Uni Stuttgart
Front gegen Umbaupläne wird größer
Inge Jacobs und Viola Volland, veröffentlicht am 11.06.2009
Stuttgart - Der Direktor des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung, Georg Maag, tritt aus Protest über die Pläne von Unirektor Ressel zurück. Kritik kommt auch von Emeritus Herwarth Röttgen. Die Studenten der Uni streiken nächste Woche.
Von Inge Jacobs und Viola Volland
Es ist eine Entscheidung, die nicht nur an der Universität Stuttgart Wellen schlagen dürfte: Am Mittwoch hat der geschäftsführende Direktor des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung, Georg Maag, in einer Direktoriumssitzung seinen Rücktritt erklärt. Er begründete diesen Schritt mit den aktuellen Plänen von Unirektor Wolfram Ressel, der 24 Professuren umwidmen will.
"Sollten die Geisteswissenschaften tatsächlich in der beabsichtigten Weise abgewickelt werden, so würde dies nicht nur einer Missachtung meiner bisher geleisteten Arbeit gleichkommen, sondern auch einen Affront gegenüber unseren Kooperationspartnern bedeuten", so Maag. Als "besonders fatal" bezeichnet der Professor die Wirkung der Vorschläge auf die aufgebauten deutsch-italienischen und deutsch-französischen Kooperationen.
Auch Herwarth Röttgen protestiert öffentlich
Zahlreiche Projekte in dem im Herbst 2007 eingeweihten Italien-Zentrum liefen. "Wenn man nun die Streichung der Italianistik in Stuttgart in Aussicht stellt, teilt man diesen Partnern mit, dass sie einen Baum gießen, der ohnehin bald gefallt werden wird", betont Maag. Für den Frankreich-Schwerpunkt gelte das gleiche. "Ein neuer Vertrag ist gerade erst unterzeichnet worden. Nun teilt man uns mit, dass die Stuttgarter Romanistik abgeschafft werden soll. Wie passt das zusammen", fragt Maag.
Georg Maag ist nicht der einzige, der seinen Protest öffentlich macht und persönliche Konsequenzen zieht: "Es ist mir gegenwärtig nicht mehr möglich, mich noch zu den Freunden der Universität Stuttgart zu zählen." Dies schreibt der Emeritus für Kunstgeschichte Herwarth Röttgen dem Vorstand der Vereinigung von Freunden der Uni Stuttgart mit Kopie an den Rektor Wolfram Ressel und erklärt damit seinen Vereinsaustritt. Als Grund gibt er den "undemokratischen und aller Mitbestimmung fernen diktatorischen Alleingang" Ressels an, der den Geisteswissenschaften "par ordre du mufti die Vernichtung" angesagt habe, nur um bei der Exzellenzinitiative zum Zuge zu kommen.
Röttgen war in dem 1865 gegründeten Institut für Kunstgeschichte von 1977 bis 1997 Ordinarius. "Dieses Profilgerede", so Röttgen, sei ein Skandal, weil mit der Umwidmung von 16 Professoren aus den Geisteswissenschaften nicht nur die Kunstgeschichte, sondern auch die Basis für eine Volluniversität verschwinde. Dies kritisieren nun auch der Juso-Kreisverband Stuttgart, die Liberalen Hochschulgruppen Baden-Württemberg, der Ring Christlich-Demokratischer Studenten Baden-Württemberg und der CDU-Bundestagskandidat Stefan Kaufmann.
Ressel bekommt Rückendeckung von der IHK
Rückendeckung bekommt Ressel dafür von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Knappe Haushaltsmittel, Wettbewerb unter den Unis und eine stärkere Ausrichtung an den Erfordernissen der Arbeitsmärkte legten Schwerpunktbildungen nahe, so der IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter. Die Unternehmen seien auf ein leistungsstarkes Angebot in Forschung und Lehre der Ingenieur- und Naturwissenschaften angewiesen. Notwendig sei aber auch eine Exzellenz in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften - etwa so, wie sie mit der Universität Mannheim in der Metropolregion Rhein-Neckar "seit Jahren vorgelebt wird".
