Verhandlungen
Katar will bei Porsche mitreden
Harry Pretzlaff, veröffentlicht am 14.06.2009
Stuttgart - Porsche verhandelt mit Hochdruck über einen Einstieg des Emirats Katar bei dem Stuttgarter Konzern. Bis Ende Juni könnte eine Grundsatzentscheidung fallen.
Von Harry Pretzlaff
Das Emirat versteht sich offenbar nicht als stiller Finanzinvestor, sondern will auch bei der Strategie mitreden und strebt deshalb eine Beteiligung in Höhe von mindestens 25 Prozent an der Porsche Holding an. Die genaue Prüfung der Bücher, die stets einem Engagement vorausgeht, soll abgeschlossen sein. Am Wochenende sollen vertiefende Gespräche über den Einstieg des neuen Ankeraktionärs gelaufen sein, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".
In Konstruktiver Atmosphäre
Ein Porsche-Sprecher wollte sich am Sonntag nicht zu Details der Verhandlungen und zum Zeitplan äußern. Er bekräftigte jedoch, dass die Gespräche in einer konstruktiven Atmosphäre stattfänden. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung aus dem Umfeld der Verhandlungspartner dürfte in den kommenden Tagen noch nicht mit einer Grundsatzentscheidung zu rechnen sein. Bis Ende Juni könnte dies jedoch der Fall sein.
Eine Einigung zwischen dem Porsche-Vorstand und der Delegation des arabischen Investors wäre jedoch erst der erste Schritt eines mehrstufigen Verfahrens. Unklar ist derzeit vor allem, ob der Clan der Porsches und Piëchs die ausgehandelten Details gutheißen würde. Die beiden Familienstämme halten sämtliche Stammaktien und haben deshalb bisher allein das Sagen bei dem Stuttgarter Unternehmen. Andere Anleger mussten sich bisher mit stimmrechtlosen Vorzugsaktien begnügen, was auf Hauptversammlungen stets Kritik ausgelöst hat. Für die Familie wäre der Einstieg eines Investors, der Stammaktien erhält, ein Tabubruch. Bisher haben sie dies über all die Jahrzehnte selbst in schwierigen Zeiten verhindern können.
Die Familie hat vor einigen Wochen grundsätzlich erklären lassen, dass sie geschlossen hinter einem möglichen Einstieg eines Investors stünde. Doch hinter den Kulissen gab es, wie bei Insidern zu hören ist, auch in letzter Zeit durchaus Meinungsverschiedenheiten. Der VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Ferdinand Piëch würde dem Vernehmen nach bevorzugen, dass die Schuldenprobleme von Porsche gelöst werden, indem VW das Autogeschäft von Porsche übernimmt und die Sportwagenmarke beim Wolfsburger Konzern eingegliedert wird. Ferdinand Piëch hätte jedoch im Familienkreis nur gemeinsam mit seinem Bruder Hans Michel eine Sperrminorität. Nach einem Bericht des "Spiegels" soll jedoch auch Hans Michel Piëch für den Einstieg des Staatsfonds aus Katar sein.
Frühestens im Herbst fließen die Gelder
Falls die Familie grünes Licht für den Einstieg des Emirats geben sollte, dürfte es gleichwohl bis zum Herbst dauern, bevor die Milliarden aus einer Kapitalerhöhung auf den Konten von Porsche eingehen. Zunächst einmal müsste der Aufsichtsrat zustimmen, danach müsste eine außerordentliche Hauptversammlung stattfinden.
Schnellere Hilfe bei der Lösung der Schuldenprobleme erhofft sich Porsche von einem Kredit der staatlichen Förderbank KfW. Nach einem Bericht des Magazins "Focus" soll es hinter den Kulissen Streit über den Kreditantrag in Höhe von 1,75 Milliarden Euro geben. Während KfW-Vorstand Axel Nawrath dafür sei, weil er darin ein gutes Geschäft sehe, gebe es im Regierungslager Widerstand. Die KfW wollte sich am Sonntag nicht dazu äußern. Porsche hat betont, dass bei einer Bewilligung des Kredits marktübliche Zinsen gezahlt würden und für den Steuerzahler kein Risiko bestünde, weil das Darlehen gut abgesichert würde, unter anderem mit VW-Aktien. Die Entscheidung über den Kredit trifft jedoch nicht die KfW, sondern der sogenannte Lenkungsausschuss, in dem drei Ministerien und das Kanzleramt vertreten sind.
