Spieletheoretiker Gunther Rehfeld Ethik muss schon mit im Spiel sein
Johannes M. Müller, veröffentlicht am 18.08.2009
Hamburg - Dem Klischee des Nerds, des schrägen Computerfreaks, der Tag und Nacht im Keller verbringt, entspricht Gunter Rehfeld nicht. Abends kocht der 48-Jährige lieber für seine Frau und die beiden Kinder, als dass er vor dem Computer sitzt. Tagsüber aber ist er Professor an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften und unterrichtet zum Thema Computerspiele."Ich halte diese Phase des klassischen Computerspiels mit dem Nerd im Keller für eine historische Zwischenphase", sagt Rehfeld.
Das Internet habe das Computerspiel aus dem Keller ins Wohnzimmer geholt und zum festen Bestandteil sozialen Miteinanders werden lassen. Heute seien viele Spiele auf dem Markt, die gemeinschaftlich gespielt werden und gerade auf Partys beliebt seien.
Beim Spielen geht es Rehfeld um mehr als nur Spaß und Entspannung. Ihm ist der Zusammenhang von Spiel und Lernen wichtig. Elektronische Spiele als sinnlosen Zeitvertreib zu begreifen, geht für Rehfeld am Kern vorbei. "Ich sehe das Spiel als Kommunikation", sagt er. Seine Kurse beginnt er mit klassischen Brettspielen.
Die wichtigsten Punkte, so der Spieletheoretiker, seien Interaktion und Kommunikation, wie sie schon beim Kind zu beobachten seien. Dazu gehöre, sich auszuprobieren, verschiedene Rollen einzunehmen und spielerisch zu lernen.
Diese Elemente hatten Rehfeld begeistert, als er 2001 das Onlinespiel Lineage kennenlernte. Bis dahin hatte ihn kein Computerspiel gefesselt. Lineage erinnerte ihn jedoch an die Spiele seiner Jugend, in denen er und seine Freunde etwa in die Rollen von Rittern oder Elfen schlüpften und dort vorgegebene Aufgaben lösten.
Ganz ähnlich war das auch beim Onlinespiel Lineage. Nur dass dort die Spieler durchs Internet miteinander verbunden waren. 2001 zählte das Spiel weltweit schon mehr als zwei Millionen Nutzer. Der professionelle Blick Rehfelds registrierte genau, dass die Teilnehmer im Spiel ganz nebenbei ihre mathematischen und sprachlichen Fähigkeiten übten. "Die jungen Menschen mussten immer wieder die Werte ihrer Zauberkräfte und Lebensenergie berechnen", erklärt er.
Weil es das Spiel nur in englischer Sprache gab, trainierten die Spieler zudem ihre Sprachkenntnisse. Obendrein schulten gemeinschaftliche Onlinespiele die soziale Kompetenz und die Fähigkeit, Konflikte zu lösen.
Für seine Kinder, die beide noch im Grundschulalter sind, hat Rehfeld jedoch "limitierte Spielzeiten" eingeführt. Es ist ihm wichtig, mit ihnen gemeinsam zu spielen. Das Miteinander verringere die Gefahr, dass sich Kinder isolieren. Und doch haben solche Spiele neben diesen Gefahrmomenten für Rehfeld auch positive Aspekte: Für Menschen, die ihre Wohnung nicht verlassen können, seien sie ein Weg aus erzwungener Isolation.
Im neuen Master-Studiengang "Sound, Vision, Games", den es von nächstem Frühjahr an in Hamburg geben soll, wird deshalb auch die Ethik fester Bestandteil des Lehrinhalts sein. Denn die Hochschulen sieht der Professor in der Pflicht, zum Dialog anzuregen. "Ich finde es wichtig, dass wir an den Hochschulen einen wissenschaftlichen Diskurs und eine wissenschaftliche Reflexion ohne den ökonomischen Zwang der freien Wirtschaft führen können", sagt Rehfeld.
Mit einer Ringvorlesung, in der auch Sozialpsychologen und Pädagogen zu Wort kommen, möchte der bekennende Hobbyphilosoph dazu beitragen.
Bis Ende Oktober nimmt die Hochschule Bewerbungen für den neuen Studiengang entgegen. Das Studium ist das erste seiner Art an einer öffentlichen Hochschule - ein vergleichbarer Abschluss kostet in Berlin auf vier Semester verteilt 16.500 Euro. Die Bewerber sollten eine "hohe Affinität zu Computerspielen" mitbringen, wirbt Rehfeld für sein Projekt.
