Thomas D trifft die Sportfreunde
Ein paar Spitzen und viel Mittelmaß
Jan Ulrich Welke, veröffentlicht am 11.06.2009
Siehe auch
Stuttgart - "Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird", sprach der Fußballmanager Uli Hoeneß vor einigen Jahren. Gemünzt war sein Ausspruch, der weder Toleranz noch Humor erkennen ließ, allerdings weder auf seinen Verein Bayern München noch auf die Münchener Band Sportfreunde Stiller.
Von Jan Ulrich Welke
Verärgert hatte den Mann die Düsseldorfer Band Die Toten Hosen, die es gewagt hatten, sich in einem Lied despektierlich über seinen Club zu äußern. Oder war es vielleicht doch ganz anders? Hatten ihn nicht so sehr die Spottverse erzürnt, sondern vielmehr die deutsche Popmusik in ihrer ganzen Mittelmäßigkeit als solche?
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Möglich wäre es, denn zumindest ein paar Indizien für diese These ließen sich auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz bestaunen, auf dem am Mittwochabend Thomas D von den Fantastischen Vier sowie die Sportfreunde Stiller das fünftägige SWR-Open-Air-Festival eröffneten.
Die Sportfreunde bestehen, wie es der Bandname vermuten lässt, aus zwei Anhängern des FC Bayern München und einem Fan von 1860 München, was sie in den Augen von Uli Hoeneß recht harmlos erscheinen lassen dürfte. Ihre ganze Arglosigkeit offenbarten die Sportfreunde Stiller zudem, als sie vor drei Jahren mit ihrem Lied "’54 ’74 ’90 2006" quasi die inoffizielle Hymne zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland beisteuerten. Millionenfach wurde dieses musikalisch nicht sonderlich ambitionierte Stück seinerzeit gedudelt, so dass man es als wahren Segen empfand, von ihm zumindest auf dem Schlossplatz verschont zu bleiben.
Die Sportfreunde Stiller spielten das Lied jedoch am Mittwochabend nicht, weil sie dem Publikum ihren kommerziell größten Erfolg vorenthalten wollten. Sondern weil es nicht in die "Dramaturgie" passte. Diese hat es so gewollt, dass eigentlich als erste Band auf dem Schlossplatz die Newcomer Polarkreis 18 auftreten sollten. Die wurde jedoch recht kurzfristig für das Vorprogramm der derzeit laufenden Deutschlandtournee von Depeche Mode engagiert. Daraufhin wurden die Sportfreunde Stiller verpflichtet, und da sie derzeit mit ihrem aktuellen Album die Charts stürmen, wurde der eigentliche Headliner Thomas D sozusagen zum Vorprogramm degradiert.
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Thomas D tat wie ihm befohlen, gab ein paar hübsche Spitzen in Richtung der hiesigen Politiker von sich, die seiner Band, den Fantastischen Vier, vor zehn Jahren einen Auftritt auf dem Schlossplatz noch mit dem Verweis auf mindere künstlerische Qualität untersagt hatten. Auch ansonsten hatte er bei seinem "kleinen Heimspiel" (das große Heimspiel mit den Fantastischen Vier auf dem Cannstatter Wasen folgt ja noch) ein paar weitere Sticheleien zu bieten, musikalisch war sein Auftritt mit einer üppig besetzten Band solide, allerdings auch nicht sonderlich bemerkenswert. Den Stuttgarter Schlossplatz deswegen einen Hexenkessel zu nennen, wäre jedenfalls gewiss übertrieben – nicht nur wegen der lediglich rund dreitausend Besucher, die sich einfanden. Das lag zwar im Rahmen der Erwartungen des Veranstalters, im hinteren Teil des Schlossplatzes ging es allerdings sehr luftig zu.
