Russian Ark
Spiel im Geisterreich
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 28.05.2003
Filmbeschreibung
Kraft, Geheimnis und Eigenart des Kinos liegen im Schnitt. Der Schnitt kann zwei Momente aneinander fügen, die weit auseinander liegen. Er kann uns ohne Zeitverlust von einem Ort an den anderen versetzen. Er kann uns eine neue Perspektive auf die gerade beobachteten Menschen oder Dinge aufreißen. Der Schnitt erinnert uns daran, dass wir nie alles auf einmal aus allen möglichen Winkeln sehen können. Film ist in hohem Maße auch das, was wir nicht sehen, was wir denken und spekulieren. Diese Macht des Schnitts hat manche Filmemacher zur Rebellion gereizt. Zum Versuch, einen Film ohne Schnitte zu drehen. Doch sie mussten stets mogeln.
Herkömmliche Kameras fassen gerade mal zwölf Minuten Film. Die Illusion von Kontinuität wurde geschaffen, indem die Schnitte in der kurzen Beobachtung unbewegter Szenerien versteckt wurden. Was uns der russische Filmemacher Alexander Sokurov mit "Russian Ark" präsentiert, ist da von ganz anderem Kaliber. Die sechsundneunzig Minuten Film, in denen die Kamera durch die St. Petersburger Eremitage wandert, wurden am Stück aufgenommen, mit einer hochauflösenden Digitalkamera, die ihre Bildinformationen an eine Festplatte übermittelte.
Das Ganze ist eine logistische Meisterleistung, die Ausleuchtung der mit Kunstschätzen gefüllten, also nicht beliebig veränderbaren Räume ein Kabinettstück für sich, und die Arbeit des deutschen Kameramanns Tilman Büttner war auch eine körperliche Belastungsprobe.
"Russian Ark" ist ein Experiment, das die Gebrochenheit der Zeit und die rätselhaften Lücken des geschnittenen Films in seine durchlaufende Erzählung hineinholt. Beim Gang durch die Eremitage erleben wir bunt durcheinander Szenen aus verschiedenen Jahrhunderten. Der Erzähler weiß nicht, wie er in diese Situation geraten ist, und ein zweiter Bummelant, ein Franzose des neunzehnten Jahrhunderts, kann ihm ebenfalls keinen Aufschluss geben: sind wir in einem Traum, im Totenreich oder an einem Fleck des Kosmos, wo die Zeit kein Fluss, sondern ein See ist? Sokurov verhandelt beim Gang durch die Eremitage ernst und satirisch viele Themen, russische Geschichte und westeuropäische Fehlurteile, die Natur der Kunst und die Frage nach dem Umgang mit dem Ungewohnten. Aber die Machart seines Films drängt die Inhalte beständig beiseite. Wir sehen hier einer inszenierungstechnischen Bravourleistung zu, und die Auferstehung der Toten wirkt weniger fantastisch als in einem Film mit Schnitten.
Herkömmliche Kameras fassen gerade mal zwölf Minuten Film. Die Illusion von Kontinuität wurde geschaffen, indem die Schnitte in der kurzen Beobachtung unbewegter Szenerien versteckt wurden. Was uns der russische Filmemacher Alexander Sokurov mit "Russian Ark" präsentiert, ist da von ganz anderem Kaliber. Die sechsundneunzig Minuten Film, in denen die Kamera durch die St. Petersburger Eremitage wandert, wurden am Stück aufgenommen, mit einer hochauflösenden Digitalkamera, die ihre Bildinformationen an eine Festplatte übermittelte.
Das Ganze ist eine logistische Meisterleistung, die Ausleuchtung der mit Kunstschätzen gefüllten, also nicht beliebig veränderbaren Räume ein Kabinettstück für sich, und die Arbeit des deutschen Kameramanns Tilman Büttner war auch eine körperliche Belastungsprobe.
"Russian Ark" ist ein Experiment, das die Gebrochenheit der Zeit und die rätselhaften Lücken des geschnittenen Films in seine durchlaufende Erzählung hineinholt. Beim Gang durch die Eremitage erleben wir bunt durcheinander Szenen aus verschiedenen Jahrhunderten. Der Erzähler weiß nicht, wie er in diese Situation geraten ist, und ein zweiter Bummelant, ein Franzose des neunzehnten Jahrhunderts, kann ihm ebenfalls keinen Aufschluss geben: sind wir in einem Traum, im Totenreich oder an einem Fleck des Kosmos, wo die Zeit kein Fluss, sondern ein See ist? Sokurov verhandelt beim Gang durch die Eremitage ernst und satirisch viele Themen, russische Geschichte und westeuropäische Fehlurteile, die Natur der Kunst und die Frage nach dem Umgang mit dem Ungewohnten. Aber die Machart seines Films drängt die Inhalte beständig beiseite. Wir sehen hier einer inszenierungstechnischen Bravourleistung zu, und die Auferstehung der Toten wirkt weniger fantastisch als in einem Film mit Schnitten.
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Highlights am 11.02.
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