SOKO-Dreharbeiten in Stuttgart
Nachhilfe bei der Spurensicherung
Susanne Janssen, veröffentlicht am 14.06.2009
Siehe auch
Stuttgart - Die erste Staffel zur Soko Stuttgart wird bis zum Herbst gedreht - und die Schauspieler werden von Beamten des Polizeipräsidiums "kollegial" begleitet. Rund 40 haben sich als Statisten gemeldet und haben Kurzauftritte in der Fernsehserie. Und sie beraten die Filmkommissare.
Von Susanne Janssen
Im wirklichen Polizeileben ist Jörg Dittgen Spurensicherer, ein hoch spezialisierter Experte, der im weißen Schutzanzug am Tatort eines Verbrechens wichtige Beweismittel sichert. Bei der Soko Stuttgart trägt der 43-Jährige zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder eine Uniform: Er mimt einen Schutzpolizisten, der seinem Chef das Tor öffnet. Nicht nur einmal, sondern immer wieder - und das bei strömenden Regen. "Das Drehen ist Knochenarbeit," erklärt der Beamte. Ein straffer Drehplan, der durchgezogen werden muss, auch wenn die Nerven bei den Schauspielern und dem Regisseur blank liegen.
"Papa, da musst Du Dich melden"
Dittgen ist zu seiner Statistenrolle eigentlich nur durch seinen elfjährigen Sohn gekommen. Die Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit hatte eine Rundmail an alle Stuttgarter Beamten geschickt, dass das Soko-Team Statisten suche - und natürlich echte Beamte bevorzugt. "Ich habe noch gedacht, welcher Idiot sich da wohl meldet," schmunzelt Dittgen. Beim Abendessen sah sein Sohn gerade Soko Leipzig, da erzählte er seiner Frau, "die suchen doch tatsächlich Statisten für die Serie aus Stuttgart." Sein Sohn habe sofort gesagt "Papa, da musst du dich melden".
Dem Nachwuchs zuliebe saß er nun da - und musste gleich den Job machen, den er bei den Fernsehserien am lächerlichsten fand: "den Kommissaren zu Diensten sein." Aufgeregt war der 43-Jährige nicht, von Lampenfieber keine Spur. Die Schauspieler seien "teilweise ganz locker, teilweise haben sie aber Starallüren". Auf Harald Schmidt, der einen Psychiatrie-Direktor spielte, lässt er nichts kommen: "Der war total nett und freundlich, wie ein guter Nachbar."
Viermal war Dittgen bisher als Statist in seiner Freizeit im Einsatz. Der Zeitaufwand sei gewaltig: "Sieben bis acht Stunden Arbeit für fünf Minuten," sagt er . Neben seiner Statistentätigkeit hat er aber auch die Schauspieler beraten. Mike Zaka Sommerfeldt spielt in der Serie einen Kriminaltechniker: "Er hatte überhaupt keine Ahnung," sagt der Beamte. Dittgen lud ihn daraufhin auf seine Dienststelle ein und zeigte ihm die wichtigsten Handgriffe. Auch wenn die Kamera einiges nur für zehn Sekunden einfängt, vieles hat der Profi ändern können, "damit es ein wenig realistischer ist". Dennoch sei es so, dass für die Filmemacher "das Bild Vorrang hat vor der Logik". Deshalb schaut Dittgen, wie viele seiner Kollegen, sich ganz selten Soko- oder Tatort-Krimis an.
Im echten Leben dreht sich nicht alles um die Kommissare
Das ist bei Britta Reißer anders. Die 26-jährige Polizistin vom Revier Zuffenhausen verpasst keine Tatort-Folge, schwärmt für amerikanische Krimiserien und hat sich deshalb auch sofort gemeldet, als die E-Mail mit der Statistenanfrage kam. Gesine Hannemann, die für die Statisten am Set zuständig ist, nahm die junge Polizeibeamtin sofort in ihre Liste auf, auf der schon viele andere Stuttgarter Polizeibeamte standen. Bereits vier Tage später kam Britta Reißer zu ihrem ersten Einsatz vor der Kamera.
Dabei tauschte sie mit ihrem Kollegen Dittgen die Rollen: Die Schutzpolizistin schlüpfte in einen weißen Schutzanzug und mimte eine Spurenexpertin, während Dittgen vor der Kamera in Uniform "Hiwi-Dienste" versehen musste. "Das ist im richtigen Leben anders," sagt Reißer. Überhaupt sei bei der Polizei nicht alles so auf die Kommissare fixiert wie im Fernsehen. Zudem würden Tätigkeiten am Schreibtisch im Film natürlich ganz ausgeblendet, weil sie nicht spannend genug seien. Dennoch attestiert sie den Machern der Soko, "dass sie sich zumindest Mühe gegeben haben, die Abläufe richtig darzustellen". Denn sonst halten viele Zuschauer den Fernsehalltag für Realität. Britta Reißer hat oft schon erlebt, dass die Leute dachten, sie könnte sofort alle Informationen über jemanden abrufen - wie im Film.
Sie kam sogar zu etwas Text: Auf die Frage "wo ist der Chef?" habe sie "da oben" sagen müssen. Für die 26-Jährige war das Drehen ein großer Spaß, verbunden mit vielen neuen Erkenntnissen. Auch wenn alle der Meinung waren, es habe fehlerfrei geklappt, musste jede Szene noch ein paar Mal wiederholt werden. Vier Drehtage hat sie bisher absolviert, für jeden gab es 40 Euro Aufwandsentschädigung. Die Serie werde sicher tolle Einschaltquoten haben, meint sie: "Allein schon, weil dann alle Kollegen einschalten." Und die Freunde noch dazu.
