schneider anschaue und die Menschen lachen sehe, fühle ich mich pudelwohl.
Wolltest du als Jugendlicher auch mal Rockstar werden?
Ursprünglich wollte ich Kinderarzt werden, als die Noten schlechter wurden, war das dann keine Option mehr. In der zehnten Klasse habe ich angefangen Laientheater zu spielen und Musik zu machen. Damals hatte ich lange Haare, meine Band hieß Junkfood, und wir haben Grunge und Crossover gespielt. Da war klar: ich werde Rockstar.
Was würde der Sasha von damals zu deiner Entwicklung sagen?
Zu der Zeit, als ich Crossover-Musik gemacht habe, hätte ich mich wahrscheinlich doof gefunden. Ich hätte aber sicherlich irgendwann angefangen, mich gut zu finden. Gerade was Musik angeht, bin ich nämlich kein Kastendenker. Das Einzige, was ich wirklich nicht mag, ist House- und Technomusik, das ist mir zu kühl. Trotzdem gehe ich alle zwei Jahre mal in so einen Schuppen, um zu gucken, ob es immer noch so ist.
Auf deinem neuen Album gibt es viele melancholische Balladen. Vor ein paar Jahren wolltest du noch weg vom Image des Schmusesängers, jetzt bedienst du es wieder voll. Nervt dich diese Unterstellung?
Nein, ich finde sie nur nicht gerechtfertigt. Ich mochte diesen Ausdruck noch nie. Schmusesänger, das gibt es doch gar nicht! Damit bezeichnet man kein Genre. Ich singe gerne Balladen, und da ich bei diesem Album sehr ehrlich war, was meine Gefühle angeht, habe ich alles zugelassen. Und das ist authentisch.
Aber es stimmt doch, dass du vor ein paar Jahren einen Imagewandel wolltest - mal ganz abgesehen von deinem Ausflug ins Rockabilly-Genre zu "Dick-Brave-and-the-Backbeats-Zeiten"?
Ja, mit meinem letzten Album "Open Water"wollte ich mit aller Kraft weg von diesem Image. Da gab es nur eine Ballade, und der Rest war eher gedanken- und bedeutungsschwer. Damit habe ich mit meiner Zeit davor abgerechnet. Nach dem Album war ich mit mir im Reinen und konnte wieder komplett frei loslegen.
Für die einen bist du ein Vorzeige-Popstar, von den anderen, die Musikgeschmack für eine Charaktereigenschaft halten, wirst du nicht beachtet. Was ist schlimmer: als glatt zu gelten oder als Künstler nicht ernst genommen zu werden?
Da besteht fast ein kausaler Zusammenhang. Wenn man oberflächliche Musik macht, muss man sich nicht wundern, wenn man von Kritikern nicht ernst genommen wird. Andererseits finde ich es toll, wenn Menschen bei einem Konzert von mir anfangen zu knutschen und mir zehn Jahre später Bilder von sich als Ehepaar und dem gemeinsamen Kind zuschicken. So etwas ist mir viel wichtiger als die Kritiken.
Für dein neues Album hast du dir als Produzenten den Altmeister Edo Zanki ins Boot geholt. Hat sich das gelohnt?
Ich bin mehr als zufrieden, was Edo und ich gemacht haben. Uns verbindet etwas, und das haben wir auf diesem Album zum Tragen gebracht. Edo ist wie ich ein Bauchmensch.
Im vergangenen Jahr ist deine Beziehung zur Die-Happy-Sängerin Marta Jandova auseinandergegangen. Bist du heute desillusioniert von der Liebe?
Nein, ich habe immer an die Liebe geglaubt. Wenn man das nicht tut, verliert man ganz schnell den Lebenswillen und den Mut. Aber im Moment bin ich sehr zufrieden als Single. Ich muss mich nicht unbedingt verlieben und bin nicht auf der Suche. Wenn es jetzt passieren sollte, wäre ich aber offen dafür.
Vor Angeboten kannst du dich sicherlich nicht retten.
Ja. Weiß ich nicht. Für mich muss sich das immer irgendwie ergeben. Man kann ja nicht sagen: "Hallo, ich bin die Tina, ich will jetzt deine Freundin sein." Die Damen wissen aber auch meist, dass ich dafür nicht der Typ bin. Ich muss mich schon auch interessieren.
