Nationalmannschaft Alle Hoffnung ruht auf Südtirol
Marko Schumacher, veröffentlicht am 05.03.2010
München - Wie es so ist, gegen Argentinien zu spielen, das bekam Thomas Müller kurz vor der Halbzeit zu spüren. Mit langen Schritten wollte der Emporkömmling, dessen Gegner vor einem Jahr noch Wacker Burghausen oder Erzgebirge Aue geheißen hatten, auf seiner rechten Seite nach vorne stürmen. Doch er prallte jäh ab an der Schulter von Gabriel Heinze, dem bulligen Verteidigerveteran mit der Erfahrung von 63 Länderspielen. Nach Luft japsend schleppte sich Thomas Müller anschließend in die Halbzeitpause und machte nach einer guten Stunde schließlich Platz für Toni Kroos, den anderen 20 Jahre jungen Debütanten. Es war ein bemühter, aber glanzloser Einstand, den Müller am Mittwochabend in seiner Heimat München gegeben hat - Lob vom Bundestrainer gab es dennoch.
Er habe "das Potenzial, dauerhaft auf unserer rechten Seite zu spielen", sagte Joachim Löw so milde, wie er auch den gesamten Auftritt der deutschen Nationalmannschaft bei der 0:1-Niederlage gegen Argentinien bewertete. Natürlich habe manches nicht so geklappt wie vorgesehen, natürlich gelte es noch "an der Feinabstimmung zu arbeiten". Aber einen Anlass zu grundlegender Besorgnis oder gar zu Panik, so lautete Joachim Löws Botschaft, gebe es nicht.
Allerdings wird auch Löw wissen, dass es im Hinblick auf das Turnier Südafrika mit Feinabstimmung alleine nicht getan ist. Das Spiel gegen Argentinien war der letzte Test vor der WM-Nominierung, der Aufschluss darüber geben sollte, wie weit die deutsche Mannschaft ist. Die Antwort fällt ziemlich ernüchternd aus. Eine sehr schwache Partie bot die DFB-Auswahl gegen den zweimaligen Weltmeister und offenbarte erhebliche Probleme in sämtlichen Mannschaftsteilen.
In seinem ersten Spiel als frisch gekürte Nummer eins rettete René Adler zwar zunächst famos gegen Angel di Maria, trug dann jedoch eine erhebliche Mitschuld am Gegentor. Wenn ein Torwart rauskommt, so lautet die alte Regel, dann muss er den Ball haben. Doch Adler kam zu spät und wurde von Gonzalo Higuain überlaufen.
Milde ließ Joachim Löw auch in diesem Falle walten. "Eigentlich richtig" sei Adlers Handeln gewesen, sagte der Bundestrainer und schwärmte vom schnellen Umschalten der Argentinier: "Da kann man die Sekunden zählen, bis der Ball im Tor liegt." Diesmal kam er auf drei. Auch der Abwehr bescheinigte Löw "eine ordentliche Leistung", doch bleibt auch hier noch viel Arbeit. Offen ist weiterhin die zweite Innenverteidigerposition neben Per Mertesacker, der aufgrund seiner Erfahrung als gesetzt gilt. In Abwesenheit des verletzten Heiko Westermann bekam Serdar Tasci eine neue Chance, die er auch diesmal nicht konsequent nutzen konnte.
Der Stuttgarter hatte gute Szenen - macht sich sein Spiel aber immer wieder mit Flüchtigkeitsfehlern kaputt. Und auf den Außen demonstrierte rechts Jerome Boateng trotz aller Hackentricks, dass er noch viel lernen muss, während auf der anderen Seite Philipp Lahm so ungewohnt fehlerhaft agierte, als wolle er sagen: ich will nicht mehr links spielen.
Vernehmbar knirscht es auch im Mittelfeld, in dessen Zentrale künftig Bastian Schweinsteiger an der Seite Michael Ballacks den Spielfluss ordnen soll. "Wir waren zu sehr auf die Defensive konzentriert", sagte Ballack, "darunter hat unser Offensivspiel gelitten." Und das führte dazu, dass der Sturm, die letzte Baustelle, in Person von Miroslav Klose in der ersten und Mario Gomez in der zweiten Hälfte gänzlich unsichtbar blieb. Erst mit der Hereinnahme von Cacau wurde das Spiel ein wenig munterer. Was dazu führte, dass der VfB-Stürmer als gefühlter Gewinner aus diesem tristen Abend hervorging.
