Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Sonntag, 12. Februar 2012

Wissen & Computer


Präsente Geschenke-Sharing

Peter Glaser, veröffentlicht am 10.01.2010
Einer Umfrage zufolge wird etwa jeder zehnte Deutsche ungeliebte Weihnachtspräsente online versteigern oder verkaufen. Foto: AP

Berlin - Es ist schön verpackt. Papier rauscht, man öffnet es und da ist es: das unerwünschte Geschenk. Was nun? Wenn die Oma ein gerahmtes Julio-Iglesias-Portrait schenkt, kann man es an die Wohnungstür hängen, um Einbrecher abzuschrecken, die glauben könnten, man besitze eine klauenswerte CD-Sammlung. An nutzlose Coffeetable Books kann man Holzklötzchen kleben und daraus einen Coffeetable machen. Man kann warten, bis man so viele Toaster geschenkt bekommen hat, dass man ein Sonnenstudio eröffnen kann. Oder man verkauft die unerwünschten oder doppelt gegebenen Gaben.


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Einer Umfrage zufolge wird etwa jeder zehnte Deutsche ungeliebte Weihnachtspräsente online versteigern oder verkaufen, unter den 14- bis 29-jährigen wird es sogar fast jeder Fünfte sein. Die Frage, ob man ungeliebte Geschenke weiterreichen darf, bereitet vielen Kopfzerbrechen. Geschenke soll man nicht weiterschenken. Und verkaufen? Immer mehr Beschenkte tun das. Nancy Reagan war eine fleißige Anhängerin dessen, was Amerikaner "regifting" nennen. Präsident Bush und seine Gattin reichten einen Hund, den ihnen der bulgarische Präsident Georgi Parvanov geschenkt hatte, an einen Freund weiter.

Geschenke zu verkaufen, ist in Ordnung (es sei denn, sie sind individualisiert). Das Entscheidende: es muss diskret geschehen. Das Geschenk ist runtergefallen und kaputt gegangen. Man hat es verloren. Greifen Sie zur Notlüge, was den Verbleib angeht. Dann beseitigen Sie alle Spuren des Ursprungsgebers samt Grußkarten. Man kann sich, um nicht auf seinem Ebay-Account beim Geschenkeverkaufen ertappt zu werden, den Account eines Freundes ausleihen. Oder man modifiziert die Geschenke, ehe man sie anbietet. Die selbst gemachte Duftseife von der Cousine kann man in Wasser auflösen, eine schöne Flasche suchen und die Lösung als Christmas-Shampoo verkaufen.

Ein Geschenk zu verkaufen ist weniger bedenklich als es weiterzuverschenken. Das hat dann etwas von Das-will-ich-unter-allen-Umständen-wieder-loswerden, während der Gegenstand mit dem Verkauf zwar den Glanz des Geschenks ablegt, aber immer noch den nüchternen Respekt geschäftlicher Wertschätzung genießt. Um verkauft werden zu können, wird es von seiner besten Seite präsentiert. So wendet man sich dem Objekt nochmal auf so eingehende Weise zu, wie man es nicht getan hätte, wenn es still im Haus geblieben wäre. Verkaufen Sie ruhigen Gewissens, was keine Freude macht! Aber lassen Sie sich ein wenig Zeit mit dem Geschenk und horchen Sie in sich hinein. Denn es gibt Dinge, die erst spät aufblühen. Manche können tatsächlich anfangen, einem zu gefallen.

E-Mail an den Autor: p.glaser@stz.zgs.de


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