Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Sonntag, 12. Februar 2012

Sport


Vor dem Spiel Deutschland-Argentinien Trainer Maradona unter Druck

dpa, veröffentlicht am 02.03.2010
Die Ausfälle des argentinischen Nationaltrainers Maradona sind bereits legendär. Foto: DPA

München - Direkt neben dem Hofbräuhaus logiert Diego Armando Maradona mit seinen "Gauchos". Besonders viel zu feiern hatte der argentinische Fußball-Nationaltrainer in den vergangenen Wochen allerdings nicht. Er wurde gesperrt wegen übelster Beleidigungen, hat die WM-Qualifikation mit Hängen und Würgen geschafft, und mehr als 100 Spieler seit seinem Amtsantritt im Oktober 2008 berufen. Die "Hand Gottes" hatte bislang noch kein glückliches Trainerhändchen. Ein guter Auftritt oder gar ein Sieg gegen Deutschland am Mittwoch in München - und die Kritiker wären erstmal besänftigt. "Deutschland will gewinnen, wir wollen gewinnen. Es wird ein spektakuläres Spiel", prophezeite Maradona am Montagabend bei einer Pressekonferenz. "Man muss Respekt haben vor Deutschland, die Mannschaft kämpft bis zur letzten Minute."


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Keine Frage: Maradona hat das Personal, um dagegenzuhalten. "Wir haben vom Namen her eine ganz gute Mannschaft, aber in der Qualifikation haben wir nicht so gespielt wie eine große Mannschaft", betonte Argentiniens Martin Demichelis vom FC Bayern. Der Abwehrspieler Demichelis war vor der WM in Deutschland 2006 vom damaligen Coach José Pekerman ausgemustert worden. Seither habe Maradona seine Leistungen genau verfolgt, ist sich der Bayern-Star sicher. "Er guckt jedes Spiel vom FC Bayern am Fernseher. Wir telefonieren oft miteinander. Er ist kein Trainer, der auf Distanz geht, sondern kommuniziert sehr viel."

Maradona wurde zwei Monate gesperrt


Ob er immer die richtigen Worte findet, ist aber fraglich. Bei der unsäglichen Verbalinjurie nach der geglückten WM-Qualifikation jedenfalls nicht. Maradona wurde vom Weltverband FIFA zwei Monate gesperrt und durfte bis zum 15. Januar nicht auf der Trainerbank sitzen. Er wurde gar zur unerwünschten Person bei der Gruppenauslosung erklärt. Als er bei der ersten Dienstreise nach dem Eklat durch Südafrika tourte, stellte die FIFA von vornherein klar, Maradona stehe für Interviews nicht zur Verfügung.

Ist Maradona, einst der wohl brillanteste Fußballer mit starkem Geltungsdrang, nun ein selbstherrlicher Trainer? Unvergessen die Bilder von seinem "Taucher" nach dem 2:1 gegen Peru im strömenden Regen. Dann kamen die Partie gegen Uruguay und Maradonas obszönen Beleidigungen - dem argentinischen Coach stand das Wasser bis zum Hals. Zumal seine Bilanz mit den "Gauchos" auch keinen vom Hocker reißen kann: Zehn Siege und sechs Niederlagen in 16 Spielen.

Maradonas fußballerischer Nachfolger in der argentinischen Elf, der Weltfußballer Lionel Messi, zeigt auf dem Platz oft nur Mittelmaß. Der beim FC Barcelona immer wieder überragende und mit seinem Ausnahmetalent die Fußballwelt verzückende "Floh" gelang unter Maradonna bisher nicht der Durchbruch. Während Messi große Worte und große Gesten meidet, lässt Maradona dafür keine Gelegenheit aus.

Streit mit dem argentinischen Verband


Und so legte sich Maradona kurz vor dem WM-Härtetest am Mittwoch in München, bei dem er die restliche Hälfte seines Kaders für Südafrika finden will, mit dem Verband an. Dieser hat mit der argentinischen Regierung ein Testspiel für den 24. Mai gegen Kanada ausgemacht - Hintergrund für den Termin sind die Feierlichkeiten zur 200-jährigen Unabhängigkeit Argentiniens. "Ob gegen Kanada gespielt wird, hängt von dem ab, was Diego sagt. Er ist es, der entscheidet", erklärte Nationalmannschafts-Manager Carlos Bilardo.

Ehe Maradona mit dem zweimaligen Weltmeister in Südafrika in der Vorrunde auf Nigeria, Südkorea und Griechenland trifft, will er ganz nebenbei noch mit seinem eigenen TV- und Internetsender "10 ETV" starten. Die "10" steht für Maradonas einstige Rückennummer, das "E" für Entertainment. Und dafür sorgt er ja meist schon selbst, manchmal auch unfreiwillig, wie am Montagabend in München, als die wartenden Journalisten den Grund für die einstündige Verspätung der Pressekonferenz erfuhren: Maradona stünde noch unter der Dusche, hieß es.


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