Er legt jedoch Wert auf das Innovationspotenzial dieses Studiengangs. "Nerds haben zur Entstehung der Game-Industrie beigetragen", sagt er. "Sie sind jedoch unkreativ. Sie würden nur ihr Lieblingsspiel neu entwickeln."
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Beim Spielen geht es Rehfeld um mehr als nur Spaß und Entspannung. Ihm ist der Zusammenhang von Spiel und Lernen wichtig. Elektronische Spiele als sinnlosen Zeitvertreib zu begreifen, geht für Rehfeld am Kern vorbei. "Ich sehe das Spiel als Kommunikation", sagt er. Seine Kurse beginnt er mit klassischen Brettspielen.
Interaktion und Kommunikation sind die wichtigsten Punkte
Die wichtigsten Punkte, so der Spieletheoretiker, seien Interaktion und Kommunikation, wie sie schon beim Kind zu beobachten seien. Dazu gehöre, sich auszuprobieren, verschiedene Rollen einzunehmen und spielerisch zu lernen.
Diese Elemente hatten Rehfeld begeistert, als er 2001 das Onlinespiel Lineage kennenlernte. Bis dahin hatte ihn kein Computerspiel gefesselt. Lineage erinnerte ihn jedoch an die Spiele seiner Jugend, in denen er und seine Freunde etwa in die Rollen von Rittern oder Elfen schlüpften und dort vorgegebene Aufgaben lösten.
Ganz ähnlich war das auch beim Onlinespiel Lineage. Nur dass dort die Spieler durchs Internet miteinander verbunden waren. 2001 zählte das Spiel weltweit schon mehr als zwei Millionen Nutzer. Der professionelle Blick Rehfelds registrierte genau, dass die Teilnehmer im Spiel ganz nebenbei ihre mathematischen und sprachlichen Fähigkeiten übten. "Die jungen Menschen mussten immer wieder die Werte ihrer Zauberkräfte und Lebensenergie berechnen", erklärt er.
Computerspiele haben viele positive Aspekte
Weil es das Spiel nur in englischer Sprache gab, trainierten die Spieler zudem ihre Sprachkenntnisse. Obendrein schulten gemeinschaftliche Onlinespiele die soziale Kompetenz und die Fähigkeit, Konflikte zu lösen.
Für seine Kinder, die beide noch im Grundschulalter sind, hat Rehfeld jedoch "limitierte Spielzeiten" eingeführt. Es ist ihm wichtig, mit ihnen gemeinsam zu spielen. Das Miteinander verringere die Gefahr, dass sich Kinder isolieren. Und doch haben solche Spiele neben diesen Gefahrmomenten für Rehfeld auch positive Aspekte: Für Menschen, die ihre Wohnung nicht verlassen können, seien sie ein Weg aus erzwungener Isolation.
Im neuen Master-Studiengang "Sound, Vision, Games", den es von nächstem Frühjahr an in Hamburg geben soll, wird deshalb auch die Ethik fester Bestandteil des Lehrinhalts sein. Denn die Hochschulen sieht der Professor in der Pflicht, zum Dialog anzuregen. "Ich finde es wichtig, dass wir an den Hochschulen einen wissenschaftlichen Diskurs und eine wissenschaftliche Reflexion ohne den ökonomischen Zwang der freien Wirtschaft führen können", sagt Rehfeld.
Bis Ende Oktober kann man sich für den neuen Studiengang bewerben
Mit einer Ringvorlesung, in der auch Sozialpsychologen und Pädagogen zu Wort kommen, möchte der bekennende Hobbyphilosoph dazu beitragen.
Bis Ende Oktober nimmt die Hochschule Bewerbungen für den neuen Studiengang entgegen. Das Studium ist das erste seiner Art an einer öffentlichen Hochschule - ein vergleichbarer Abschluss kostet in Berlin auf vier Semester verteilt 16.500 Euro. Die Bewerber sollten eine "hohe Affinität zu Computerspielen" mitbringen, wirbt Rehfeld für sein Projekt.
Er legt jedoch Wert auf das Innovationspotenzial dieses Studiengangs. "Nerds haben zur Entstehung der Game-Industrie beigetragen", sagt er. "Sie sind jedoch unkreativ. Sie würden nur ihr Lieblingsspiel neu entwickeln."
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