Alle Hoffnung legt die deutsche Mannschaft nun auf die Wochen vor der WM. Denn am stärksten war sie immer dann, wenn sie genügend Zeit hatte, sich vorzubereiten. Das war beim entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Russland so, als Löw die Spieler immerhin eine Woche zusammen hatte. Und das zeigte sich vor allem bei den vergangenen Turnieren. Auch damals waren die Bedenken im Vorfeld groß - und am Ende stand ein dritter Platz bei der WM 2006 und ein zweiter bei der EM 2008. In Genf und auf Mallorca hatte das Team damals die Grundlagen gelegt.
Diesmal soll Eppan in Südtirol der Ort der wundersamen Wandlung werden. Nach den Regenerationstagen auf Sizilien schlägt die DFB-Auswahl dort Ende Mai ihr Trainingslager für die Weltmeisterschaft auf. "Wir sind nicht die Mannschaft mit der größten Qualität", sagt Philipp Lahm, "aber wir können uns vor einem Turnier besser vorbereiten als andere und brauchen die Wochen vorher dringend." Dann will auch Thomas Müller wieder dabei sein. Er verspricht, bis dahin kräftig Gas zu geben, denn er weiß: "Die WM-Tickets sind noch nicht ausgedruckt."
12.–14.4. Kurzlehrgang des DFB-Teams
Anf. Mai Benennung WM-Kader
8.5. Bundesliga-Abschluss
11.5. Nennung 35-Mann-Kader an die Fifa
12.5. Europa-League-Endspiel
13.5. Benefizspiel gegen Malta in Aachen
14.–21.5. Rehabilitationscamp der National- elf mit Familien in Sciacca/Sizilien
15.5. DFB-Pokalfinale in Berlin
21.5.–2.6. Trainingslager in Girlan
22.5. Champions-League-Endspiel
28.5. Beginn der Fifa-Abstellungsperiode
29.5. Länderspiel gegen Ungarn in Budapest
3.6. Länderspiel gegen Bosnien- Herzegowina in Frankfurt
5.6. Nennung 23-Mann-Kader an die Fifa
6.6. Abreise des DFB-Teams nach Südafrika
7.6. Bezug des DFB-Basis-Camps Vélmore bei Pretoria
11.6. Eröffnung WM-Endrunde in Südafrika
13.6. Erstes Gruppenspiel gegen Australien in Durban
18.6. Zweites Gruppenspiel gegen Serbien in Port Elizabeth
23.6. Drittes Gruppenspiel gegen Ghana in Johannesburg
11.7. WM-Finale in Johannesburg
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"Wir waren zu sehr auf die Defensive konzentriert. Darunter hat das Offensivspiel gelitten."
Ballack über das Argentinienspiel
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Allerdings wird auch Löw wissen, dass es im Hinblick auf das Turnier Südafrika mit Feinabstimmung alleine nicht getan ist. Das Spiel gegen Argentinien war der letzte Test vor der WM-Nominierung, der Aufschluss darüber geben sollte, wie weit die deutsche Mannschaft ist. Die Antwort fällt ziemlich ernüchternd aus. Eine sehr schwache Partie bot die DFB-Auswahl gegen den zweimaligen Weltmeister und offenbarte erhebliche Probleme in sämtlichen Mannschaftsteilen.
Löw lässt Milde walten
In seinem ersten Spiel als frisch gekürte Nummer eins rettete René Adler zwar zunächst famos gegen Angel di Maria, trug dann jedoch eine erhebliche Mitschuld am Gegentor. Wenn ein Torwart rauskommt, so lautet die alte Regel, dann muss er den Ball haben. Doch Adler kam zu spät und wurde von Gonzalo Higuain überlaufen.