Die Initiative Volluniversität, die den Protest gegen den "Masterplan" von Wolfram Ressel auf Seiten der Studierenden organisiert, will den bundesweiten Bildungsstreik in der nächsten Woche nutzen, um gegen Ressels Pläne zu mobilisieren und Einfluss auf den Senat, den Unirat und das Ministerium zu üben. Ziel ist, das Vorhaben noch zu kippen. Am Mittwoch haben die Studierenden der Uni Stuttgart in zwei Vollversammlung in überwältigender Mehrheit für die Beteiligung am Bildungsstreik votiert.
In Mitte, wo sich mehr als 1000 Studenten im großen Tiefenhörsaal versammelt hatten, wurde die Resolution ohne Gegenstimme beschlossen - in Vaihingen, wo 500 Studierende dem Aufruf gefolgt waren, gab es fünf Gegenstimmen. Nur mit einer Gegenstimme wurde in den Vollversammlungen über die Ablehnung des Masterplanes von Ressel befunden. 1032 Studierende unterschrieben in Mitte gegen die Pläne. "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen", rief Dirk Lenz von der Initiative Volluniversität unter Applaus. Im Anschluss an die Versammlung demonstrierten 500 Studierende spontan und zogen von der Uni zum Schlossplatz.
In ihrer Resolution zum Bildungsstreik fordern die Studenten unter anderem eine soziale Öffnung der Hochschulen. Auch gegen die Ausgestaltung der Bachelor- und Masterstudiengänge wird sich der Protest richten. Bei dem fünftägigen Bildungsstreik, für den ein Alternativprogramm ausgearbeitet wurde, soll es also um deutlich mehr gehen als um die neue Ausrichtung der Uni Stuttgart - doch die Motivation, an dem Ausstand teilzunehmen, dürfte bei vielen genau hier begründet sein. "Die Mobilisierung ist sehr hoch", sagt Lisa Neher vom AK Bildung, der den Streik organisiert.
Wie viel persönliche Betroffenheit ausmacht, zeigt der Vergleich zur Uni Hohenheim. Dort sind 100 Studierende zur Streikvollversammlung am Mittwoch erschienen. Die Hohenheimer haben sich deshalb entschlossen, sich in Form eines "Protestes" in der nächsten Woche einzubringen.
Von Inge Jacobs und Viola Volland
Es ist eine Entscheidung, die nicht nur an der Universität Stuttgart Wellen schlagen dürfte: Am Mittwoch hat der geschäftsführende Direktor des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung, Georg Maag, in einer Direktoriumssitzung seinen Rücktritt erklärt. Er begründete diesen Schritt mit den aktuellen Plänen von Unirektor Wolfram Ressel, der 24 Professuren umwidmen will.
"Sollten die Geisteswissenschaften tatsächlich in der beabsichtigten Weise abgewickelt werden, so würde dies nicht nur einer Missachtung meiner bisher geleisteten Arbeit gleichkommen, sondern auch einen Affront gegenüber unseren Kooperationspartnern bedeuten", so Maag. Als "besonders fatal" bezeichnet der Professor die Wirkung der Vorschläge auf die aufgebauten deutsch-italienischen und deutsch-französischen Kooperationen.
Auch Herwarth Röttgen protestiert öffentlich
Zahlreiche Projekte in dem im Herbst 2007 eingeweihten Italien-Zentrum liefen. "Wenn man nun die Streichung der Italianistik in Stuttgart in Aussicht stellt, teilt man diesen Partnern mit, dass sie einen Baum gießen, der ohnehin bald gefallt werden wird", betont Maag. Für den Frankreich-Schwerpunkt gelte das gleiche. "Ein neuer Vertrag ist gerade erst unterzeichnet worden. Nun teilt man uns mit, dass die Stuttgarter Romanistik abgeschafft werden soll. Wie passt das zusammen", fragt Maag.
