Sie haben Knut
Die Reinheit der Lehre in der eingeschneiten Skihütte
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 30.10.2003
Filmbeschreibung
Wer nicht Teil der Lösung ist, ist Teil des Problems. Dieser Satz, der das unablässige Engagement für die gute Sache fordert, bleibt nicht ohne Folgen. In ihm klopft der Hammer, der die Guillotine errichtet. In ihm knackt der Hahn der Waffe, mit der ein Terrorist einen Vertreter des "Schweinesystems" liquidiert. Die Komödie "Sie haben Knut" zeigt uns keine Waffen und keine Terroristen. Und doch bietet sie einen interessanten Ansatz zur Aufarbeitung der RAF: Sie zeigt den Gesinnungsterror eines selbstgerechten Milieus in seiner noch zivilen Form.
Das Ganze könnte als Sittenbild der Siebziger und Achtziger friedlicher nicht beginnen, in einer fast ganz eingeschneiten Skihütte in den Alpen. Ingo und Nadja (Hans-Jochen Wagner und Valerie Koch, Letztere gehört übrigens zum Ensemble des Stuttgarter Staatsschauspiels) haben sich hierher zurückgezogen, um ihre Beziehung zu klären. Das Stochern mit der Wortzange in den losen Nervenenden, die verquälten Annäherungen einer auf ihre Neuordnung des Privaten so stolzen Zeit treffen der Drehbuchautor Daniel Nocke ("Der Peitschenmeister") und der Regisseur Stefan Krohmer sehr böse und genau - so genau, dass die Dialoge bei manchem, der diese Ära noch erleben musste, Zahnschmerz auslösen werden.
Das Pärchen, das da mit dem Scheitern des Konzepts der offenen Beziehung klarzukommen sucht, wird bald gestört, wird also wieder zu einer sehr offenen und gruppendynamikreichen Beziehung gezwungen. Freunde des Bruders von Nadja tauchen auf, eine Schar, die im ersten Moment vor allem durch die bloße Gegenwart und den schieren Amüsierwillen nervt. Bald aber wird die Luft noch dicker: Eine vage Meldung trifft ein, Knut, ein politischer Aktivist, sei bei einer Demo verhaftet worden. Der Filmtitel "Sie haben Knut" verrät schon, dass nun eine Trennlinie zwischen "denen" und "uns" gezogen werden soll. Die politisch Bewussten, die streng Betroffenen versuchen die Machtübernahme in der Clique.
Krohmer und Nocke, die beide von der Filmakademie in Ludwigsburg kommen, nehmen aber nicht nur Wichtigtuerei und Bunkerdenken auf die Schippe. Sie beobachten die Techniken der sprachlichen Machtergreifung, die Erstickung des Diskurses in der Verkleidung der offenen Gesprächsführung. Die Bonsai-Ausgaben der Politkommissare - Nocke selbst spielt einen von ihnen - wollen immer über alles reden, aber das Gespräch drehen sie konsequent in eine Überprüfung des Gegenüber um. Weicht er von der einen Wahrheit, die sie selbst gepachtet haben, ab?
Sarkastisch vermerkt der Film, wie die Reinheit der Stadtindianer-Lehre sich von verschwurmelter Sexualität aushebeln lässt. Was bei allen anderen als rohe Frivolität getadelt wird, jedes bisschen Lebensfreude angesichts des angeblichen Leidens von Knut in den Folterkellern der Staatsmacht, das loben die Kommissare ausgerechnet an Knuts bis zum Desinteresse unbekümmerter Freundin als trotzige Stärke angesichts der Macht der Repression. Bei all dem Amüsement über die Entlarvung einer mehr als zweifelhaften Ersatzbefriedigung der sexuell zu kurz Gekommenen im Bett der Politik fällt einem aber doch auf, dass Daniel Nocke und Stefan Krohmer mit ihren Figuren bald fertig sind.
Der Film entlarvt seine Figuren so schnell und gründlich, dass er nach einer halben Stunde wenig Neues zu erzählen weiß. Man kann das als Schattenseite der Gründlichkeit des Regisseurs und seines Autors betrachten - oder als Mut, diese Leute nicht interessanter zu gestalten, als sie sind und waren.
Das Ganze könnte als Sittenbild der Siebziger und Achtziger friedlicher nicht beginnen, in einer fast ganz eingeschneiten Skihütte in den Alpen. Ingo und Nadja (Hans-Jochen Wagner und Valerie Koch, Letztere gehört übrigens zum Ensemble des Stuttgarter Staatsschauspiels) haben sich hierher zurückgezogen, um ihre Beziehung zu klären. Das Stochern mit der Wortzange in den losen Nervenenden, die verquälten Annäherungen einer auf ihre Neuordnung des Privaten so stolzen Zeit treffen der Drehbuchautor Daniel Nocke ("Der Peitschenmeister") und der Regisseur Stefan Krohmer sehr böse und genau - so genau, dass die Dialoge bei manchem, der diese Ära noch erleben musste, Zahnschmerz auslösen werden.
Das Pärchen, das da mit dem Scheitern des Konzepts der offenen Beziehung klarzukommen sucht, wird bald gestört, wird also wieder zu einer sehr offenen und gruppendynamikreichen Beziehung gezwungen. Freunde des Bruders von Nadja tauchen auf, eine Schar, die im ersten Moment vor allem durch die bloße Gegenwart und den schieren Amüsierwillen nervt. Bald aber wird die Luft noch dicker: Eine vage Meldung trifft ein, Knut, ein politischer Aktivist, sei bei einer Demo verhaftet worden. Der Filmtitel "Sie haben Knut" verrät schon, dass nun eine Trennlinie zwischen "denen" und "uns" gezogen werden soll. Die politisch Bewussten, die streng Betroffenen versuchen die Machtübernahme in der Clique.
Krohmer und Nocke, die beide von der Filmakademie in Ludwigsburg kommen, nehmen aber nicht nur Wichtigtuerei und Bunkerdenken auf die Schippe. Sie beobachten die Techniken der sprachlichen Machtergreifung, die Erstickung des Diskurses in der Verkleidung der offenen Gesprächsführung. Die Bonsai-Ausgaben der Politkommissare - Nocke selbst spielt einen von ihnen - wollen immer über alles reden, aber das Gespräch drehen sie konsequent in eine Überprüfung des Gegenüber um. Weicht er von der einen Wahrheit, die sie selbst gepachtet haben, ab?
Sarkastisch vermerkt der Film, wie die Reinheit der Stadtindianer-Lehre sich von verschwurmelter Sexualität aushebeln lässt. Was bei allen anderen als rohe Frivolität getadelt wird, jedes bisschen Lebensfreude angesichts des angeblichen Leidens von Knut in den Folterkellern der Staatsmacht, das loben die Kommissare ausgerechnet an Knuts bis zum Desinteresse unbekümmerter Freundin als trotzige Stärke angesichts der Macht der Repression. Bei all dem Amüsement über die Entlarvung einer mehr als zweifelhaften Ersatzbefriedigung der sexuell zu kurz Gekommenen im Bett der Politik fällt einem aber doch auf, dass Daniel Nocke und Stefan Krohmer mit ihren Figuren bald fertig sind.
Der Film entlarvt seine Figuren so schnell und gründlich, dass er nach einer halben Stunde wenig Neues zu erzählen weiß. Man kann das als Schattenseite der Gründlichkeit des Regisseurs und seines Autors betrachten - oder als Mut, diese Leute nicht interessanter zu gestalten, als sie sind und waren.
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