Aber zurück zur sogenannten Dramaturgie. Die Sportfreunde Stiller haben soeben das kommerziell sehr erfolgreiche Album "MTV unplugged in New York" veröffentlicht, und traten daher auch auf dem Schlossplatz zu einem Akustikkonzert an. Wenn deutsche Bands so etwas tun, befleißigen sie sich bekanntlich nicht etwa ungewöhnlicher Instrumentierungen, sondern greifen auf akustische statt elektrische Gitarren nebst Bläsersatz und Streicherbegleitung zurück. Das ist in Ordnung, musikalisch zwar nicht sonderlich interessant, aber immerhin stringent, fehlt es doch den Songs der Sportfreunde Stiller ohnehin an Finten- und Finessenreichtum.
"Wir kommen jetzt zu einer Sache, die ziemlich exklusiv und recht einmalig ist", so der SWR-Moderator in seiner Ansage des Konzerts. In dieser gewundenen und relativierenden Einschätzung hat er es eigentlich voll auf den Punkt gebracht: das ganze Programm ist nicht exklusiv und einmalig, sondern vergleichsweise schnöde. Bisweilen gleitet es auf Volksfestniveau ab, wenn das Publikum "Ein Prosit der Gemütlichkeit" skandiert und die Band von der Bühne "Wir sind doch irgendwie auch eine Bierband" repliziert, wenn – tatsächlich! - feuchtfröhlich "Humba Humba Täterä" gesungen wird, wenn Udo Jürgens’ "Ich war noch niemals in New York" angestimmt wird und sich Band und Publikum im Wechselspiel über VfB und FCB lustig machen, freilich auf so bravem Niveau, dass selbst Uli Hoeneß keine Einwände hätte.
So schleppt sich alles reichlich unspektakulär dahin. In seiner instrumentalen Umsetzung nicht sonderlich fesselnd, textlich (das allerdings hat man schon vorher gewusst) in einem außerordentlich überschaubaren Rahmen. Und musikalisch liefern die Sportfreunde Stiller spätestens in ihrer Zugabe, in der sie den großartigen Oasis-Song "Rock’n’Roll Star" – nun ja: interpretieren, die Begründung dafür, warum die bayrische Band vor dreitausend Zuschauern und die britische Band in Fußballstadien auftritt.
Weiter geht das Festival am Freitagabend mit dem SWR-3-Comedyabend. Am Samstag sind die Stars von SWR 4 zu Gast, und zum Abschluss am Sonntag spielt das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR.
Von Jan Ulrich Welke
Verärgert hatte den Mann die Düsseldorfer Band Die Toten Hosen, die es gewagt hatten, sich in einem Lied despektierlich über seinen Club zu äußern. Oder war es vielleicht doch ganz anders? Hatten ihn nicht so sehr die Spottverse erzürnt, sondern vielmehr die deutsche Popmusik in ihrer ganzen Mittelmäßigkeit als solche?
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Möglich wäre es, denn zumindest ein paar Indizien für diese These ließen sich auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz bestaunen, auf dem am Mittwochabend Thomas D von den Fantastischen Vier sowie die Sportfreunde Stiller das fünftägige SWR-Open-Air-Festival eröffneten.
Die Sportfreunde bestehen, wie es der Bandname vermuten lässt, aus zwei Anhängern des FC Bayern München und einem Fan von 1860 München, was sie in den Augen von Uli Hoeneß recht harmlos erscheinen lassen dürfte. Ihre ganze Arglosigkeit offenbarten die Sportfreunde Stiller zudem, als sie vor drei Jahren mit ihrem Lied "’54 ’74 ’90 2006" quasi die inoffizielle Hymne zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland beisteuerten. Millionenfach wurde dieses musikalisch nicht sonderlich ambitionierte Stück seinerzeit gedudelt, so dass man es als wahren Segen empfand, von ihm zumindest auf dem Schlossplatz verschont zu bleiben.