Wie groß war der Einfluss der Trennung auf dein neues Album?
Das hat das Album nicht so sehr beeinflusst. Das ist auch nicht der Grund, warum es manchmal melancholisch klingt. Es gibt eigentlich nur ein Lied, das sich damit auseinandersetzt, das heißt "Read my mind". Es hat Einfluss genommen insofern, dass ich viel über Liebe und Beziehungen schreibe. Es ist schwierig, über so etwas zu schreiben, aber ich hab mich dann einfach getraut.
Hallo Sasha! Sie darf man sicher duzen ...
Ja, unbedingt Du sagen.
Empfindest du es nicht als unhöflich, wenn die Leute von vornherein davon ausgehen, dass man dich duzen kann?
Nein, gar nicht. Das liegt ja irgendwie in der Natur der Sache. Schließlich habe ich mir meinen Vornamen auch als Künstlernamen ausgesucht. Soll man etwa Herr Sasha sagen? Das klingt ja auch doof.
Du hast immer einen lockeren Spruch auf der Lippe. Lernt man die Schlagfertigkeit im Showbusiness?
Ich glaube, schon immer relativ schlagfertig gewesen zu sein. Trotzdem war ich, als das alles so losging mit den Interviews, immer sehr nervös. Mit der Zeit wurde es besser. Ich habe gemerkt, dass es am besten ist, wenn man so weit wie möglich man selbst ist und nicht versucht, sich zu verstellen. Und wenn dann noch der Interviewpartner stimmt, kommen manchmal lustige Gespräche dabei raus.
In einem Radiointerview hast du kürzlich erzählt, dass du in den 80ern bis unter die Achseln gezogene Bundfaltenhosen und Slipper mit Bömmelchen dran getragen hast. Du warst also ein echter Popper?
Ja, eine Zeitlang war ich Popper und eine Zeitlang Breakdancer. Dementsprechend habe ich mich gekleidet. Musikmäßig stand ich als Teenager auf Rock'n'Roll, ich habe viel Elvis gehört. Außerdem musste ich zwangsläufig die Schlager meiner Mutter mithören, Connie Francis oder Bill Ramsey. Ich war ein ganz normaler Jugendlicher. Da wir von Haus aus nicht so viel Geld zur Verfügung hatten, musste ich zusehen, dass ich mir meine modischen Extravaganzen selbst beschaffe. Ich musste einfallsreich sein, um mithalten zu können.
Was heißt das genau?
Geklaut hab ich! Nein, natürlich nicht. Erstens war ich ein Schnäppchenjäger - das bin ich im Übrigen heute noch. Und zweitens habe ich mir einen Klamottenmix aus Marken- und Nicht-Marken-Ware zusammengestellt, so dass man immer den Eindruck hatte: "Der Mann ist total gut gekleidet."
Warst du früher schon extrovertiert?
Ich war schon immer einer der Klassenclowns, aber ich konnte es auch aushalten, wenn einer noch lauter und noch lustiger war als ich. Ich musste nicht um jeden Preis der Kasper vom Dienst sein. Ich habe das eher gezielt eingesetzt, habe geguckt, dass ich auf dem Schulhof etwa 20 bis 40 Leute um mich schare. Dann habe ich vorgesungen und die Leute mitsingen lassen.
Ein Entertainer von Kindesbeinen an also?
Entertainer habe ich schon immer gemocht. Ich glaube, es hat sich bei mir schon früh herauskristallisiert, dass ich das für mein Seelenheil brauche. Dass Menschen Spaß haben, ist für mich wichtiger, als dass ich sie unterhalte. Wenn man mich lässt, mache ich das gerne. Aber wenn das jemand anders macht, finde ich das auch toll. Wenn ich mir eine Comedyshow von Michael Mittermeier oder Helge Schneider anschaue und die Menschen lachen sehe, fühle ich mich pudelwohl.
Wolltest du als Jugendlicher auch mal Rockstar werden?
Ursprünglich wollte ich Kinderarzt werden, als die Noten schlechter wurden, war das dann keine Option mehr. In der zehnten Klasse habe ich angefangen Laientheater zu spielen und Musik zu machen. Damals hatte ich lange Haare, meine Band hieß Junkfood, und wir haben Grunge und Crossover gespielt. Da war klar: ich werde Rockstar.
