Bruno Ganz - Behind me
Wenn Worte zum Genussmittel werden
Rupert Koppold, veröffentlicht am 25.09.2003
Filmbeschreibung
"Ich wollte dem Menschen und gefeierten Schauspieler ohne Pathos, aber auch ohne Ironie nahe kommen. Ich wollte nichts erklären, sondern beobachten und zeigen: Bruno Ganz." So schreibt der Regisseur Norbert Wiedmer über seinen impressionistischen Film, in dem Bruno Ganz in Venedig herumstreicht, irgendwoanders in einem Tonstudio T. S. Eliots Werk "Das wüste Land" rezitiert, mit seiner Frau alte Fotos anschaut, etwa eines mit Wim Wenders ("Und der Wim wie eh und je, wunderbar.") - und vor allem immer wieder für Peter Stein "Faust" probt.
"Bruno, es macht mir groooßen Spaß, mit dir zu arbeiten", sagt Stein. Und Ganz, der nun auch bald als Hitler im Kino zu sehen ist, spricht die großen Faust-Monologe, vergisst mal hier ein Wort, nimmt mal da ein falsches, die Stimme wie immer leicht erkältet, leicht verstopft wirkend, schweizerisch kehlig die Intonation, das "R" fast mehr geraspelt als gerollt. Manchmal bricht der pathetische Ernst auch auf, dann runden sich plötzlich schalkhaft die dunklen, tief liegenden Augen, dann spitzt sich der breite Mund. Und immer ist hier eine Lust am Sprechen erkennbar, werden die Worte von Bruno Ganz behandelt wie Genussmittel.
Aber anders als der Schauspieler ist der ihn porträtierende Regisseur Norbert Wiedmer entweder ein sehr elitärer Kunstliebhaber oder ein Dilettant - und vielleicht schließen sich die beiden Kategorien ja überhaupt nicht aus. Wiedmer stellt Ganz nämlich nicht vor, er setzt voraus, dass man diesen genau kennt. Mehr noch: dieser Film versucht, sich durch mutwillige Informationsverweigerung interessant zu machen, er will den Schauspieler in einem synthetischen Raum der Kunst verehren, der fast frei ist von Biografie, Psychologie, Soziologie oder Politik.
Der Regisseur Klaus Michael Grüber taucht mal unvermittelt auf, Bruno Ganz hat oft mit ihm gearbeitet, im Film wird das kaum erwähnt. Im Restaurant bestellt einer mal einen Chablis, Ganz sitzt daneben, lächelt, sagt: "Ich hätt auch Lust." Dass er Alkoholprobleme hatte: man erfährt es im Film genauso wenig wie den Aufstieg des Bruno Ganz in den siebziger und achtziger Jahren zum Filmstar, zum grüblerisch-melancholischen und unbehausten Trenchcoatmann des europäischen Kinos.
Auch von Peter Steins "Faust", der alle beide Teile ungekürzt auf die Bühne brachte und damit einen Längen- , aber keinen Qualitätsrekord aufstellte, wird nur wenig vermittelt. Es fehlt sogar die Information, dass sich Bruno Ganz bei den Proben das Bein brach und sowohl die Premiere als auch viele weitere Vorführungen ohne ihn abliefen. Was man gegen Ende allerdings erfährt in diesem immer wieder die "Faust"-Probe zelebrierenden, aber nichts über die Aneignung einer Rolle erklärenden Film, entzieht diesem auch noch seine letzte Legitimation: Bruno Ganz sagt, dass er für "Faust" einfach "Text, Text, Text" gelernt, aber eigentlich "absolut nichts verstanden" habe. Sein Fazit: "Ich habe mit dieser Figur nichts zu tun."
"Bruno, es macht mir groooßen Spaß, mit dir zu arbeiten", sagt Stein. Und Ganz, der nun auch bald als Hitler im Kino zu sehen ist, spricht die großen Faust-Monologe, vergisst mal hier ein Wort, nimmt mal da ein falsches, die Stimme wie immer leicht erkältet, leicht verstopft wirkend, schweizerisch kehlig die Intonation, das "R" fast mehr geraspelt als gerollt. Manchmal bricht der pathetische Ernst auch auf, dann runden sich plötzlich schalkhaft die dunklen, tief liegenden Augen, dann spitzt sich der breite Mund. Und immer ist hier eine Lust am Sprechen erkennbar, werden die Worte von Bruno Ganz behandelt wie Genussmittel.
Aber anders als der Schauspieler ist der ihn porträtierende Regisseur Norbert Wiedmer entweder ein sehr elitärer Kunstliebhaber oder ein Dilettant - und vielleicht schließen sich die beiden Kategorien ja überhaupt nicht aus. Wiedmer stellt Ganz nämlich nicht vor, er setzt voraus, dass man diesen genau kennt. Mehr noch: dieser Film versucht, sich durch mutwillige Informationsverweigerung interessant zu machen, er will den Schauspieler in einem synthetischen Raum der Kunst verehren, der fast frei ist von Biografie, Psychologie, Soziologie oder Politik.
Der Regisseur Klaus Michael Grüber taucht mal unvermittelt auf, Bruno Ganz hat oft mit ihm gearbeitet, im Film wird das kaum erwähnt. Im Restaurant bestellt einer mal einen Chablis, Ganz sitzt daneben, lächelt, sagt: "Ich hätt auch Lust." Dass er Alkoholprobleme hatte: man erfährt es im Film genauso wenig wie den Aufstieg des Bruno Ganz in den siebziger und achtziger Jahren zum Filmstar, zum grüblerisch-melancholischen und unbehausten Trenchcoatmann des europäischen Kinos.
Auch von Peter Steins "Faust", der alle beide Teile ungekürzt auf die Bühne brachte und damit einen Längen- , aber keinen Qualitätsrekord aufstellte, wird nur wenig vermittelt. Es fehlt sogar die Information, dass sich Bruno Ganz bei den Proben das Bein brach und sowohl die Premiere als auch viele weitere Vorführungen ohne ihn abliefen. Was man gegen Ende allerdings erfährt in diesem immer wieder die "Faust"-Probe zelebrierenden, aber nichts über die Aneignung einer Rolle erklärenden Film, entzieht diesem auch noch seine letzte Legitimation: Bruno Ganz sagt, dass er für "Faust" einfach "Text, Text, Text" gelernt, aber eigentlich "absolut nichts verstanden" habe. Sein Fazit: "Ich habe mit dieser Figur nichts zu tun."
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