Die Sportfreunde Stiller spielten das Lied jedoch am Mittwochabend nicht, weil sie dem Publikum ihren kommerziell größten Erfolg vorenthalten wollten. Sondern weil es nicht in die "Dramaturgie" passte. Diese hat es so gewollt, dass eigentlich als erste Band auf dem Schlossplatz die Newcomer Polarkreis 18 auftreten sollten. Die wurde jedoch recht kurzfristig für das Vorprogramm der derzeit laufenden Deutschlandtournee von Depeche Mode engagiert. Daraufhin wurden die Sportfreunde Stiller verpflichtet, und da sie derzeit mit ihrem aktuellen Album die Charts stürmen, wurde der eigentliche Headliner Thomas D sozusagen zum Vorprogramm degradiert.
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Thomas D tat wie ihm befohlen, gab ein paar hübsche Spitzen in Richtung der hiesigen Politiker von sich, die seiner Band, den Fantastischen Vier, vor zehn Jahren einen Auftritt auf dem Schlossplatz noch mit dem Verweis auf mindere künstlerische Qualität untersagt hatten. Auch ansonsten hatte er bei seinem "kleinen Heimspiel" (das große Heimspiel mit den Fantastischen Vier auf dem Cannstatter Wasen folgt ja noch) ein paar weitere Sticheleien zu bieten, musikalisch war sein Auftritt mit einer üppig besetzten Band solide, allerdings auch nicht sonderlich bemerkenswert. Den Stuttgarter Schlossplatz deswegen einen Hexenkessel zu nennen, wäre jedenfalls gewiss übertrieben – nicht nur wegen der lediglich rund dreitausend Besucher, die sich einfanden. Das lag zwar im Rahmen der Erwartungen des Veranstalters, im hinteren Teil des Schlossplatzes ging es allerdings sehr luftig zu.
Aber zurück zur sogenannten Dramaturgie. Die Sportfreunde Stiller haben soeben das kommerziell sehr erfolgreiche Album "MTV unplugged in New York" veröffentlicht, und traten daher auch auf dem Schlossplatz zu einem Akustikkonzert an. Wenn deutsche Bands so etwas tun, befleißigen sie sich bekanntlich nicht etwa ungewöhnlicher Instrumentierungen, sondern greifen auf akustische statt elektrische Gitarren nebst Bläsersatz und Streicherbegleitung zurück. Das ist in Ordnung, musikalisch zwar nicht sonderlich interessant, aber immerhin stringent, fehlt es doch den Songs der Sportfreunde Stiller ohnehin an Finten- und Finessenreichtum.
"Wir kommen jetzt zu einer Sache, die ziemlich exklusiv und recht einmalig ist", so der SWR-Moderator in seiner Ansage des Konzerts. In dieser gewundenen und relativierenden Einschätzung hat er es eigentlich voll auf den Punkt gebracht: das ganze Programm ist nicht exklusiv und einmalig, sondern vergleichsweise schnöde. Bisweilen gleitet es auf Volksfestniveau ab, wenn das Publikum "Ein Prosit der Gemütlichkeit" skandiert und die Band von der Bühne "Wir sind doch irgendwie auch eine Bierband" repliziert, wenn – tatsächlich! - feuchtfröhlich "Humba Humba Täterä" gesungen wird, wenn Udo Jürgens’ "Ich war noch niemals in New York" angestimmt wird und sich Band und Publikum im Wechselspiel über VfB und FCB lustig machen, freilich auf so bravem Niveau, dass selbst Uli Hoeneß keine Einwände hätte.
So schleppt sich alles reichlich unspektakulär dahin. In seiner instrumentalen Umsetzung nicht sonderlich fesselnd, textlich (das allerdings hat man schon vorher gewusst) in einem außerordentlich überschaubaren Rahmen. Und musikalisch liefern die Sportfreunde Stiller spätestens in ihrer Zugabe, in der sie den großartigen Oasis-Song "Rock’n’Roll Star" – nun ja: interpretieren, die Begründung dafür, warum die bayrische Band vor dreitausend Zuschauern und die britische Band in Fußballstadien auftritt.
Weiter geht das Festival am Freitagabend mit dem SWR-3-Comedyabend. Am Samstag sind die Stars von SWR 4 zu Gast, und zum Abschluss am Sonntag spielt das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR.
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