Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Samstag, 11. Februar 2012

Stuttgart & Region


Konzept zur Sanierung

Lusthaus-Ruine wird doch gerettet

Mathias Bury, veröffentlicht am 17.06.2009
Foto: Steinert

Stuttgart - Jahrzehnte hat die Zeit an der Ruine des alten Lusthauses im Schlossgarten genagt. Nun meldet der Förderverein Neues Lusthaus Erfreuliches: "Die Ruine wird gerettet", sagt der Vereinsvorsitzende Roland Ostertag. Dazu habe sich das Land jetzt bereiterklärt.


  Von Mathias Bury

 
Das alte Lusthaus ist viele Jahrhunderte lang ein Schmuckstück der Stuttgarter Baugeschichte gewesen. Erbaut von 1584 bis 1593 von dem Architekten Georg Beer im Auftrag von Herzog Ludwig von Württemberg, war der Renaissancebau ein Zentrum des geselligen Lebens in der Residenzstadt. Dort fanden höfische Feste und später auch Theater- und Opernaufführungen statt.

Im Jahr 1902 fand diese glanzvolle Geschichte ein Ende: Ein Brand zerstörte weitgehend den historischen Bau, der an der Stelle des heutigen Kunstvereinsgebäudes stand. Die spärlichen Reste des kunsthistorisch bedeutenden Bauwerks: eine Loggia, Arkaden mit Gewölben und eine zweiläufige Freitreppe. 1904 wurden diese Überbleibsel in den Schlossgarten versetzt. Dort fristen sie seither ein Dasein als romantische Ruine, als Zeugnis einer großen Zeit.

Zähe Verhandlungen um die Ruine

In den vergangenen Jahren zeigte sich immer deutlicher, dass die Sicherung der Lusthaus-Ruine unzureichend war. Sie konnte den weiteren Verfall nicht aufhalten. "Bis vor wenigen Jahren wollte das Land die Ruine in Würde sterben lassen", erinnert sich Roland Ostertag, der Vorsitzende des Vereins Neues Lusthaus, der sich im Juli 2008 gegründet hat und in dem viele bekannte Kulturschaffende der Stadt Mitglied sind.

Inzwischen haben sich die Verhältnisse in der Sache geändert. "Der Verein ist glücklich, dass die Lusthaus-Ruine doch gerettet wird", sagt Ostertag. Seit der Vereinsgründung habe man mit dem zum Finanzministerium gehörenden Amt für Vermögen und Bau in zähen Verhandlungen einen Fortschritt erzielt, das Amt zeige sich inzwischen sehr kooperativ. Ostertag vergisst dabei aber nicht zu erwähnen, dass dies im Grunde nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit sei.

Schließlich habe das Land als Eigentümer seine Verpflichtung, das als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingestufte Baurelikt zu erhalten, sträflich vernachlässigt. Nach einem vom Land in Auftrag gegebenen Gutachten soll laut Ostertag schon im Sommer damit begonnen werden, die Ruine von oben und von unten gegen Feuchtigkeit abzudichten. Bis im Herbst des kommenden Jahres, hofft der Verein, sollen auch die Treppenstufen so abgedichtet sein, dass das Gewölbe darunter nicht wieder feucht werden kann.

Zaun und Gerüst sollen verschwinden

Überdies soll die Tragfähigkeit der Steine durch die Injektion eines Bindemittels verbessert und einzelne Steine sollen, wo nötig, durch neue ersetzt werden. Die Treppe der Lusthaus-Ruine werde auch künftig nicht offen sein, der Zaun und das Gerüst werde allerdings verschwinden. "Das Erdgeschoss wird wieder begehbar sein", sagt Ostertags Mitstreiter Frank Schweizer vom Verein zur Förderung und Erhaltung historischer Bauten, der eine Broschüre zur Geschichte des Lusthauses aufgelegt hat. Die Kosten für die Sanierung werden derzeit noch ermittelt.

Das Landesfinanzministerium bestätigt die Aussagen des Fördervereins zur Projektlage. Auf der Grundlage eines Gutachtens werde derzeit ein Konzept erarbeitet, "wie die Überreste des Lusthauses noch besser gesichert werden können". Erste Schritte könnten, je nach Umfang der Maßnahmen, "noch in diesem Jahr umgesetzt werden".

Derweil will der Verein Neues Lusthaus jetzt darangehen, soweit möglich, das Projekt mit Spenden zu unterstützen. Und weitere Aktionen sind vorgesehen. So plant die Staatsoper, deren Intendant Albrecht Puhlmann Vereinsmitglied ist, "Aktionen vor der Lusthausruine", so die Pressesprecherin, "möglicherweise noch in diesem Sommer".
 
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