Russenmafia-Prozess
FBI-Agent belastet den Angeklagten
Susanne Janssen, veröffentlicht am 11.06.2009
Stuttgart - Hoher Besuch am Landgericht: Im Geldwäsche-Prozess gegen vier Angeklagte hat am Mittwoch ein Spezialagent des FBI ausgesagt. Er will gehört haben, dass der Hauptangeklagte Alexander A. ein Führungsmitglied der Moskauer Mafia "Ismailowskaja" war.
Wieder einmal haben die Verteidiger der beiden Angeklagten Alexander A. und Oleg R. versucht, die Vernehmung des Zeugen zu verhindern. Der Spezialagent des FBI habe nur eine eingeschränkte Aussagegenehmigung, bestimmte Themenbereiche müssten ausgeklammert werden - damit waren die Anwälte nicht zufrieden. Die 5. Kammer des Landgerichts ließ sich jedoch nicht beeindrucken und lehnte einen Antrag nach dem anderen ab. Der 41-jährige FBI-Agent, der jetzt in Ungarn für die Vereinigten Staaten tätig ist, berichtete von sechs vertraulichen Informationsquellen, die ihm Einblick in die Struktur der Ismailowskaja gegeben haben.
In dem Prozess, der schon seit Oktober 2007 läuft, sind drei Männer und eine Frau wegen Geldwäsche angeklagt: Sie sollen rund acht Millionen, die aus kriminellen Geschäften der Ismailowskaja stammen, in Deutschland in Immobilien angelegt haben, um sie in den legalen Wirtschaftskreislauf einzubringen. Der 42-jährige Hauptangeklagte Alexander A. gilt der Staatsanwaltschaft als hochrangiges Mitglied der Mafiaorganisation, er wird deshalb besonders geschützt. Von den anderen Angeklagten soll zumindest Oleg R. gewusst haben, dass das Geld nicht aus legalen Quellen stammt. Die Verteidiger erklären diese Version zu einem Märchen: Es sei überhaupt nicht belegt, dass Alexander A., ein tiefgläubiger Mann und Mäzen der Kirche, Kontakte zur russischen Mafia gehabt habe.
Nun sollte der Mann vom FBI Licht ins Dunkel bringen. Doch der wiederholte größtenteils das, was schon ein Russe, der schwer bewacht in Israel im Exil lebt, erzählt hatte. Dass die Ismailowskaja einen geschäftlichen und einen kriminellen Zweig haben soll. Und dass Alexander A. einer der führenden Köpfe der Russenmafia war - was der Angeklagte nur mit einem Kopfschütteln bedachte.
"Alexander A. war ein Anführer der Ismailowskaja"
Doch der 41-jährige Spezialagent, der auf Kosten der Justiz nach Stuttgart geflogen kam, will diese Information noch von anderen Vertrauenspersonen bestätigt bekommen haben. "Ein zuverlässiger Zeuge hat mir im Mai 2006 erklärt, dass Alexander A. ein Anführer der Ismailowskaja war," erklärte der Agent. Dies habe der Zeuge mit einer Vielzahl von detaillierten biographischen Informationen belegen können. Auch Mitarbeiter von A. will der FBI-Mann über einen anderen Informanten ausgemacht haben.
Der Aussteiger in Israel habe ihm noch erzählt, dass die Ismailowskaja Probleme im Geschäftsbereich durch die kriminellen Sicherheitsleute schnell löse. Oleg Deripaska, ein russischer Oligarch, dem der Autokonzern Gaz gehört, der über Magna bei Opel einsteigen könnte, soll demnach den Aluminiumzweig der Mafiaorganisation geleitet haben - Deripaska, der mehrmals vergeblich vom Gericht als Zeuge geladen wurde, bestreitet jede Kontakte zur Ismailowskaja.
Der Amerikaner will auch gesicherte Informationen haben, dass die Mafia ihre Kriegskasse, den "Obschag", in der Schweiz und in Liechtenstein gebunkert hat. Millionen sollen für Schutz- und Bestechungsgelder geflossen sein - und letztlich auch über eine Treuhandgesellschaft in legale Geschäfte. Doch seine Quellen nannte der FBI-Agent natürlich nicht.
