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Filmredakteur Frank Simoneit

Herr der bewegten Bilder

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Ein Journalist auf Tour: Frank Simoneit liefert Geschichten aus Stuttgart.
Foto: Sauer

Stuttgart – Frank Simoneit bringt Bewegung auf Internetseiten. Der Fernsehredakteur liefert Filme für das Online-Angebot der Stuttgarter Zeitung. Dafür begibt er sich auch gerne mal acht Meter unter die Erde oder lässt sich von Eisbären mit Wasser bespritzen. Wir haben ihm bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

Journalisten lassen ihn kalt. Mit einem Bauchplatscher bringt Wilbär das Becken im Eisbärgehege zum Überlaufen. Fernsehredakteur Frank Simoneit rettet mit einer schnellen Handbewegung sein Storyboard vor dem Nass – zum Abschied von Wilbär aus der Wilhelma gibt es Wasserspritzer statt Tränen. Simoneit soll letzte Bilder von dem pelzigen Star liefern. Die Kamera läuft. "Ich produziere vollständig ausgearbeitete Fernsehfilme", sagt der 48-Jährige. In den kommenden zwölf Stunden wird er drei Beiträge herstellen. Zwischendurch gönnt er sich eine Pause von zehn Minuten.

"Wilbär im Gehege, von außen", steht oben auf seinem Storyboard. Die erste Einstellung. "Ich stelle mir vor, wie der Film später aussehen soll, und danach recherchiere ich", erklärt Simoneit. Im Vorfeld der Produktion laufen in seinem Büro in Herrenberg die Telefondrähte heiß: Darf man an dem gewünschten Ort drehen? Wer steht ihm als Interviewpartner zur Verfügung? Ein Produktionstag kostet ihn einen Tag Recherche. "Alles muss richtig getaktet werden", sagt er. Das Storyboard ist sein Fahrplan.

"Nichts darf schiefgehen"

Wer ist denn nun eigentlich Wilbär?, möchte der Kameramann an seiner Seite wissen. Eine Frage, die an diesem sonnigen Morgen nicht so leicht zu beantworten ist. Die zwei Eisbären, Mutter Corinna und Sohn Wilbär, sehen sich nach einem Tauchgang zum Verwechseln ähnlich. Simoneit bereitet das keine Kopfschmerzen. Er hat vorgesorgt: Tierpfleger Andreas Wössner kommt wie verabredet um 9 Uhr ans Gehege und zeigt auf das Objekt der Begierde. Es knabbert gerade an einem Plastikdeckel herum.

Ein Beitrag für das Online-Angebot ist etwa 90 Sekunden lang. Eine Zeitspanne, die der Journalist längst verinnerlicht hat. Als ehemaliger ARD-Tagesschau-Redakteur produzierte er jahrelang Beiträge von dieser Dauer. Zwei Stunden sind heute für den Dreh in der Wilhelma veranschlagt. Die Zeit ist knapp. "Nichts darf schiefgehen", sagt er. Die ersten Bilder sind im Kasten, jetzt sollen noch ein paar Emotionen den Beitrag bereichern. Der Kameramann hält auf ein kleines Mädchen drauf, das ein Stofftier gegen die Glasscheibe des Eisbärgeheges drückt. Perfekt. Kurz darauf sind die Aufnahmen von Wilbär im Kasten. Simoneit macht einen Haken auf dem Storyboard.

20 Minuten später. Von Tierpfleger Andreas Wössner hat er alles über die Essgewohnheiten von Wilbär erfahren. Das Storyboard ist nun um einige Notizen reicher. Als visuellen Appetithappen hat der Kameramann den Tierpfleger beim Äpfelschälen in der Futterküche aufgezeichnet.

Das Handy klingelt. Ein Online-Redakteur aus dem Stuttgarter Pressehaus ist in der Leitung. Er möchte eine Umfrage zum Thema VfB Stuttgart haben. "Alles klar, wird erledigt", sagt Simoneit. Die Uhr tickt. Zum Schluss des Drehs in der Wilhelma muss noch ein O-Ton her. Als erfahrener Journalist steuert er eine Besuchergruppe am Gehege an, und hält den Interviewpartnern das Mikrofon vor die Nase. "Ich bin ganz traurig über Wilbärs Abschied nach Schweden, ich kannte den Eisbären von klein auf", sagt eine Frau.