Von Susanne Janssen
Im wirklichen Polizeileben ist Jörg Dittgen Spurensicherer, ein hoch spezialisierter Experte, der im weißen Schutzanzug am Tatort eines Verbrechens wichtige Beweismittel sichert. Bei der Soko Stuttgart trägt der 43-Jährige zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder eine Uniform: Er mimt einen Schutzpolizisten, der seinem Chef das Tor öffnet. Nicht nur einmal, sondern immer wieder - und das bei strömenden Regen. "Das Drehen ist Knochenarbeit," erklärt der Beamte. Ein straffer Drehplan, der durchgezogen werden muss, auch wenn die Nerven bei den Schauspielern und dem Regisseur blank liegen.
"Papa, da musst Du Dich melden"
Dittgen ist zu seiner Statistenrolle eigentlich nur durch seinen elfjährigen Sohn gekommen. Die Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit hatte eine Rundmail an alle Stuttgarter Beamten geschickt, dass das Soko-Team Statisten suche - und natürlich echte Beamte bevorzugt. "Ich habe noch gedacht, welcher Idiot sich da wohl meldet," schmunzelt Dittgen. Beim Abendessen sah sein Sohn gerade Soko Leipzig, da erzählte er seiner Frau, "die suchen doch tatsächlich Statisten für die Serie aus Stuttgart." Sein Sohn habe sofort gesagt "Papa, da musst du dich melden".
Dem Nachwuchs zuliebe saß er nun da - und musste gleich den Job machen, den er bei den Fernsehserien am lächerlichsten fand: "den Kommissaren zu Diensten sein." Aufgeregt war der 43-Jährige nicht, von Lampenfieber keine Spur. Die Schauspieler seien "teilweise ganz locker, teilweise haben sie aber Starallüren". Auf Harald Schmidt, der einen Psychiatrie-Direktor spielte, lässt er nichts kommen: "Der war total nett und freundlich, wie ein guter Nachbar."
Viermal war Dittgen bisher als Statist in seiner Freizeit im Einsatz. Der Zeitaufwand sei gewaltig: "Sieben bis acht Stunden Arbeit für fünf Minuten," sagt er . Neben seiner Statistentätigkeit hat er aber auch die Schauspieler beraten. Mike Zaka Sommerfeldt spielt in der Serie einen Kriminaltechniker: "Er hatte überhaupt keine Ahnung," sagt der Beamte. Dittgen lud ihn daraufhin auf seine Dienststelle ein und zeigte ihm die wichtigsten Handgriffe. Auch wenn die Kamera einiges nur für zehn Sekunden einfängt, vieles hat der Profi ändern können, "damit es ein wenig realistischer ist". Dennoch sei es so, dass für die Filmemacher "das Bild Vorrang hat vor der Logik". Deshalb schaut Dittgen, wie viele seiner Kollegen, sich ganz selten Soko- oder Tatort-Krimis an.
Im echten Leben dreht sich nicht alles um die Kommissare
Das ist bei Britta Reißer anders. Die 26-jährige Polizistin vom Revier Zuffenhausen verpasst keine Tatort-Folge, schwärmt für amerikanische Krimiserien und hat sich deshalb auch sofort gemeldet, als die E-Mail mit der Statistenanfrage kam. Gesine Hannemann, die für die Statisten am Set zuständig ist, nahm die junge Polizeibeamtin sofort in ihre Liste auf, auf der schon viele andere Stuttgarter Polizeibeamte standen. Bereits vier Tage später kam Britta Reißer zu ihrem ersten Einsatz vor der Kamera.
Dabei tauschte sie mit ihrem Kollegen Dittgen die Rollen: Die Schutzpolizistin schlüpfte in einen weißen Schutzanzug und mimte eine Spurenexpertin, während Dittgen vor der Kamera in Uniform "Hiwi-Dienste" versehen musste. "Das ist im richtigen Leben anders," sagt Reißer. Überhaupt sei bei der Polizei nicht alles so auf die Kommissare fixiert wie im Fernsehen. Zudem würden Tätigkeiten am Schreibtisch im Film natürlich ganz ausgeblendet, weil sie nicht spannend genug seien. Dennoch attestiert sie den Machern der Soko, "dass sie sich zumindest Mühe gegeben haben, die Abläufe richtig darzustellen". Denn sonst halten viele Zuschauer den Fernsehalltag für Realität. Britta Reißer hat oft schon erlebt, dass die Leute dachten, sie könnte sofort alle Informationen über jemanden abrufen - wie im Film.
Sie kam sogar zu etwas Text: Auf die Frage "wo ist der Chef?" habe sie "da oben" sagen müssen. Für die 26-Jährige war das Drehen ein großer Spaß, verbunden mit vielen neuen Erkenntnissen. Auch wenn alle der Meinung waren, es habe fehlerfrei geklappt, musste jede Szene noch ein paar Mal wiederholt werden. Vier Drehtage hat sie bisher absolviert, für jeden gab es 40 Euro Aufwandsentschädigung. Die Serie werde sicher tolle Einschaltquoten haben, meint sie: "Allein schon, weil dann alle Kollegen einschalten." Und die Freunde noch dazu.
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