Für die Verteidigung sind das Märchen wie die von den Gebrüdern Grimm. Dennoch liegen die Nerven der Beteiligten blank. Die Vorsitzende Richterin der 5. Kammer wollte der 41-jährigen Mitangeklagten Elena R. am Dienstag eine Toilettenpause verweigern. Die Angeklagte hatte angegeben, ihr sei unwohl - das wollte die Vorsitzende nicht glauben.
Wieder einmal haben die Verteidiger der beiden Angeklagten Alexander A. und Oleg R. versucht, die Vernehmung des Zeugen zu verhindern. Der Spezialagent des FBI habe nur eine eingeschränkte Aussagegenehmigung, bestimmte Themenbereiche müssten ausgeklammert werden - damit waren die Anwälte nicht zufrieden. Die 5. Kammer des Landgerichts ließ sich jedoch nicht beeindrucken und lehnte einen Antrag nach dem anderen ab. Der 41-jährige FBI-Agent, der jetzt in Ungarn für die Vereinigten Staaten tätig ist, berichtete von sechs vertraulichen Informationsquellen, die ihm Einblick in die Struktur der Ismailowskaja gegeben haben.
In dem Prozess, der schon seit Oktober 2007 läuft, sind drei Männer und eine Frau wegen Geldwäsche angeklagt: Sie sollen rund acht Millionen, die aus kriminellen Geschäften der Ismailowskaja stammen, in Deutschland in Immobilien angelegt haben, um sie in den legalen Wirtschaftskreislauf einzubringen. Der 42-jährige Hauptangeklagte Alexander A. gilt der Staatsanwaltschaft als hochrangiges Mitglied der Mafiaorganisation, er wird deshalb besonders geschützt. Von den anderen Angeklagten soll zumindest Oleg R. gewusst haben, dass das Geld nicht aus legalen Quellen stammt. Die Verteidiger erklären diese Version zu einem Märchen: Es sei überhaupt nicht belegt, dass Alexander A., ein tiefgläubiger Mann und Mäzen der Kirche, Kontakte zur russischen Mafia gehabt habe.
Nun sollte der Mann vom FBI Licht ins Dunkel bringen. Doch der wiederholte größtenteils das, was schon ein Russe, der schwer bewacht in Israel im Exil lebt, erzählt hatte. Dass die Ismailowskaja einen geschäftlichen und einen kriminellen Zweig haben soll. Und dass Alexander A. einer der führenden Köpfe der Russenmafia war - was der Angeklagte nur mit einem Kopfschütteln bedachte.
"Alexander A. war ein Anführer der Ismailowskaja"
Doch der 41-jährige Spezialagent, der auf Kosten der Justiz nach Stuttgart geflogen kam, will diese Information noch von anderen Vertrauenspersonen bestätigt bekommen haben. "Ein zuverlässiger Zeuge hat mir im Mai 2006 erklärt, dass Alexander A. ein Anführer der Ismailowskaja war," erklärte der Agent. Dies habe der Zeuge mit einer Vielzahl von detaillierten biographischen Informationen belegen können. Auch Mitarbeiter von A. will der FBI-Mann über einen anderen Informanten ausgemacht haben.
Der Aussteiger in Israel habe ihm noch erzählt, dass die Ismailowskaja Probleme im Geschäftsbereich durch die kriminellen Sicherheitsleute schnell löse. Oleg Deripaska, ein russischer Oligarch, dem der Autokonzern Gaz gehört, der über Magna bei Opel einsteigen könnte, soll demnach den Aluminiumzweig der Mafiaorganisation geleitet haben - Deripaska, der mehrmals vergeblich vom Gericht als Zeuge geladen wurde, bestreitet jede Kontakte zur Ismailowskaja.
Der Amerikaner will auch gesicherte Informationen haben, dass die Mafia ihre Kriegskasse, den "Obschag", in der Schweiz und in Liechtenstein gebunkert hat. Millionen sollen für Schutz- und Bestechungsgelder geflossen sein - und letztlich auch über eine Treuhandgesellschaft in legale Geschäfte. Doch seine Quellen nannte der FBI-Agent natürlich nicht.
Für die Verteidigung sind das Märchen wie die von den Gebrüdern Grimm. Dennoch liegen die Nerven der Beteiligten blank. Die Vorsitzende Richterin der 5. Kammer wollte der 41-jährigen Mitangeklagten Elena R. am Dienstag eine Toilettenpause verweigern. Die Angeklagte hatte angegeben, ihr sei unwohl - das wollte die Vorsitzende nicht glauben.
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