Die Mittagspause fällt aus

Szenenwechsel: Frank Simoneit steht vor einem Betonriesen. "Fernsehturm" ist auf seinem Storyboard notiert. Statt einer Mittagspause hat er auf der Königstraße die bestellte Umfrage zum Thema VfB Stuttgart gemacht. Der Speicherchip der Fernsehkamera ist voll, der Magen leer. Die Dreharbeiten führen ihn und den Kameramann acht Meter unter die Erde zum Fundament des Fernsehturms. Ein Betriebstechniker erzählt, dass einst ein Riss den Turm in voller Länge durchzogen hat. Interessante Geschichte, findet Simoneit. Das Storyboard wird umgeschrieben. "Die Ideen für die Beiträge kommen entweder aus der Redaktion oder aus meinem Kopf", sagt der Journalist. Der Kameramann filmt ein Stück des abgedichteten Bruchs.

Totale, Detailaufnahme, Schwenk. Die Kamera erkundet fast jeden Winkel des Fernsehturms. "Ich bin kein Techniker, sondern ein Wortmensch, der Germanistik studiert hat", antwortet Simoneit auf die Frage, warum er nicht selbst die Bilder aufzeichnet. Als nächstes wird eine Aufzugsführerin interviewt, die sich als "Stewardess auf Kurzreise" vorstellt. Sie erzählt von Gästen, denen auf der Fahrt zur Aussichtsplattform übel geworden ist. Ein weiterer Baustein für den Beitrag ist fertig. Simoneit plant im Geiste bereits die nächste Einstellung. Auf der Plattform in 150 Metern Höhe sollen Stuttgarts Sehenswürdigkeiten gefilmt werden. Der Kameramann wird kurz gebrieft, dann sind Mercedes-Benz-Arena, Hauptbahnhof und Neues Schloss mit einem Schwenk eingefangen.

Letzte Station im Fernsehturm ist die Netzmanagementzentrale des Südwestrundfunks. Dort, wo Besuchern der Zutritt verboten ist, wird Frank Simoneit mit offenen Armen empfangen. Und der löchert die Mitarbeiter mit Fragen. Was passiert bei Störungen? Wieviele Funktürme überwacht der Sender? Zum letzten Mal an diesem Tag streckt der Fernsehredakteur Interviewpartnern das Mikrofon entgegen.

Stationen bei ARD, Vox und Sat 1 folgten

Es ist 16 Uhr. Die Mitarbeiter der Netzmanagementzentrale haben einen Imbiss vorbereitet. Fernsehredakteur und Kameramann greifen zu. Zehn Minuten Pause gönnen sie sich, um einen Happen zu essen. Kurz darauf verschwinden Stativ, Mikrofon, Kamera und Kopflicht im Kofferraum. Der Dreh ist beendet. "Ich bin gerne Reporter", sagt Simoneit. Sein journalistisches Handwerk hat er als Volontär bei den Stuttgarter Nachrichten gelernt. Dann lockte das Fernsehen. Seinen ersten Nachrichtenfilm hat er vor 21 Jahren beim Südwestfunk gedreht. Stationen bei ARD, Vox und Sat 1 folgten. Vor acht Jahren hat er sich selbständig gemacht. "Ich wollte raus aus der Maschinerie und frei über meine Zeit verfügen", erklärt er seine Entscheidung. "Jetzt bin ich mein eigener Herr." Auch als Buchautor hat er sich mittlerweile einen Namen gemacht.

Das Auto stoppt vor einer Postproduktionsfirma im Stuttgarter Westen. Während am Schnittplatz das Rohmaterial von der Kamera auf die Computerfestplatte überspielt wird, überarbeitet Simoneit seine Storyboard-Seiten. Jetzt ist nochmals volle Konzentration gefragt. Keine 30 Minuten später hält der Cutter den fertigen Text für die Beiträge in den Händen. Der Mediengestalter sucht die passenden Bilder raus und schneidet sie in der gewünschten Reihenfolge. Dabei sind Teamarbeit und Fingerspitzengefühl gefragt. Cutter und Redakteur arbeiten so lange zusammen, bis Text und Bild zu einem Beitrag verschmelzen.

Das Internet habe große Chancen, anderen Medien den Rang abzulaufen, ist sich Simoneit sicher. Dann verschwindet er in der Sprecherkabine, wo er den Film synchronisiert. "Jetzt muss ich aufpassen, dass ich keine Endungen verschlucke und mich nicht verhasple", sagt er. Die Sorgen sind unbegründet. Fast in einem Rutsch werden die beiden Beiträge vertont. Auch die Umfrage auf der Königstraße wird noch geschnitten. "Ein Acht-Stunden-Tag reicht für diese Arbeit natürlich nicht aus", sagt Simoneit. Aber der Fernsehredakteur ist zufrieden: "Ich bin sicher, die Leute freuen sich über meine Beiträge."
 



Sascha Sauer

12.05.2009 - aktualisiert: 13.05.2009 11:32 Uhr



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