Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Samstag, 11. Februar 2012

Stuttgart & Region


Schweinegrippe-Pandemie

Kein Grund zur Panik

Christine Keck, veröffentlicht am 12.06.2009
Foto: dpa

Stuttgart - Die Weltgesundheitsorganisation hat zwar für die Schweinegrippe die höchste Warnstufe ausgegeben, aber die Bedrohungslage in Stuttgart ist unverändert. Es gebe keinen Grund zur Panik, sagt der Krankenhausbürgermeister Klaus-Peter Murawski.


  Von Christine Keck

 
Wer sich vorgenommen hat, am Wochenende eine Schlagernacht auf dem Schlossplatz zu verbringen oder die Sonnenstunden im Schwimmbad zu genießen, sollte sich nicht von den Nachrichten über die Ausbreitung der Schweinegrippe verunsichern lassen. "Es gibt keinen Grund Großveranstaltungen zu meiden", sagt der Krankenhausbürgermeister Klaus-Peter Murawski (Grüne). Er verweist auf die geringe Zahl von 16 Fällen in Baden-Württemberg, darunter bisher einem in Stuttgart, und andererseits auf den relativ glimpflichen Krankheitsverlauf.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe den Pandemie-Alarm auf die höchste Stufe sechs anheben müssen, weil die entsprechenden Kriterien erfüllt waren. Diese sind eine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Erregers sowie eine Ausbreitung in mindestens zwei WHO-Regionen.

Stuttgarter Krankenhäuser bestens vorbereitet

Die Höhe der Warnstufe bedeute nicht, dass der Erreger gefährlicher geworden sei, betont Murawski und sieht für Stuttgart keinen aktuellen Handlungsbedarf. "Wir sind so gut vorbereitet wie wir können", sagt der Krankenhausbürgermeister und bezieht sich auf die Notfallplanung, die in Zeiten des Vogelgrippealarms erarbeitet worden ist. Antivirale Medikamente und Atemschutzmasken sind gekauft, Aktionspläne entworfen worden.

Mit den 300.000 Tamiflu-Kapseln können 7200 Arbeitskräfte wie etwa Ärzte, Pflegekräfte oder Feuerwehrleute sechs Wochen lang versorgt werden. Grund zum Aufatmen gebe die Tatsache, dass der Schweinegrippeerreger bereits identifiziert und ein Impfstoff wohl in ein paar Monaten erhältlich sein wird, sagt Murawski. Die Experten rechnen damit, dass die Schweingrippe im Herbst in einer zweiten Welle wiederkommen und ein veränderter Erreger zu drastischen Krankheitssymptomen führen könnte.

In Stuttgart sind keine neuen Fälle aufgetreten

An die Besonnenheit der Bevölkerung appelliert Martin Priwitzer vom städtischen Gesundheitsamt. Die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken sei gering, nur eine Handvoll Menschen hätten sich in Stuttgart und der Region bisher infiziert und in allen Fällen sei die Erkrankung gut zu behandeln gewesen. "Die Medikamente helfen", so Priwitzer. "Für Stuttgart hat die Anhebung der Warnstufe keine besondere Bedeutung", erklärt der Mediziner, denn anders als in der japanischen Schule in Düsseldorf seien keine neuen Verdachtsfälle aufgetreten.

Ebenfalls ganz ruhig ist Anca Schuster, die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes Göppingen. Im Kreis Göppingen war Ende Mai der erste Fall von Schweinegrippe in Baden-Württemberg bekannt geworden. Ein 24-jähriger Mann, dem es inzwischen wieder gut geht, hatte sich das Virus bei einer Geschäftsreise in den USA eingefangen. "Die Bevölkerung ist ruhig", beschreibt Schuster die Situation, "von Hysterie habe ich bisher nichts bemerkt." Es sei ein großes Glück, dass das Virus nicht die schweren Erkrankungen hervorrufe, wie einst der Erreger bei der historischen Grippewelle von 1918. "Das war ein extrem aggressives Virus", betont Schuster, eines das von seiner Gefährlichkeit nicht mit dem bisherigen Schweinegrippeerreger vergleichbar sei.

Beschwichtigende Sätze kommen auch von der baden-württembergischen Gesundheitsministerin Monika Stolz. "Noch ist das Virus bei uns nicht im Umlauf", sagt die Politikerin. Bei den in Deutschland festgestellten Erkrankungen an Influenza A/H1N1 handele es sich mit wenigen Ausnahmen um importierte Fälle. In Baden-Württemberg hatten sich zuletzt nach Angaben des Ministeriums eine Frau aus dem Kreis Reutlingen, ein Mädchen aus der Karlsruher Region sowie ein Mann und sein vierjähriger Sohn aus dem Rhein-Neckar-Kreis infiziert. Außerdem untersuchen Mediziner noch zwei Fälle aus Ulm und drei aus dem Bodenseekreis.
 
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