Was würde der Sasha von damals zu deiner Entwicklung sagen?
Zu der Zeit, als ich Crossover-Musik gemacht habe, hätte ich mich wahrscheinlich doof gefunden. Ich hätte aber sicherlich irgendwann angefangen, mich gut zu finden. Gerade was Musik angeht, bin ich nämlich kein Kastendenker. Das Einzige, was ich wirklich nicht mag, ist House- und Technomusik, das ist mir zu kühl. Trotzdem gehe ich alle zwei Jahre mal in so einen Schuppen, um zu gucken, ob es immer noch so ist.
Auf deinem neuen Album gibt es viele melancholische Balladen. Vor ein paar Jahren wolltest du noch weg vom Image des Schmusesängers, jetzt bedienst du es wieder voll. Nervt dich diese Unterstellung?
Nein, ich finde sie nur nicht gerechtfertigt. Ich mochte diesen Ausdruck noch nie. Schmusesänger, das gibt es doch gar nicht! Damit bezeichnet man kein Genre. Ich singe gerne Balladen, und da ich bei diesem Album sehr ehrlich war, was meine Gefühle angeht, habe ich alles zugelassen. Und das ist authentisch.
Aber es stimmt doch, dass du vor ein paar Jahren einen Imagewandel wolltest - mal ganz abgesehen von deinem Ausflug ins Rockabilly-Genre zu "Dick-Brave-and-the-Backbeats-Zeiten"?
Ja, mit meinem letzten Album "Open Water"wollte ich mit aller Kraft weg von diesem Image. Da gab es nur eine Ballade, und der Rest war eher gedanken- und bedeutungsschwer. Damit habe ich mit meiner Zeit davor abgerechnet. Nach dem Album war ich mit mir im Reinen und konnte wieder komplett frei loslegen.
Für die einen bist du ein Vorzeige-Popstar, von den anderen, die Musikgeschmack für eine Charaktereigenschaft halten, wirst du nicht beachtet. Was ist schlimmer: als glatt zu gelten oder als Künstler nicht ernst genommen zu werden?
Da besteht fast ein kausaler Zusammenhang. Wenn man oberflächliche Musik macht, muss man sich nicht wundern, wenn man von Kritikern nicht ernst genommen wird. Andererseits finde ich es toll, wenn Menschen bei einem Konzert von mir anfangen zu knutschen und mir zehn Jahre später Bilder von sich als Ehepaar und dem gemeinsamen Kind zuschicken. So etwas ist mir viel wichtiger als die Kritiken.
Für dein neues Album hast du dir als Produzenten den Altmeister Edo Zanki ins Boot geholt. Hat sich das gelohnt?
Ich bin mehr als zufrieden, was Edo und ich gemacht haben. Uns verbindet etwas, und das haben wir auf diesem Album zum Tragen gebracht. Edo ist wie ich ein Bauchmensch.
Im vergangenen Jahr ist deine Beziehung zur Die-Happy-Sängerin Marta Jandova auseinandergegangen. Bist du heute desillusioniert von der Liebe?
Nein, ich habe immer an die Liebe geglaubt. Wenn man das nicht tut, verliert man ganz schnell den Lebenswillen und den Mut. Aber im Moment bin ich sehr zufrieden als Single. Ich muss mich nicht unbedingt verlieben und bin nicht auf der Suche. Wenn es jetzt passieren sollte, wäre ich aber offen dafür.
Vor Angeboten kannst du dich sicherlich nicht retten.
Ja. Weiß ich nicht. Für mich muss sich das immer irgendwie ergeben. Man kann ja nicht sagen: "Hallo, ich bin die Tina, ich will jetzt deine Freundin sein." Die Damen wissen aber auch meist, dass ich dafür nicht der Typ bin. Ich muss mich schon auch interessieren.
Wie groß war der Einfluss der Trennung auf dein neues Album?
Das hat das Album nicht so sehr beeinflusst. Das ist auch nicht der Grund, warum es manchmal melancholisch klingt. Es gibt eigentlich nur ein Lied, das sich damit auseinandersetzt, das heißt "Read my mind". Es hat Einfluss genommen insofern, dass ich viel über Liebe und Beziehungen schreibe. Es ist schwierig, über so etwas zu schreiben, aber ich hab mich dann einfach getraut.
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