Milde ließ Joachim Löw auch in diesem Falle walten. "Eigentlich richtig" sei Adlers Handeln gewesen, sagte der Bundestrainer und schwärmte vom schnellen Umschalten der Argentinier: "Da kann man die Sekunden zählen, bis der Ball im Tor liegt." Diesmal kam er auf drei. Auch der Abwehr bescheinigte Löw "eine ordentliche Leistung", doch bleibt auch hier noch viel Arbeit. Offen ist weiterhin die zweite Innenverteidigerposition neben Per Mertesacker, der aufgrund seiner Erfahrung als gesetzt gilt. In Abwesenheit des verletzten Heiko Westermann bekam Serdar Tasci eine neue Chance, die er auch diesmal nicht konsequent nutzen konnte.
Der Stuttgarter hatte gute Szenen - macht sich sein Spiel aber immer wieder mit Flüchtigkeitsfehlern kaputt. Und auf den Außen demonstrierte rechts Jerome Boateng trotz aller Hackentricks, dass er noch viel lernen muss, während auf der anderen Seite Philipp Lahm so ungewohnt fehlerhaft agierte, als wolle er sagen: ich will nicht mehr links spielen.
Entscheidende Vorbereitungsphase
Vernehmbar knirscht es auch im Mittelfeld, in dessen Zentrale künftig Bastian Schweinsteiger an der Seite Michael Ballacks den Spielfluss ordnen soll. "Wir waren zu sehr auf die Defensive konzentriert", sagte Ballack, "darunter hat unser Offensivspiel gelitten." Und das führte dazu, dass der Sturm, die letzte Baustelle, in Person von Miroslav Klose in der ersten und Mario Gomez in der zweiten Hälfte gänzlich unsichtbar blieb. Erst mit der Hereinnahme von Cacau wurde das Spiel ein wenig munterer. Was dazu führte, dass der VfB-Stürmer als gefühlter Gewinner aus diesem tristen Abend hervorging.
Alle Hoffnung legt die deutsche Mannschaft nun auf die Wochen vor der WM. Denn am stärksten war sie immer dann, wenn sie genügend Zeit hatte, sich vorzubereiten. Das war beim entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Russland so, als Löw die Spieler immerhin eine Woche zusammen hatte. Und das zeigte sich vor allem bei den vergangenen Turnieren. Auch damals waren die Bedenken im Vorfeld groß - und am Ende stand ein dritter Platz bei der WM 2006 und ein zweiter bei der EM 2008. In Genf und auf Mallorca hatte das Team damals die Grundlagen gelegt.
Diesmal soll Eppan in Südtirol der Ort der wundersamen Wandlung werden. Nach den Regenerationstagen auf Sizilien schlägt die DFB-Auswahl dort Ende Mai ihr Trainingslager für die Weltmeisterschaft auf. "Wir sind nicht die Mannschaft mit der größten Qualität", sagt Philipp Lahm, "aber wir können uns vor einem Turnier besser vorbereiten als andere und brauchen die Wochen vorher dringend." Dann will auch Thomas Müller wieder dabei sein. Er verspricht, bis dahin kräftig Gas zu geben, denn er weiß: "Die WM-Tickets sind noch nicht ausgedruckt."
Der Fahrplan der Nationalelf
12.–14.4. Kurzlehrgang des DFB-Teams
Anf. Mai Benennung WM-Kader
8.5. Bundesliga-Abschluss
11.5. Nennung 35-Mann-Kader an die Fifa
12.5. Europa-League-Endspiel
13.5. Benefizspiel gegen Malta in Aachen
14.–21.5. Rehabilitationscamp der National- elf mit Familien in Sciacca/Sizilien
15.5. DFB-Pokalfinale in Berlin
21.5.–2.6. Trainingslager in Girlan
22.5. Champions-League-Endspiel
28.5. Beginn der Fifa-Abstellungsperiode
29.5. Länderspiel gegen Ungarn in Budapest
3.6. Länderspiel gegen Bosnien- Herzegowina in Frankfurt
5.6. Nennung 23-Mann-Kader an die Fifa
6.6. Abreise des DFB-Teams nach Südafrika
7.6. Bezug des DFB-Basis-Camps Vélmore bei Pretoria
11.6. Eröffnung WM-Endrunde in Südafrika
13.6. Erstes Gruppenspiel gegen Australien in Durban
18.6. Zweites Gruppenspiel gegen Serbien in Port Elizabeth
23.6. Drittes Gruppenspiel gegen Ghana in Johannesburg
11.7. WM-Finale in Johannesburg
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