Von Harry Pretzlaff
Das Emirat versteht sich offenbar nicht als stiller Finanzinvestor, sondern will auch bei der Strategie mitreden und strebt deshalb eine Beteiligung in Höhe von mindestens 25 Prozent an der Porsche Holding an. Die genaue Prüfung der Bücher, die stets einem Engagement vorausgeht, soll abgeschlossen sein. Am Wochenende sollen vertiefende Gespräche über den Einstieg des neuen Ankeraktionärs gelaufen sein, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".
In Konstruktiver Atmosphäre
Ein Porsche-Sprecher wollte sich am Sonntag nicht zu Details der Verhandlungen und zum Zeitplan äußern. Er bekräftigte jedoch, dass die Gespräche in einer konstruktiven Atmosphäre stattfänden. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung aus dem Umfeld der Verhandlungspartner dürfte in den kommenden Tagen noch nicht mit einer Grundsatzentscheidung zu rechnen sein. Bis Ende Juni könnte dies jedoch der Fall sein.
Eine Einigung zwischen dem Porsche-Vorstand und der Delegation des arabischen Investors wäre jedoch erst der erste Schritt eines mehrstufigen Verfahrens. Unklar ist derzeit vor allem, ob der Clan der Porsches und Piëchs die ausgehandelten Details gutheißen würde. Die beiden Familienstämme halten sämtliche Stammaktien und haben deshalb bisher allein das Sagen bei dem Stuttgarter Unternehmen. Andere Anleger mussten sich bisher mit stimmrechtlosen Vorzugsaktien begnügen, was auf Hauptversammlungen stets Kritik ausgelöst hat. Für die Familie wäre der Einstieg eines Investors, der Stammaktien erhält, ein Tabubruch. Bisher haben sie dies über all die Jahrzehnte selbst in schwierigen Zeiten verhindern können.
Die Familie hat vor einigen Wochen grundsätzlich erklären lassen, dass sie geschlossen hinter einem möglichen Einstieg eines Investors stünde. Doch hinter den Kulissen gab es, wie bei Insidern zu hören ist, auch in letzter Zeit durchaus Meinungsverschiedenheiten. Der VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Ferdinand Piëch würde dem Vernehmen nach bevorzugen, dass die Schuldenprobleme von Porsche gelöst werden, indem VW das Autogeschäft von Porsche übernimmt und die Sportwagenmarke beim Wolfsburger Konzern eingegliedert wird. Ferdinand Piëch hätte jedoch im Familienkreis nur gemeinsam mit seinem Bruder Hans Michel eine Sperrminorität. Nach einem Bericht des "Spiegels" soll jedoch auch Hans Michel Piëch für den Einstieg des Staatsfonds aus Katar sein.
Frühestens im Herbst fließen die Gelder
Falls die Familie grünes Licht für den Einstieg des Emirats geben sollte, dürfte es gleichwohl bis zum Herbst dauern, bevor die Milliarden aus einer Kapitalerhöhung auf den Konten von Porsche eingehen. Zunächst einmal müsste der Aufsichtsrat zustimmen, danach müsste eine außerordentliche Hauptversammlung stattfinden.
Schnellere Hilfe bei der Lösung der Schuldenprobleme erhofft sich Porsche von einem Kredit der staatlichen Förderbank KfW. Nach einem Bericht des Magazins "Focus" soll es hinter den Kulissen Streit über den Kreditantrag in Höhe von 1,75 Milliarden Euro geben. Während KfW-Vorstand Axel Nawrath dafür sei, weil er darin ein gutes Geschäft sehe, gebe es im Regierungslager Widerstand. Die KfW wollte sich am Sonntag nicht dazu äußern. Porsche hat betont, dass bei einer Bewilligung des Kredits marktübliche Zinsen gezahlt würden und für den Steuerzahler kein Risiko bestünde, weil das Darlehen gut abgesichert würde, unter anderem mit VW-Aktien. Die Entscheidung über den Kredit trifft jedoch nicht die KfW, sondern der sogenannte Lenkungsausschuss, in dem drei Ministerien und das Kanzleramt vertreten sind.
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