Georg Maag ist nicht der einzige, der seinen Protest öffentlich macht und persönliche Konsequenzen zieht: "Es ist mir gegenwärtig nicht mehr möglich, mich noch zu den Freunden der Universität Stuttgart zu zählen." Dies schreibt der Emeritus für Kunstgeschichte Herwarth Röttgen dem Vorstand der Vereinigung von Freunden der Uni Stuttgart mit Kopie an den Rektor Wolfram Ressel und erklärt damit seinen Vereinsaustritt. Als Grund gibt er den "undemokratischen und aller Mitbestimmung fernen diktatorischen Alleingang" Ressels an, der den Geisteswissenschaften "par ordre du mufti die Vernichtung" angesagt habe, nur um bei der Exzellenzinitiative zum Zuge zu kommen.
Röttgen war in dem 1865 gegründeten Institut für Kunstgeschichte von 1977 bis 1997 Ordinarius. "Dieses Profilgerede", so Röttgen, sei ein Skandal, weil mit der Umwidmung von 16 Professoren aus den Geisteswissenschaften nicht nur die Kunstgeschichte, sondern auch die Basis für eine Volluniversität verschwinde. Dies kritisieren nun auch der Juso-Kreisverband Stuttgart, die Liberalen Hochschulgruppen Baden-Württemberg, der Ring Christlich-Demokratischer Studenten Baden-Württemberg und der CDU-Bundestagskandidat Stefan Kaufmann.
Ressel bekommt Rückendeckung von der IHK
Rückendeckung bekommt Ressel dafür von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Knappe Haushaltsmittel, Wettbewerb unter den Unis und eine stärkere Ausrichtung an den Erfordernissen der Arbeitsmärkte legten Schwerpunktbildungen nahe, so der IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter. Die Unternehmen seien auf ein leistungsstarkes Angebot in Forschung und Lehre der Ingenieur- und Naturwissenschaften angewiesen. Notwendig sei aber auch eine Exzellenz in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften - etwa so, wie sie mit der Universität Mannheim in der Metropolregion Rhein-Neckar "seit Jahren vorgelebt wird".
Die Initiative Volluniversität, die den Protest gegen den "Masterplan" von Wolfram Ressel auf Seiten der Studierenden organisiert, will den bundesweiten Bildungsstreik in der nächsten Woche nutzen, um gegen Ressels Pläne zu mobilisieren und Einfluss auf den Senat, den Unirat und das Ministerium zu üben. Ziel ist, das Vorhaben noch zu kippen. Am Mittwoch haben die Studierenden der Uni Stuttgart in zwei Vollversammlung in überwältigender Mehrheit für die Beteiligung am Bildungsstreik votiert.
In Mitte, wo sich mehr als 1000 Studenten im großen Tiefenhörsaal versammelt hatten, wurde die Resolution ohne Gegenstimme beschlossen - in Vaihingen, wo 500 Studierende dem Aufruf gefolgt waren, gab es fünf Gegenstimmen. Nur mit einer Gegenstimme wurde in den Vollversammlungen über die Ablehnung des Masterplanes von Ressel befunden. 1032 Studierende unterschrieben in Mitte gegen die Pläne. "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen", rief Dirk Lenz von der Initiative Volluniversität unter Applaus. Im Anschluss an die Versammlung demonstrierten 500 Studierende spontan und zogen von der Uni zum Schlossplatz.
In ihrer Resolution zum Bildungsstreik fordern die Studenten unter anderem eine soziale Öffnung der Hochschulen. Auch gegen die Ausgestaltung der Bachelor- und Masterstudiengänge wird sich der Protest richten. Bei dem fünftägigen Bildungsstreik, für den ein Alternativprogramm ausgearbeitet wurde, soll es also um deutlich mehr gehen als um die neue Ausrichtung der Uni Stuttgart - doch die Motivation, an dem Ausstand teilzunehmen, dürfte bei vielen genau hier begründet sein. "Die Mobilisierung ist sehr hoch", sagt Lisa Neher vom AK Bildung, der den Streik organisiert.
Wie viel persönliche Betroffenheit ausmacht, zeigt der Vergleich zur Uni Hohenheim. Dort sind 100 Studierende zur Streikvollversammlung am Mittwoch erschienen. Die Hohenheimer haben sich deshalb entschlossen, sich in Form eines "Protestes" in der nächsten Woche einzubringen.
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